Extremismus

BFC Dynamo und der schwere Kampf gegen den schlechten Ruf

Gefeiert haben sie wie die Großen. Amadeus Wallschläger, Kapitän des BFC Dynamo, rannte wenige Augenblicke nach dem Empfang des BFV-Pokals und dem Siegerfoto auf dem Rasen des Jahn-Sportparks mit dem Pokal in den Händen in Richtung Fanblock - wie einst Bayern-Star Franck Ribery mit dem DFB-Pokal.

Wenig später musste Trainer Heiko Bonan eine ausgiebige Bierdusche durch seine Spieler über sich ergehen lassen, die die Pressekonferenz nach dem Finale kurzerhand gestürmt hatten. Ähnliche Bilder von Jürgen Klopp und seinen Dortmunder Meisterspielern von vor knapp vier Wochen dürften noch in bester Erinnerung sein. "Dieser Titel ist für das Selbstwertgefühl des Vereins und seiner Fans unbezahlbar", sagte Bonan.

Die Last, die von dem Fußball-Oberligisten abgefallen ist, war riesig. Endlich, so die einhellige Meinung beim DDR-Rekordmeister, hat man wieder einen Titel eingefahren, zwölf Jahre nach dem letzten Berliner Pokalsieg. Und so bekommt der Klub wieder die Chance für etwas, wonach er sich seit mehr als einem Jahrzehnt förmlich verzehrt hat: überregionale, ja bundesweite Aufmerksamkeit. Das 2:0 (0:0) gegen den Berlin-Ligisten SFC Stern 1900, der sich knapp eine Stunde tapfer gewehrt hat, am Ende durch einen Sonntagsschuss von Alexander Rahmig (56.) und das Tor von Matthias Steinborn (66.) dennoch unterlegen war, bescherte dem BFC den Einzug in die erste Runde des DFB-Pokals. Und damit das Spiel gegen einen Erst- oder Zweitligisten. "Wir sind stolz, dass wir gegen einen Profiklub spielen dürfen", sagte Bonan. Der Wunschgegner? "Entweder einen ganz Großen, wo man Kasse machen kann, dann hätte auch ganz Berlin etwas davon. Oder einen nicht ganz so Starken, gegen den wir vielleicht eine kleine Chance aufs Weiterkommen haben", erklärte Bonan.

Für den BFC ist es außerdem die große Chance, sein ramponiertes Image aufzupolieren, zumindest ein klein wenig. Praktisch seit der Wende steht der Klub im Ansehen in der Öffentlichkeit ganz unten, zunächst wegen seiner Stasi-Vergangenheit, dann wegen seiner "Fans", die vor allem durch Gewaltbereitschaft und Rechtsradikalismus auffielen. Am Mittwochabend blieb es im Jahn-Sportpark zwar weitestgehend ruhig, anders noch als im Vorjahr, als rund 150 BFC-Chaoten den Platz nach der Niederlage gegen Berlin Ankaraspor Kulübü gestürmt hatten.

Doch die heile Welt, die nicht zuletzt Trainer Bonan versuchte zu zeichnen ("Hier gibt es keine Nazis und keine Hooligans"), ist beim BFC mitnichten vorhanden. Und dabei waren die Feuerwerkskörper, die nach dem Führungstreffer gezündet wurden - und für eine kurzzeitige Unterbrechung sorgten - sowie während der Siegerehrung noch das kleinere Übel.

Ermittlungsverfahren eingeleitet

Schon vor dem Spiel wurden BFC-Fans von der Polizei verhaftet, weil sie in der Straßenbahn auf dem Weg zum Stadion rechtsextremistische Parolen gerufen hatten. Fahrgäste hatten die Polizei gerufen, die zwölf Personen zunächst festnahm. Die Tatverdächtigen wurden nach Polizeiangaben zwar wieder auf freien Fuß gesetzt, der Zugang zum Jahn-Sportpark wurde ihnen jedoch verwehrt, zudem wurden Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Volksverhetzung eingeleitet. Auch während des Spiels mussten Sicherheitskräfte, unterstützt vom Dynamo-eigenen Ordnungsdienst, die Situation im BFC-Block beruhigen. Vorkommnisse, die die erhoffte Aufbruchstimmung bei den Hohenschönhausern schon im Keim ersticken könnten. Und auch des Transparent beim Halbfinalsieg gegen Türkiyemspor ("Im Finale gibt es Bratwurst statt Döner") ist eindeutig zweideutig.

Bonan jedenfalls setzt auf die positive Kraft des Pokalsieges, was bleibt ihm auch übrig. "Alle, die dabei waren, werden wieder zu ihrem Verein stehen und uns auch durch die Vorbereitung begleiten", glaubt der ehemalige BFC-Spieler. Und verweist lieber darauf, dass sein Klub in Sachen Problemfans kein Alleinstellungsmerkmal besitzt: "In Osnabrück laufen die Dresdner Fans noch vor Abpfiff des Relegationsspiels auf den Rasen, auch in Frankfurt stürmten Fans plötzlich den Innenraum." Dies sei viel schlimmer, als das, was er beim BFC in den vergangenen Monaten erlebt habe. Der Ruf des BFC wird damit aber kein Deut besser.