Tennis

Drama um Sabine Lisicki bei French Open

Julia Görges zufrieden, Sabine Lisicki schwer enttäuscht: Die Berliner Qualifikantin, die nach dem Spiel weinend zusammenbrach und mit der Trage vom Court gebracht werden musste, verpasste am vierten Tag der French Open eine große Überraschung nur knapp.

Sie konnte beim 6:4, 5:7, 5:7 in der zweiten Runde gegen die Tennis-Weltranglistendritte Wera Swonarewa (Russland) einen Matchball und eine 5:2-Führung im entscheidenden Satz nicht nutzen.

Als einziger deutscher Tennisprofi bisher schaffte Görges den Einzug in die dritte Runde von Paris. Die Weltranglisten-18. hatte mit 2:4 im zweiten Satz zurückgelegen, ehe sie das Blatt noch wendete und mit 2:6, 7:5, 6:2 gegen Lucie Safarova (Tschechien) gewann. "Ich war gar nicht auf dem Platz und habe mich gefragt, was machst du eigentlich", sagte Görges mit Blick auf ihre verschlafene Anfangsphase. Zum Erfolg führte die 22-Jährige auch ihr selbst entworfenes Mental-Buch zurück, das sie bei den Seitenwechseln immer wieder zur Hand nahm: "Darin steht, was ich spielen soll. Mit Textmarker unterstrichen." Um einen Platz im Achtelfinale spielt Görges am Freitag gegen Lokalmatadorin Marion Bartoli (Frankreich/Nr. 11). "Zu den Turnierfavoriten zähle ich mich aber nicht", erklärte die Stuttgart-Siegerin.

Zusammenbruch im dritten Satz

Görges fand zunächst kein Mittel gegen das aggressive Spiel von Linkshänderin Safarova, die in der Rangliste 19 Plätze hinter der Fedcup-Spielerin steht. Erst nach dem 2:4-Rückstand im zweiten Durchgang gelang der jetzt immer sicherer agierenden Bad Oldesloerin die Wende. "Ich habe mir selbst noch die Chance gegeben, das Match zu gewinnen. Das war der Knackpunkt", meinte die Powerspielerin. In den vergangenen Wochen hatte Görges mit zwei Siegen über die Branchenführerin Caroline Wozniacki (Dänemark) große Erwartungen geweckt. Großen Anteil an ihrem Aufstieg hat Trainer Sascha Nensel. Der frühere Coach von Nicolas Kiefer machte Görges fitter und flexibler. "Ich konnte früher nur von der Grundlinie draufhauen und Bum-Bum spielen", meinte Görges.

Stuttgart-Viertelfinalstin Lisicki, die im vergangenen Jahr wegen einer hartnäckigen Knöchelverletzung insgesamt sechs Monate pausieren musste, hatte sich als Qualifikantin ins Hauptfeld von Paris gespielt. Vor der Wimbledon-Finalistin Swonarewa zeigte die 21-Jährige keinen Respekt und bestach durch ihre knallharten Grundschläge. Beim Stand von 5:2 im dritten Satz vergab Lisicki einen Matchball und musste sich danach wegen Kreislaufproblemen und Krämpfen behandeln lassen. Sie zwang sich noch einmal auf den Platz, wehrte sogar einen Matchball ab, aber nach 2:40 Stunden war sie mit den Kräften am Ende.

Die Bollettieri-Schülerin war im August 2009 schon einmal die Nummer 22 der Weltrangliste, derzeit wird sie an Position 121 geführt. Zuletzt hatte sie bei zweitklassigen Turnieren um wichtige Punkte für das Klassement kämpfen müssen.

Dagegen schieden Philipp Petzschner (Bayreuth) und Qualifikantin Mona Barthel (Bad Segeberg) aus. Während der 0:6, 6:7-K.o. von Barthel gegen Anastasia Pawljuschenkowa (Russland) zu erwarten war, erlebte Wimbledon-Doppelsieger Petzschner eine böse Überraschung. Der Mannschafts-Weltmeister unterlag dem in der Weltrangliste 65 Plätze schwächer stehenden Qualifikanten Steve Darcis (Belgien) 5:7, 4:6, 4:6. Petzschner haderte mit den vielen Linienbällen seines Gegners: "Das Verhältnis war 257:5 für ihn. Das war demoralisierend. Ich habe Schwierigkeiten, das zu akzeptieren." Heute haben noch vier weitere deutsche Profis die Chance, in die dritte Runde von Roland Garros einzuziehen.

Auf Rekordjagd bleibt der Serbe Novak Djokovic. Der Melbourne-Sieger profitierte von der Aufgabe seines Gegners Victor Hanescu (Rumänien), der beim Stand von 6:4, 6:1, 2:3 für den Favoriten wegen einer Oberschenkelblessur nicht weiterspielen konnte. Für Djokovic war es der 39. Sieg in diesem Jahr.