Real Madrid in Berlin

Besuch aus einer fremden Galaxie

Die Galaktischen sind gelandet. Und wie wir das von Wesen aus anderen Galaxien ahnen, halten sie sich von Menschen fern. Alf war da anders, der in den 80er-Jahren von den Tanners aufgenommene pelzige Halbwüchsige. Die Galaktischen von Real Madrid bildeten gestern keine Ausnahme.

Und so wartet Henrik Hoelzmann vergeblich auf sein Idol Cristiano Ronaldo. Der portugiesische Superstar verschwindet wie der gesamte Real-Tross direkt vom Rollfeld in den Bus. Der elfjährige Henrik, seine Mutter Ina Hoelzmann und rund 70 weitere Autogrammjäger am Ausgang des Gates A13 am Flughafen Tegel gehen leer aus.

Dabei hatte Henrik extra Portugiesisch-Vokabeln gepaukt: "Bom Dia", Guten Tag, und "Aqui", hier! Er wollte sich von der Masse absetzen, wenn der Beau vorbeiläuft: "Eigentlich bin ich Herthaner", sagt er, "aber seit Ronaldo zu Madrid gewechselt ist, bin ich auch Real-Fan." Zuvor sei er auch für Manchester United gewesen, Ronaldos früherem Klub. Doch aller Opportunismus nutzt nichts. Henriks Trikot und das Ronaldo-Foto bleiben unbefleckt.

"Wenn wir es nicht versucht hätten, hätten wir uns auch geärgert", sagt Katrin Wegner. Die 33-Jährige ist aus Bremen angereist, Hauptstadt angucken und Real Madrid verfolgen. Sie hoffte, dass sich alle auf Ronaldo stürzen würden, damit sie ein Autogramm von Xabi Alonso ergattern kann. Doch auch der Spanier nahm den Hinterausgang.

Raus aus dem Flughafen, rauf auf Berlins Straßen und ab zum Hotel in die City. Schließlich hatte die Maschine schon 20 Minuten Verspätung.

Ein Aufschrei erfüllt den Potsdamer Platz. Cristiano Ronaldo hat den Bus vor dem Fünf-Sterne-Hotel verlassen. Er schreitet über den Roten Teppich, Rucksack auf dem Rücken, wie alle Spieler. Stehen bleibt er nicht, wie alle Spieler. Er grüßt nicht, wie die meisten Spieler. Seine Augen verdeckt eine große Sonnenbrille.

Vor ihm entstieg schon Real neue Nummer zehn, der deutsche Nationalspieler Mesut Özil, dem Bus. Grußlos und mit so tief ins Gesicht gezogener Kappe, dass selbst die Fotografen ihn nicht erkennen, marschiert er in das Hotel.

"Ich verstehe das", sagt Patrick Ablicano, "das ist für die Spieler nicht so einfach, sie haben ja schon so nie Zeit." Jetzt wollen und sollen die Profis im Hotel entspannen. Özil, Ronaldo und Co. können Kraft tanken. Ihre Vorbereitung ist schließlich anstrengend genug. Berlin und das Spiel bei der Hertha sind nur Zwischenstopps auf der Freundschaftsspiel-Tournee, die Reals Spieler einmal um die ganze Welt führt. Vor wenigen Tagen spielten die Profis noch in den USA, am Wochenende steht ein Kurztrip nach Großbritannien auf dem Plan, und anschließend geht es nach China.

Für den 26 Jahre alten Studenten Ablicano ist das unwichtig. Er ist froh, dass er hier in Berlin seine Lieblingself sehen kann. Ablicano studiert seit drei Jahren in Berlin, er kommt aus Honduras, "und Real Madrid dort zu sehen, wird sehr schwierig." Er lacht, gleichwohl sein Trikot auch kein Autogramm abbekommen hat. Hinten drauf: die Nr. 7, Ronaldo.

Nur einer wird vorgelassen und darf die Galaktischen besuchen: Hertha-Manager Michael Preetz. Er ist für Real ungefähr das, was die Tanners für Alf waren. Der einzige Kontakt zur Außenwelt, die da draußen auf dem Potsdamer Platz steht. Preetz fährt um 13 Uhr am Roten Teppich vor. Niemand kreischt.

Dann heißt es warten. Fast fünf Stunden stehen Ablicano und Hunderte Andere schon vor dem Hotel, als der Bus erneut vorfährt. Mourinho verlässt das Hotel. Sami Khedira folgt ihm fünf Minuten später, kurz darauf kommt auch Özil. Die Kappe wieder tief, verzieht er keine Miene. Erst als er kurz vor dem Bus Jurica Vranjes sieht, den alten Kollegen aus Bremer Zeiten, lächelt er kurz, sie schütteln die Hände. Özil verschwindet im Bus.

Dann wird es noch einmal laut. Der Obergalaktische kommt: Cristiano Ronaldo. Ein Hotelgast drängelt sich an ihm vorbei, schlingt seinen Arm um den 26-Jährigen. Klick. Ein exklusiver Schnappschuss. Ablicano und die 600 anderen Real-Fans müssen sich das Schauspiel aus sicherer Entfernung anschauen. Um 16.12 Uhr fährt der Bus ab. Ziel: Olympiastadion. Die Versammlung ist aufgelöst.

"Es hat sich gelohnt, hier zum Hotel zu kommen. Das war immer mein Traum, diese Mannschaft zu sehen", sagt Ablicano. Ein Autogramm hat er immer noch nicht, wie alle, die hier oder am Flughafen warteten. Der Student muss jetzt zum Stadion. Seine Chancen auf eine Unterschrift auf seinem Trikot werden sich dort nicht erhöhen. Denn nach dem Spiel werden die galaktischen Real-Kicker direkt wieder der deutschen Hauptstadt entschweben.

Zehn Stunden dauerte der Besuch aus einer anderen Galaxie.

Wir sind den Gästen leider nicht sehr viel näher gekommen. Ganz anders als damals bei Alf.