Kommentar

Sehr geehrter Herr Babbel...

Sie haben Hertha BSC im Mai etwas beschert, was dieser Verein und diese Stadt nach dem Abstieg dringend gebraucht haben: Hoffnung. Sie haben mit Manager Michael Preetz eine Mannschaft zusammengestellt, die formidabel in die Zweite Liga gestartet ist.

Sie sind ein Mann der klaren Worte - so jemanden lieben wir Journalisten. Aber es gibt etwas, das Sie wissen sollten: Ihr Job ist in Gefahr.

Sie werden am Dienstag auf der Mitgliederversammlung sein, wenn die Finanzen von Hertha offen gelegt werden. Der Stand der Verbindlichkeiten ist auf mehr als 37 Millionen Euro gestiegen. Den Kraftakt, die besten Spieler mit dem teuersten Personaletat aufzubieten, kann Hertha sich genau einmal leisten: in dieser Saison. Deshalb muss der Aufstieg gelingen.

Eines der Wörter, die Michael Preetz verwendet, heißt "Learning" und meint die Lehren, die er aus der jüngeren Vergangenheit zieht. Ein "Learning" vom Manager aus dem desaströsen Abstiegsjahr lautet: Der liebe, nette Herr Preetz wird nie wieder so lange auf Besserung warten, wie er das unter Ihrem Vorgänger Friedhelm Funkel getan hat. Der Manager wird, das sollten Sie wissen, mit einer bei ihm nie erlebten Brutalität durchgreifen. Nicht, um seine Haut, sondern um Hertha BSC zu retten.

Ihre Mannschaft hat jetzt zum dritten Mal verloren. Sie haben jeweils vorab klar formuliert, was Sie gegen Paderborn, Osnabrück und Duisburg erwarten. Nur war bei den meisten Profis von der geforderten Gier, Aggressivität und Leidenschaft wenig zu sehen. Herr Babbel, im Anbetracht Ihres fulminanten Starts mutet es paradox an, aber Sie haben drei Spiele bis Weihnachten. Eines darf nicht passieren: dass Hertha den Anschluss an die Aufstiegsplätze verliert.