Boxen

Haye vs. Klitschko - "Es wird eine Exekution"

Nur wenige Tage vor dem Boxkampf des Jahres zeigen sich David Haye und Wladimir Klitschko ihre gegenseitige Verachtung. Jeder auf seine ganz eigene Art: Haye pöbelnd und provozierend, Klischko ruhig und selbstbewusst.

Foto: Bongarts/Getty Images / Bongarts/Getty Images/Getty

David Haye blieb sich treu, pöbelte und provozierte. Wladimir Klitschko konterte mit der Ruhe und dem Selbstbewusstsein aus 55 Siegen in 58 Profiboxkämpfen. Fünf Tage vor dem Boxkampf des Jahres haben sich die Weltmeister einen verbalen Schlagabtausch geliefert.

Beide Schwergewichtler machten bei der offiziellen Pressekonferenz in der Hamburger Messe kein Hehl aus ihrer gegenseitigen Abneigung und heizten die Stimmung vor dem Duell am Sonnabend (ab 22.45 Uhr/RTL) mit markigen Sprüchen kräftig an.

Nachdem Haye auf dem Podium seinem Widersacher, wie schon einige Male zuvor, den Handschlag verweigert hatte, fragte Klitschko: "Alle haben mir die Hand gegeben - Mohamed Ali, der amerikanische Präsident, der Dalai Lama - warum weigerst du dich?" Der 30 Jahre alte Brite antwortete: "Ich werde dir die Hand schütteln, wenn ich dich am Sonntag im Krankenhaus besuchen komme. Es wird eine Exekution geben, wie es sie im Boxen noch nicht gegeben hat." Klitschko (35) konterte schlagfertig, indem er Hayes 30-minütige Verspätung aufs Korn nahm. "Es haben alle eine halbe Stunde auf dich Prinzessin gewartet." Den skandalösen Auftritt im April 2009, bei dem Haye mit einem T-Shirt schockte, auf dem er die abgetrennten Köpfe der Box-Brüder aus der Ukraine in Händen hielt, hat Wladimir Klitschko nicht vergessen. "Ich knocke dich aus und hole dich in dein normales Leben zurück. Das wird gut für dich sein", sagte "Dr. Steelhammer".

Beim obligatorischen "stare down", bei dem sich die Kontrahenten minutenlang tief in die Augen schauen und ihre Entourage so tat, als wolle man aufeinander losgehen, zeigte der Ukrainer seinem Gegner als Warnung die linke Hand, auf der die Zahl 50 geschrieben stand. Ein vorzeitiger Sieg wäre der 50. K.o in seiner Karriere.

Im Titelvereinigungskampf in Klitschkos Wahlheimat Hamburg steht zu viel auf dem Spiel: Es geht zunächst um drei Titel. Klitschko verteidigt die Gürtel der Verbände International Boxing Federation (IBF) und World Boxing Organization (WBO). Haye setzt den Gürtel der World Boxing Association (WBA) aufs Spiel. Da Wladimirs älterer Bruder Vitali (40) im Besitz des Gürtels des World Boxing Councils (WBC) ist, streben die ukrainischen Brüder an, alle vier WM-Titel in einer Familie zu vereinigen. Etwa 45 000 Fans werden in der Hamburger Arena mitfiebern, der übertragende TV-Sender RTL hofft auf eine Einschaltquote deutlich über zehn Millionen Zuschauern. 30 Sekunden Werbung kosten 149 400 Euro. In über 150 Ländern wollen TV-Sender den rund 25 Millionen Euro schweren Megafight anbieten.

Haye will den totalen Klitschko-Triumph mit allen Mitteln verhindern. Schon allein deswegen, weil er bei einem Sieg gegen Wladimir noch vor seinem selbst gesetzten Karriereende im Oktober - da wird er 31 Jahre alt und beabsichtigt die Handschuhe an den Nagel zu hängen - gegen Vitali boxen könnte. Da gäbe es dann vermutlich 50 Millionen Euro zu verdienen. Außerdem wäre er im Siegesfalle der erste Mann in der Profibox-Königsklasse, der alle Titel der relevanten Verbände auf sich vereinigt hätte. Seit Ende 2008 sind die Klitschkos Ziel von Hayes mittlerweile dummen ("Wären wir Tiere, wäre ich ein Leopard und er ein beschissener Esel") Verbalattacken. Vor zwei Wochen stellte er sein neues Handyspiel "David Haye's Knockout" vor, bei dem man einem virtuellen Gegner den Kopf abschlagen muss. "Mein Gegner in diesem Spiel ist ein sehr großer Osteuropäer. Am 2. Juli wird jeder sehen, wer genau dieser Typ ist, dem ich den Kopf wegblase", sagte Haye.