Bayer-Trainer Dutt

Krisenbewältigung ohne Milchreis und Nutella

Wäre Robin Dutt am Montagmorgen bei seiner Analyse laut geworden, hätte sich kein Spieler von Bayer Leverkusen beschweren dürfen. 0:2 (0:1) hatten jene am Tag zuvor in Mainz verloren und sich nach dem Pokalaus gegen Dynamo Dresden binnen einer Woche zum zweiten Mal blamiert. Doch der Trainer zog es vor, ruhig zu bleiben.

Dabei warb Dutt unter anderem für die Gemeinschaft, in der er nach rund acht Wochen immer noch wie ein Fremdkörper wirkt.

Vom SC Freiburg war der 46-Jährige Mitte Juni nach Leverkusen gekommen, um das Erbe von Jupp Heynckes anzutreten. Doch bisher ist es ihm nicht gelungen, die Mannschaft, die die vergangene Saison auf Platz zwei beendete, auf Kurs zu halten. Im Gegenteil, die Werkself droht zu havarieren. Es passt derzeit nicht viel zusammen im Spiel einer Mannschaft, die für Qualitätsfußball steht.

Mit einer Mischung aus Ironie und Humor versuchte Dutt gestern, die Stimmung etwas zu heben. "Die Saison ist entschieden. Borussia Dortmund ist am Freitag Deutscher Meister geworden", sagte Robin Dutt, der seine neue Mannschaft zum Titelkandidaten erhoben hatte und davon trotz des missglückten Saisonstarts auch nicht abrückt: "Ich bin weit davon entfernt, die Nerven zu verlieren. Wenn du aus dieser Situation gestärkt hervorgehst, hast du als Trainer im Endeffekt noch mehr davon."

Derzeit hat es allerdings den Anschein, als würden sich die Probleme nicht so schnell beheben lassen - und immer neue hinzu kommen. In Mainz war nicht zu übersehen, wie sehr sich Kapitän Simon Rolfes über seine Auswechslung in der 60. Minute ärgerte - wort- und grußlos war er danach am Trainer vorbeigegangen. "Den Grund kenne ich nicht", sagte er zu seiner Herausnahme. Bezüglich des teils emotionslosen Spiels der ganzen Mannschaft ergänzte der Mittelfeldspieler: "In Sachen Einstellung haben wir noch sehr viel Luft nach oben. Wir waren ein leichtes Opfer und hätten viel mehr Laufbereitschaft zeigen müssen."

Dass der Trainer für Rolfes dann aber den erst 20 Jahre alten Nicolai Jörgensen brachte, war dann eine weitere Ohrfeige für Bankdrücker Michael Ballack. Der frühere Kapitän der deutschen Nationalmannschaft durfte überhaupt nicht spielen, nachdem er beim Pokalspiel in Dresden noch eingewechselt worden war. Da war Ballack beim Stand von 3:0 gekommen und mit seinen Kollegen noch 3:4 untergegangen.

Trainer Dutt weiß um die schwierige Personalie. Denn Ballack polarisiert. Nach der Partie in Mainz, bei der sich Ballack 30 Minuten warmlaufen durfte, wurde er von Franz Beckenbauer als Auslaufmodell abgekanzelt. "Es gilt, ein anständiges Ende zu finden. Heute wird ein anderer Fußball gespielt. Es wird versucht, den FC Barcelona zu kopieren. Er ist ein Spielmacher, der den Ball fordert und mit langen Bällen operiert. Er passt nicht mehr in das Kurzpassspiel, das heute forciert wird", sagte der Ehrenpräsident des FC Bayern bei Sky und sprach dem früheren Weltstar damit die Bundesliga-Tauglichkeit ab. Ballack selbst wollte sich nach dem Auftritt von Mainz öffentlich nicht äußern. Mit dem Trainer aber unterhielt er sich am Montagmorgen minutenlang. Dutt sprach anschließend von einem "guten Austausch". Mit einem Spieler, der nicht der einzige Unzufriedene ist. Nationalstürmer Stefan Kießling etwa durfte in Mainz nur ein paar Minuten spielen und wirkte dabei lustlos.

Dass die Chemie zwischen der Mannschaft und ihrem neuen Trainer bislang noch nicht stimmt, hat der Übungsleiter aber auch ein stückweit selbst zu verantworten. So waren die Spieler kürzlich wenig erfreut darüber, als Robin Dutt ihre Essgewohnheiten änderte. Denn künftig soll es bei den Buffets auf Auswärtsreisen oder bei den Hotelaufenthalten vor den Heimspielen keinen Milchreis, kein Nutella und keine Schnitzel mehr geben. Ob sich die Maßnahme auszahlt, wird sich zeigen.

Zumindest Fabian Giefer kann darauf vorerst nicht überprüft werden. Der Torhüter, der in Mainz mit einem Querschläger zum Torschützen Sami Allagui die Niederlage eingeleitet hatte, fällt verletzt aus. Den schwarzen Sonntag für Giefer machte eine schwere Gehirnerschütterung perfekt, die er sich sechs Minuten vor dem Abpfiff bei einem Zusammenprall mit Eric Maxim Choupo-Moting zuzog. Die Nacht zum Montag musste der Leverkusener in der Universitätsklinik Mainz verbringen. Am Sonntag gegen Werder Bremen wird Giefer definitiv fehlen.

Da Nationaltorhüter Rene Adler (Knieoperation) noch mindestens bis Oktober ausfällt und auch David Yelldell beim peinlichen Erstrunden-K.o. im DFB-Pokal patzte, werden die Bayer-Verantwortlichen wohl noch einmal auf dem Transfermarkt aktiv werden. Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser bestätigte, dass die Verpflichtung des 19-jährigen Bernd Leno vom VfB Stuttgart "ein Thema" sei. Dem Vernehmen nach will Leverkusen den Junioren-Nationaltorhüter für ein halbes Jahr ausleihen.

Sollte gegen Werder Bremen noch mal der aus Duisburg gekommene Yelldell spielen, ist offenbar auch Robin Dutt nicht ganz wohl dabei: "David wird, wenn er spielt, gute Bälle halten, und er wird auch Fehler machen. Da hoffen wir mal, dass nicht jeder Fehler mit einem Gegentreffer bestraft wird. Wir haben halt keine drei Rene Adler im Kader."