Eishockey

Stanley-Cup: Matchball für Christian Ehrhoff

Eine Hand hat Christian Ehrhoff schon am Stanley Cup, bald könnte er die begehrteste Eishockey-Trophäe der Welt in die Höhe stemmen. Ein Sieg fehlt dem Nationalspieler noch, um als erster Deutscher nach Uwe Krupp Meister in der National Hockey League (NHL) zu werden.

"Wir haben wieder mit Energie gespielt und zu unserem Spiel zurückgefunden", sagte der 28-Jährige nach dem 1:0 (0:0, 0:0, 1:0) im fünften Finale mit den Vancouver Canucks gegen die Boston Bruins. In der Nacht zu Dienstag (2 Uhr MESZ) kann sich Ehrhoff einen Traum erfüllen. Als Krupp vor 15 Jahren die Colorado Avalanche in der dritten Verlängerung des vierten Endspiels zum entscheidenden Sieg schoss, saß er daheim in Moers vor dem Fernseher und sagte sich: "Da will ich auch hin."

Dass Ehrhoff & Co. mit 3:2-Siegen führen und in der "Best-of-seven"-Serie in Boston den ersten Matchball haben, verdanken sie Torhüter Roberto Luongo. Der kanadische Olympiasieger, der beim 0:4 zwei Tage zuvor noch vom Eis genommen worden war, bot eine grandiose Leistung. "Er hat sehr stark gehalten", lobte Ehrhoff den 32-Jährigen. Luongo wehrte 31 Schüsse ab und verbuchte sein viertes Shutout im laufenden Play-off. Den dritten Sieg der Kanadier im dritten Heimspiel der Finalserie stellte Maxim Lapierre mit seinem zweiten Play-off-Tor in der 45. Minute sicher. Nicht nur 18 860 Zuschauer in der Rogers Arena, sondern auch mehr als 100 000 Fans in den Straßen der Olympiastadt von 2010 feierten überschwänglich. "Es ist das Finale um den Stanley Cup. Niemand hat je behauptet, dass es einfach werden würde", sagte Siegtorschütze Lapierre. "Wir mussten uns sammeln und zurückschlagen, das haben wir getan."

Starker Canucks-Keeper Luongo

Im sechsten Spiel in Boston steht den Canucks, die in ihrer 41-jährigen Klubgeschichte noch nie den Stanley Cup gewannen, aber ein schwerer Gang bevor. In den ersten beiden Auswärtsspielen waren sie beim 1:8 und 0:4 ohne Chance. "Jetzt müssen wir schauen, dass wir die gleiche Energie auch in Boston aufs Eis bringen", sagte Ehrhoff. In dem Finale, das auch ein Duell der Deutschen Ehrhoff und Dennis Seidenberg (Boston) ist, standen die beiden Nationalmannschaftskollegen am längsten aller Spieler auf dem Eis. Ehrhoff war 24:36 Minuten im Einsatz, einzig übertroffen von Seidenberg auf der Gegenseite, der sogar 27:39 Minuten spielte.

Seidenberg und die Boston Bruins stehen mit dem Rücken zur Wand. "Wenn wir verlieren, ist es vorbei, aber keiner denkt so weit", sagte der Verteidiger, der in Schwenningen geboren ist. "Wir sind optimistisch, dass es ein siebtes Spiel geben wird." Am 29-Jährigen lag es nicht, dass das älteste US-Team der NHL wieder in Rückstand geriet. Der Ex-Mannheimer blockte, checkte, ackerte und gab fünf Schüsse aufs Tor von Luongo ab. Doch Canucks-Goalie Luongo, der nach zwölf Gegentoren in den beiden Spielen zuvor harsche Kritik einstecken musste, war nicht zu überwinden.