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Niemeyer als neuer Anführer

Die Jungen, ein fast schon gescheitertes Talent und einer, den vor der Saison so recht niemand auf der Rechnung hatte, sind hinter Überflieger Lasogga die Gewinner des Aufstiegsjahres. Zum Schlüsselspieler aber wurde einer, der eher zufällig in Berlin landete.

Peter Niemeyer: Es grenzt an Absurdität, dass der wichtigste Transfer bei Hertha BSC vor der Saison wieder einmal so gar nicht geplant war. Nach Torjäger Andrey Voronin, der im Fast-Meister-Jahr 2008/09 nur kam, weil sich ein gewisser Amine Chermiti am Bein verletzte, war der Leihspieler aus Bremen nun die Antwort auf diverse Blessuren von Fabian Lustenberger während der Sommervorbereitung. Mit Verve avancierte Niemeyer, bei Werder nur Mitläufer, in neuer Umgebung zum Anführer, organisierte, kommandierte und setzte mit gesunder Härte auch immer wieder das Zeichen: Wir können nicht nur gut Fußball spielen - wir können uns auch wehren. Kaum zufällig ist Niemeyer, der gegen Zahlung von 700 000 Euro Ablöse an Bremen für weitere drei Jahre unter Vertrag stehen wird, ein Anwärter auf das Kapitänsamt in Liga eins.

Nico Schulz: Alles staunte über das Dortmunder Mega-Talent Mario Götze, viel wurde diskutiert darüber, ob ein 17-Jähriger wie der Schalker Julian Draxler mit einem Schulabbruch gut beraten ist. Im Schatten dieser Überflieger seines Jahrgangs leistete eine Etage tiefer auch Schulz Verblüffendes. Rund 500 Einsatzminuten, die sich auf 18 Einsätze verteilten, verzeichnete er, darunter zwei über die volle Spielzeit. Zur neuen Generation bei Hertha gehören mit Sebastian Neumann, Fanol Perdedaj, Marco Djuricin, Marvin Knoll und Alfredo Morales (plus natürlich Lasogga) ein halbes Dutzend weitere Talente, die in dieser Saison zumeist auch den Sprung in die diversen U-Nationalmannschaften schafften.

Patrick Ebert: Schon vor Beginn der Sommervorbereitung hatte der Problemspieler einen Stein im Brett bei Markus Babbel. "Den kriege ich hin", so lautete des Trainers feste Überzeugung. Nach einem noch im Juli erlittenen Kreuzbandriss erfolgte Eberts Einstieg erst sehr viel später als geplant - aber viel schneller als erwartet schwang er sich empor zu einer Art "emotional leader" seines Teams. Und das nach der Derby-Niederlage just zu einer Zeit, zu der nicht nur die Kollegen, sondern auch die Fans nach frischen Impulsen dürsteten.

Nikita Rukavytsya: In Eberts Abwesenheit schnappte sich mit dem Ukraino-Australier einer die vakante Stelle, der dafür kaum vorgesehen war - und schoss sich erst recht überraschend in die Top 10 der Zweitliga-Scorerwertung. Der gelernte Stürmer, dessen größte Stärke seine unerhörte Geschwindigkeit ist, verfügt außerdem über ein feines linkes Füßchen. "Nur" vier Tore erzielte Rukavytsya anfangs vom rechten, später vom linken Flügel aus - aber servierte meist mit ruhenden Bällen zu imposanten zwölf Einschüssen der Kollegen.