Fußball-WM

Nordkoreas Deutschland-Reise endet mit Doping-Skandal

Um 6.45 Uhr war der Spuk vorbei. Über dem Düsseldorfer Flughafen ging gerade die Sonne auf, als die Geheimniskrämer aus Nordkorea das Gastspiel bei der Fußball-WM der Frauen auf ihre Art beendeten: durch Flucht mit dem Flieger LX1029 über Zürich nach Pjöngjang.

Zurück blieben ein handfester Doping-Skandal, ein leerer Mannschaftsbus und ein DFB-Präsident in Rage.

Theo Zwanziger schickte dem wie immer rigoros abgeschirmten Team eine Botschaft hinterher, die frei von jeder diplomatischen Floskel war: "Dieser Vorfall unterstreicht den Eindruck von einem menschenverachtenden System in Nordkorea, in dem versucht wird, Sportler mit allen Mitteln zu Erfolgen zu führen."

Es ist das letzte Kapitel eines bizarren Deutschland-Aufenthalts der laut Weltrangliste achtbesten Frauenfußball-Mannschaft der Welt. Die Spielerinnen Song Jong Sun und Jong Pok Sim waren positiv auf ein anaboles Steroid getestet und deshalb kurzfristig aus dem Kader für das Kolumbien-Spiel gestrichen worden. Trainer, Verband und alle Verantwortlichen der Nordkoreaner trugen nichts zur Aufklärung bei, es wurde wieder einmal gemauert. Als die Zwölf-Stunden-Frist zur Beantragung der Öffnung der B-Probe verstrichen war, was üblicherweise als Schuldeingeständnis gewertet wird, reagierte der Weltverband Fifa: Er wird die Proben dennoch öffnen lassen.

"Heute ist ein sehr trauriger Tag", hatte Dr. Jiri Dvorak, Chefmediziner der Fifa, um kurz vor Mitternacht in Bochum mit finsterer Miene gesagt. Dass 19 Damen in Leibchen mit der Aufschrift "Doping" den gesamten Kader quasi zur Kontrolle "abführen" mussten, bezeichnete er als "einmaligen Vorgang bei Weltmeisterschaften". Fast entschuldigend schob er nach: "Aber wenn es zwei positive Proben in einer Mannschaft gibt, schreiben die Regeln dieses Prozedere vor."

Schon nach dem ersten Gruppenspiel gegen die USA in Dresden (0:2) hatte der nordkoreanische Trainer Kim Kwang-min für einen Eklat gesorgt, als er die Niederlage gegen den Klassenfeind mit einem Blitzschlag zu erklären versucht hatte. Dadurch seien seine Spielerinnen geschwächt gewesen und hätten körperlich nicht mit dem US-Team mithalten können. Dass Trainer Kim nach der Rückkehr in der Heimat seinen Job als Nationaltrainer behalten darf, gilt als äußerst unwahrscheinlich. Frauenfußball wird in Nordkorea als nationale Aufgabe betrachtet. Misserfolge sind unerwünscht.