Olympiabewerbung

Pyeongchang läuft München den Rang ab

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100 Tage vor Durban verstärken sich die Anzeichen dafür, dass die Münchener Olympiabewerbung trotz hoher Qualität in Schönheit sterben könnte. Nicht deshalb, weil der Bürgerentscheid im Mai in Garmisch-Partenkirchen zur Klippe werden könnte.

Immer mehr spricht dafür, dass der südkoreanische Rivale Pyeongchang die besseren Trümpfe in der Hand hat, wenn am 6. Juli bei der 123. IOC-Session in Südafrika der Gastgeber der Olympischen Winterspiele 2018 gekürt wird.

Trotz des Lobes für die hervorragende Präsentation einer hochkarätigen Kandidatur durch die Kuratoriumsvorsitzende Katarina Witt und Bewerbungschef Bernhard Schwank neigen viele der 110 IOC-Mitglieder offenbar eher zur südkoreanischen Lösung. Dies lässt der eine oder andere Olympier "off the records" durchblicken. Ähnliche Wasserstandsmeldungen geben auch dem IOC nahestehende Kreise und Beobachter verstärkt ab.

Ein altes Argument gegen München wird offenbar immer wichtiger: Das IOC wird sich kaum trauen, Pyeongchang zum dritten Mal in Serie eine Abfuhr zu erteilen - und München bei seiner ersten Kandidatur gleich auf Anhieb die Spiele zu geben. Denn die Südkoreaner haben alle Problempunkte früherer Bewerbungen beseitigt, für sie gibt es beim Streben nach Olympia kaum finanzielle Grenzen. Im Hintergrund stehen drei Milliardäre, die bereits wegen Korruption im Gefängnis saßen, darunter auch Lee Kun Hee vom IOC-Hauptsponsor Samsung. Dagegen weiß die Münchener Bewerbungsgesellschaft noch immer nicht so recht, wo sie sieben Sponsor-Millionen im 33-Millionen-Euro-Etat herbekommen soll.

Bach will noch nicht aufgeben

Die Überlegungen unter den wintersport-orientierten IOC-Mitgliedern gehen auch dahin, dass Pyeongchang in Asien weit mehr Märkte öffnen könnte als München in Europa. Dies sei ähnlich wie die dritte Kandidatur der Südkoreaner ein Gesichtspunkt, glaubt IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger, der das Rennen im Gegensatz zur Auffassung anderer Kollegen bis zum Schluss für offen hält. Der frühere IOC-Direktor mutmaßt: "Viele meiner Kollegen entscheiden zum Schluss aus dem Bauch heraus, der eine oder andere macht sein Votum auch von der Präsentation abhängig. Und dann wird in der Nacht vor der Abstimmung noch viel geredet. Auch die Frauen der IOC-Mitglieder spielen eine Rolle. Die meisten werden in diesen 14 Tagen viel lieber in München als in Pyeongchang sein."

Thomas Bach, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) und Vizepräsident des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), versprüht weiter hohe Zuversicht, schließlich wäre Pyeongchang nicht der erste "Olympia-Favorit", der sich auf der Zielgerade zu den Spielen selbst noch ein Bein stellt. Scheitert Münchens Projekt 2018, hat die bayerische Metropole eine zweite Chance - wenn sie will: Dann könnte sie 50 Jahre nach ihren Spielen von 1972 noch immer zur ersten Stadt mit Sommer- und Winter-Olympia werden.

( sid )