Interview

"Er passt in die Reihe von Maier, Pfaff und Kahn"

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Bayerns Ex-Torwart Pfaff begrüßt Neuers Wechsel

Berliner Morgenpost: Herr Pfaff, Manuel Neuer hat gestern bekannt gegeben, dass er seinen Vertrag auf Schalke nicht verlängern wird. Vieles spricht dafür, dass er schon in diesem Sommer nach München kommt.

Jean-Marie Pfaff: Ich erwarte nichts anderes. Ich hatte eigentlich im vergangenen Sommer schon gedacht, dass er nach München kommen würde. Nach dem Abgang von Michael Rensing, und Jörg Butt hat ja auch schon ein gewisses Alter erreicht. Es ist eben einfach so, bei Bayern München muss der beste Torwart spielen. Das ist kein Klub, der jemanden ins Tor stellt, der sich noch beweisen muss.

Berliner Morgenpost: Sowohl die Schalker als auch ein Teil der Bayern-Fans sehen den Wechsel kritisch.

Jean-Marie Pfaff: Ich kann die Sichtweise dieser Fans nicht verstehen. Fußball ist mittlerweile ein Job, kein Hobby. Natürlich ist das traurig für Schalke. Aber sie sollten ihm dankbar sein, für das, was er geleistet hat.

Berliner Morgenpost: Neuer steht quasi für Schalke, stand einst selbst in der Kurve und ist jetzt Kapitän.

Jean-Marie Pfaff: Als Belgier sage ich Ihnen, die Bundesliga kann froh sein, dass jemand wie Manuel Neuer weiter in der Bundesliga spielt. Für Deutschland ist das sehr gut. Ich denke, die Bayern-Fans werden ihn auch akzeptieren. Und im Endeffekt hilft Neuer auch Schalke. Überlegen Sie, was für Summen gehandelt werden. 20 Millionen, was kann Schalke damit alles machen? Das ist auch alles eine Geschäftssache.

Berliner Morgenpost: Von Bayerns Ehrenpräsidenten Franz Beckenbauer wurde Neuer bereits als bester Torhüter der Welt geadelt. Ist er das?

Jean-Marie Pfaff: Er ist ein exzellenter Torwart, das ist er. Ob er der weltbeste ist? Dafür muss er ein paar Jahre bei Bayern auf konstant hohem Niveau halten. Die Situation ist doch jetzt eine andere. Bei Schalke bekam er ständig zu tun, bei Bayern muss er in den entscheidenden Momenten, und das sind nur wenige, da sein. Dazu kommt, er hatte noch nie eine schwere Verletzung. Wenn er das alles übersteht, dann ist eine solche Bezeichnung wie bester Torwart der Welt angebracht. Aber ohne Frage, er ist auf einem guten Weg dahin. Und der beste Torhüter in der Bundesliga ist er sowieso. Und für mich passt er als Einziger in die Reihe von Maier, Pfaff und Kahn. (Alle drei sind Torhüterlegenden des FC Bayern. Anm. d. Red.)

Berliner Morgenpost: Er kann also auch eine Ära prägen?

Das Potenzial hat er. Aber es ist schwierig, so etwas zu prophezeien. Er hat eine Qualität, die ich nur noch bei ganz wenigen Torhütern, die momentan in der Bundesliga spielen, ausmache: Die meisten sind nur gut, wenn die Mannschaft gut ist. Aber wenn die Mannschaft schlecht spielt, passen sie sich dem Niveau an. Das ist bei Neuer anders, er kann eine Mannschaft nach vorne bringen. Aber das war bislang Schalke. Bei Bayern müssen Titel her. Ansonsten sieht man, was passiert.

( as )