Motorsport

Monaco ist Schumachers letzte große Prüfung

Ein Formel-1-Pilot ist kein wandelndes Lexikon und Michael Schumachers letzter Sieg ja auch schon ein Weilchen her. "Hat er hier so lange nicht gewonnen", wunderte sich Sebastian Vettel, "auch 2002 nicht?".

Zu einer Zeit, als Schumacher nach 13 von 17 Rennen zum fünften Mal als Weltmeister feststand.

Schumachers letzte Siegesfahrt datiert vom 27. Mai 2001, seither empfing kein deutscher Fahrer den Siegerpokal in der monegassischen Fürstenloge. Und auch Vettels Auftritt im vergangenen Titeljahr verlief etwas unglücklich, obwohl er den knapp verpassten Triumph nicht als "Lücke" empfinde. Der 23 Jahre alte Red-Bull-Pilot hat ja noch Zeit, wenngleich er das anders sieht. Diesmal könne "Michael gerne Zweiter werden - hinter mir".

Schumacher hinterließ gestern im Training nicht den Eindruck, als könne er Vettel folgen. Erst krachte er in eine Leitplanke und demolierte seinen Mercedes. Dann trennten ihn als Siebter sieben Zehntelsekunden von Vettel auf Rang fünf. Trainingsbester war Fernando Alonso.

Manche sagen, Schumacher habe in Monaco nicht nur Schrott produziert, sondern auch viel Porzellan zerschlagen. Im vergangenen Jahr überholte er während einer Safetycar-Phase Ferrari-Mann Fernando Alonso. 2006 stellte Schumacher seinen Ferrari in der Rascasse-Kurve so ab, dass der nachfolgende Alonso auf einer schnellen Qualifikationsrunde behindert wurde. Schumacher musste dafür büßen, verziehen wurde ihm nicht, weil er sich nicht dem öffentlichen Druck beugte, etwas Reue zu zeigen. Nun kann man ihm nicht den Vorwurf machen, dass er sein Fähnchen nach dem Wind hängt. Als einer der wenigen Piloten sprach er sich gegen ein Verbot des abklappbaren Heckflügels an diesem Sonntag aus, den ein Fahrer zum Überholen "scharf stellen" kann. Wem der Handgriff zu gefährlich sei, "der kann auf einen Einsatz ja verzichten", beschied der Altmeister die Kollegen.

So viel Draufgängertum traut man ihm immer noch zu, aber Schumacher war es, der das Thema Sicherheit unter Piloten stets auf die Agenda setzte. Als ob er ahnt, dass es für ihn in Monte Carlo womöglich die letzte große Prüfung in dieser Saison wird, bei der er brillieren kann, soll ihm nun nicht noch das Phlegma eines Bedenkenträgers nachgesagt werden.

Er hat ohnehin andere Sorgen, muss beweisen, dass er genauso fit und konzentriert ist wie seine jungen Mitstreiter. "Noch mehr als auf dein Fahrtalent kommt es in Monaco auf deine psychische Vorbereitung an", doziert Fernando Alonso, "und darauf, wie stark du bist, dich auf die 80 Rennrunden zu konzentrieren." Rund 4000 Mal müssen die Fahrer mit ihrer Lenkwippe während des Rennens die Gänge wechseln. Sie beschleunigen im Tunnel bis auf über 320 Stundenkilometer, um kurz darauf - im Tageslicht - an der Hafenschikane herunterzubremsen, fast in den Stillstand. An der Rascasse-Kurve, die nach dem berühmten Restaurant benannt ist, gibt es keine Auslaufzone. Der Kurs birgt dieses Jahr besondere Risiken, wenn die Rennfahrer auf Knopfdruck ihre zusätzlichen 82 PS freigeben, die das Hybridsystem Kers beim Bremsen in den 19 Kurven gespeichert hat. Auch das Abklappen des Heckflügels kann ein halsbrecherisches Manöver nach sich ziehen. "Der Stadtkurs ist schon irgendwie anachronistisch, wo wir sonst so stark auf Sicherheit bedacht sind", sagt Schumacher. "Aber das Rennen ist so etwas Besonderes im Formel-1-Kalender: Das muss einfach sein." Schumacher kämpft an vielen Fronten. Vielleicht denkt der 42-Jährige dieser Tage an Olivier Panis. Er könnte Schumacher daran erinnern, dass auch Außenseiter einen seltenen Glücksmoment in Monaco erleben können. Der Franzose Panis siegte 1996 in einem Ligier, im Regen. Am Sonntag soll es heiter werden.