Doping

Bundestag diskutiert über Pechstein

Jens Hungermann

Ist die Bestätigung der Dopingsperre auf Indizienbasis für die fünfmalige Eisschnelllauf-Olympiasiegerin Claudia Pechstein durch das Internationale Sportgericht Cas förderlich für den Antidopingkampf oder nicht?

Ähnlich kontrovers wie Fans und Fachleute diskutierte diese Frage der Sportausschuss im Bundestag - und ähnlich zwiespältig sind die Meinungen.

"Unstrittig ist, dass Pechstein um ihre Lebensleistung gebracht wird", behauptete etwa der Berliner CDU-Abgeordnete Frank Steffel. Stephan Mayer (CSU) monierte einen "faden Beigeschmack", und der Staatssekretär im Bundesinnenministerium, Christoph Bergner (CDU), erkennt in der Causa Pechstein "Dramatik", weil es eine "Vorzeigeathletin" getroffen habe: "Ich war immer stolz auf Claudia Pechstein und ihre Leistungen."

Nicht nur die neue Sportausschussvorsitzende Dagmar Freitag (SPD) wunderte sich über einige ihrer Kollegen: "Einen Schaden für den deutschen Sport kann ich nicht erkennen. Wenn wir das Cas-Urteil anerkennen, dann müssen wir davon ausgehen, dass nicht alle Leistungen sauber erbracht wurden." FDP-Obmann Joachim Günther schlug vor, unter Federführung des Ausschusses all jene Fachleute "an einen Tisch zu holen", die das Urteil und die Beweisführung als gut oder misslungen bewertet haben.

Dass das eher unter medizinischen denn unter juristischen Fachleuten nicht unumstrittene Urteil rechtlich endgültig ist, betonte der als Sachverständiger geladene Cas-Richter Dirk-Reiner Martens: "Man wird mit diesem Urteil leben müssen." Er wies darauf hin, dass die Kronzeugenregelung, mit der Berlinerin Claudia Pechstein ihre Sperre theoretisch auf ein halbes Jahr reduzieren könnte, "durchaus noch anwendbar ist, wenngleich nur mit ausdrücklicher Genehmigung durch die Wada". Allerdings bleibt Pechstein dabei: "Ich habe nicht gedopt."