Hertha BSC

Die Geheimnisse des Pierre-Michel Lasogga

Acht Gründe, die Herthas jungen Stürmer zum Gewinner der Saison machen und ihm eine erfolgreiche Zukunft verheißen.

Ehrgeiz

Ablösefrei kam Lasogga vor der Saison nach Berlin, ihm gegenüber stand Zwei-Millionen-Transfer Rob Friend. Eine Chance auf die Startelf hatte er auf dem Papier nicht. Als der Kanadier schwächelte, stand Lasogga aber parat, traf im dritten Spiel gleich doppelt - und gibt seinen Stammplatz nicht mehr her. Aufgeben kommt für ihn nie infrage. "Selbst wenn ich angeschlagen bin, muss ich alles aus mir herausholen. Nur dann weiß ich, dass ich es verdient hatte, in der Startelf zu stehen", sagt er selbst. Seine Mutter Kerstin sagt: "Er hat nie den einfachen Weg gewählt. Er wollte nie etwas geschenkt haben." Deshalb wären die guten Kontakte seines Stiefvaters Oliver Reck niemals eine Option gewesen, um auf sich aufmerksam zu machen - Lasogga wollte die Vereine selbst überzeugen. Bei Hertha hat er das mustergültig vorgemacht. Mit bislang zwölf Treffern in 23 Spielen.

Bodenständigkeit

Fast jeden Fußballstar ziert irgendwo ein Tattoo. Das ist auch bei Lasogga so. Nur das Motiv ist ungewöhnlich: Auf seinen linken Unterarm ließ er sich im Oktober das Konterfei seiner Mutter Kerstin stechen. Das war auch ein kleines Dankeschön für eine Aktion in der Vorbereitung: Da hatte der Youngster so wenig Zeit, dass ihm seine Mutter in Berlin eine Wohnung suchen musste. Ihr würde er sogar einen Orden überreichen: "Weil sie mich in jeder Situation unterstützt", sagt er.

Kraft

Als Lasogga zu Hertha kam, hatte er ein paar Gewichtsprobleme, konnte zunächst nur in der langsamsten Gruppe laufen. Das ist Geschichte, seine Fitnesswerte sind top - seine unbändige Kraft ist trotzdem geblieben. U 21-Nationaltrainer Rainer Adrion sagt: "Pierre ist ein echter Mittelstürmer. Solche Typen gibt es nicht mehr viele. Die meisten Offensiv-Spieler wollen lieber über den Flügel kommen." Die etwas bullige Spielweise brachte Lasogga prompt zwei Spiele für die U 21-Nationalelf ein. Und selbst Einsätze für das A-Team scheinen möglich - Adrion soll mit Bundestrainer Löw in Kontakt wegen Lasogga stehen.

Ausbildung

Der Aufnahmeantrag zu seinem ersten Verein FC Gladbeck zeigt es: Das Toreschießen lernte Lasogga im Alter von fünf Jahren noch als "Pierre Michelle", das "le" ging irgendwann verloren. Über Schalkes Jugend ging es weiter über Essen, Wattenscheid, zur B-Jugend des VfL Wolfsburg und zu Bayer Leverkusen. Renommierte Jugendabteilungen, deren Ausbildung nun Hertha zugute kommt.

Torriecher

Stürmer werden an Toren gemessen und selten daran, wie diese zustande kamen. So gesehen ist Lasogga ein Prachtexemplar. Sein Riecher für Torgefahr ist bemerkenswert, kein Ball, dem er nicht hinterher sprinten würde, keine Hereingabe, in die er nicht einfach mal seinen Fuß hineinhält. Sein Credo: "Man muss einfach mal auf solche Bälle spekulieren und einen Schritt vor dem Abwehrspieler sein." Lasogga ist der Typ für die einfache Lösung. Und dafür muss er schon mal den Kopf ausschalten: "Eigentlich denke ich gar nicht", sagte er einmal, "ich geh einfach raus und will Spaß haben." Trainer Babbel sagt: "Wenn Pierre nicht abhebt, wird er sich in der Ersten Liga durchsetzen."

Familie

Die Familie Lasogga wird in dieser Saison wohl einen internen Reiserekord aufstellen: Rund 500 Kilometer trennen den 19-Jährigen von seiner Heimatstadt Gladbeck. Trotzdem reist Mama Kerstin mit Lasoggas Geschwistern Jenny (13), Gian-Luca (8) und Etienne (5) so oft zu Herthas Heimspielen wie nur möglich, sie sind sein großer Rückhalt. Auch bei den Auswärtsspielen zeigt Familie Lasogga Flagge: In Oberhausen schauten ihm gleich acht Verwandte zu. "Sie unterstützen mich, wo sie können", sagt Lasogga. Und bauen ihn auf, wenn es mal nicht läuft.

Stil

Oft läuft das ja so: Da kommt ein junger, erfolgreicher Spieler - und wird von den älteren erst einmal argwöhnisch beäugt. Bei Hertha ist das laut Lasogga anders. Das Alter sei vollkommen egal, so etwas wie Grüppchenbildung gebe es nicht, hat der Torjäger kürzlich in einem Interview erzählt. Seine junge, spontane und direkte Art kommt bei den Mitspielern auf jeden Fall gut an. Lasogga hat auch vor gestandenen Bundesligaspielern keine Berührungsängste. Er ist beliebt, besonders gut versteht er sich mit Peter Niemeyer. "Wir teilen uns im Hotel ein Zimmer und machen vorm Spiel immer unsere Späße", sagt der Torjäger. Offenbar nicht nur vor dem Spiel: Als Lasogga in Ingolstadt traf, formte er ein P mit den Händen - als Dankeschön für seinen Kumpel Peter, der ihn zuvor ermuntert hatte, doch mal wieder zu treffen.

Vorbilder

Besser als Lasogga kann man wohl nicht an den Profifußball herangeführt werden. 2002 jubelte die ganze Familie um Oliver Reck über den DFB-Pokal-Sieg, Lasogga durfte die Trophäe sogar anfassen. Dumm nur, dass Reck als Torwart für einen Stürmer nicht so richtig als Vorbild taugt. Zumal Lasogga sagt: "Es ist egal, wer an deiner Seite steht, entscheidend ist, wie du dich präsentierst." So hat er einen anderen Youngster auserkoren: Thomas Müller. "Er hat gezeigt, wie schnell es nach oben gehen kann."

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