NBA

Nowitzki auf dem Sprung

Langsam scheint Dirk Nowitzki das Thema zu nerven: "Das ist doch im Moment viel Spekulation", sagt der Basketball-Superstar mit Blick auf eine mögliche Aussperrung der Spieler durch die Klubs in der nordamerikanischen Profiliga NBA und seine Pläne in diesem Szenario.

Ein sogenannter Logout zur kommenden Saison und dessen möglichen Folgen - in den USA wird das Thema heiß diskutiert. Und die Spieler - auch Nowitzki - fragen sich: Was wäre wenn? Wie könnte ich eine eventuelle Zwangspause überbrücken?

Nowitzki selbst, seit 1999 bei den Dallas Mavericks unter Vertrag, gab den Spekulationen Nahrung, als er erst gegenüber "Bild" und später noch gegenüber dem US-Sportsender ESPN erklärt hat: "Bevor ich ein Jahr herumsitze, spiele ich doch lieber woanders." Wobei er nun auch gleich einschränkt: "Ich weiß nicht, ob das rechtlich überhaupt möglich wäre."

Die Liga und die Klubs sind sich sicher, dass nicht. Schließlich bedürfe es einer Freigabe durch den NBA-Klub, wenn der Spieler einen laufenden Vertrag besitzt. Die Spielergewerkschaft NBAPA ist gegenteiliger Meinung. Und damit sind auch die beiden streitenden Lager genannt. Worum geht es? Die Klubbesitzer fordern eine dramatische Absenkung des Lohnniveaus. Die Klubs, so ihre Argumentation, seien nicht mehr in der Lage, profitabel zu wirtschaften. NBA-Chef David Stern spricht von 370 Millionen Dollar, die die NBA in der vergangenen Saison verloren habe. Kosten müssen dringend gesenkt werden. Für die Profis heißt das, dass sie künftig etwa 800 Millionen Dollar weniger verdienen sollen als jetzt.

Die NBAPA verweist darauf, dass die Geschäfte viel besser gingen als von den Klubbossen dargestellt. NBAPA-Direktor Billy Hunter geht zu "99 Prozent" von einem Lockout, also einer Aussperrung, aus. Am 30. Juni läuft der alte Tarifvertrag aus, danach sollen die massiven Einschnitte kommen. Bereits im vergangenen Juli hat die Spielervertretung einen Gegenentwurf vorgelegt, Stern und Co. haben bisher noch nicht darauf reagiert.

Sollte es keine Einigung geben, droht die Aussperrung. Nicht zu verwechseln mit einem Spielerstreik, bei dem die Profis die Arbeit niederlegen würden. Unter dem Strich stünde jedenfalls, dass keine Spiele stattfinden könnten, so wie in der Saison 1998/99, als es auch keine Einigung über einen neuen Tarifvertrag gegeben hatte. Erst Anfang Februar 1995, mit monatelanger Verspätung, kehrte die NBA nach einem Übereinkommen aller Beteiligter zum Spielbetrieb zurück. Die Saison wurde von 82 auf 48 Spiele verkürzt. Jetzt scheint ein Deja-vu zu drohen. Eine Annähung am 20. Februar im Rahmen vom Allstar-Game ist nicht in Sicht.

Zurück zum 32-jährigen, gebürtigen Würzburger Nowitzki. Natürlich hätte eine - zumindest zeitweise - Rückkehr des großen Stars nach Europa, ja sogar nach Deutschland sehr viel Charme. Wobei Nowitzki gegenüber ESPN gleich klarstellte, dass er ganz und gar nicht auf sein Heimatland als mögliche Anlaufstation festgelegt sei. Doch in der Heimat stehen bereits drei Klubs parat, die liebend gern den besten deutschen Basketballer aller Zeiten zu einem Engagement bei ihnen bewegen würden: Alba Berlin, die Brose Baskets Bamberg und Bayern München.

Schon vor mehr als einem Jahr hat Alba Berlins Aufsichtsratschef Axel Schweitzer erklärt: "Dirk Nowitzki und Alba Berlin sind die beiden Marken im deutschen Basketball, es wäre großartig die beiden Marken zusammenzuführen." Damals dachte Schweitzer jedoch eher an eine Verpflichtung des großen Blonden nach seiner NBA-Karriere. Im Juli 2010 hat Nowitzki seinen Vertrag in Dallas um vier Jahre verlängert, in diesem Zeitraum soll er knapp 80 Millionen Dollar verdienen.

Alba-Geschäftsführer Marco Baldi sagt vor dem Hintergrund der jetzigen unübersichtlichen Situation: "Natürlich macht man sich Gedanken, was sein könnte. Wenn es die Möglichkeit gäbe, muss man alles versuchen, ihn zu holen, egal, für wie lange." Baldi schwärmt geradezu von Nowitzki: "Er ist einer, der nicht Starallüren ausleben will und der keine Sonderbehandlung haben will." Und: "Finanziell würden wir uns einig werden, für Dirk ist Geld ja nicht entscheidend."

Bamberg führt landsmannschaftliche Aspekte ins Feld. "Es wäre ein Traum. Dirk und Bamberg - das ist die Idealkonstellation", sagte Wolfgang Heyder, der Geschäftsführer, gegenüber dem Internetanbieter "Spox": "Dirk kommt aus dem Frankenland und spielt in seiner Heimatregion für das deutsche Aushängeschild in der Europaliga." Wirtschaftlich ließe sich das alles regeln. "Im Falle eines Lockouts ist Dirk zweifelsfrei ein Thema für uns."

Und dann ist da auch noch Bayern München. Der Klub, der angetreten ist, Basketball-Deutschland auf den Kopf zu stellen. In der kommenden Saison wird das Team von Bundestrainer Dirk Bauermann in der ersten Liga spielen - und gleich den Titel anstreben. Nur das Beste ist gut genug. Also Nowitzki.

"Ich kann mir nicht vorstellen, dass in der NBA überhaupt nicht gespielt wird", sagt Bayern-Präsident Uli Hoeneß zwar, ergänzt jedoch: "Wenn es aber doch so kommt, gibt es keinen Grund, nicht darüber zu reden." Zudem hat Nowitzki einen sehr guten Draht zu Dirk Bauermann und ist mit Bayern-Profi Demond Greene eng befreundet.

Ein seit Jahren freundschaftliches Verhältnis zu Nowitzki hat aber auch Alba-Teammanager Mithat Demirel. Beide spielten lange gemeinsam im Nationalteam. Noch ist in der NBA alles unklar, Säbelrasseln der Kontrahenten ist angesagt. Doch Baldi sagt: "Die Zeit kann kommen - dann muss man vorbereitet sein."

"Bevor ich ein Jahr rumsitze, spiele ich doch lieber woanders"

Dirk Nowitzki, NBA-Star