EM 2008

Suchtberater kämpfen gegen Komatrinken auf der Fanmeile

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La Ola statt lallen, trinken statt zuschütten - dass das gemeinsame Gucken auf der Fanmeile nicht zum Komatrinken wird, dafür wollen auch die Verantwortlichen der Berliner Fachstelle für Suchtprävention sorgen. Auf der EM-Fanmeile am Brandenburger Tor hat das Team um Anke Schmidt seine Zelte aufgeschlagen. Den erhobenen Zeigefinger und die moralische Keule haben sie allerdings schon längst nicht mehr im Repertoire.

Besonders im Blick von Maria Wanckel (21) und Anke Schmidt (44): die jüngeren Besucher der EM-Meile. "Das Alter, in dem ein Berliner Jugendlicher zum ersten Mal Alkohol trinkt liegt momentan durchschnittlich bei 12,8 Jahren. Den ersten Rausch gibt's dann mit 13,8 Jahren.", sagt Schmidt. Allerdings sieht sie in der Berliner Fußball-Feier-Meile keinen besonderen Anreiz für junge Leute, zu trinken. "Wer viel und oft Alkohol trinken will, der findet immer eine Gelegenheit dazu." Der soziale Zwang sei auf der Fanmeile nicht größer als auf irgendeiner Grillparty. Aber generell sei das Tabu, mit einer Bier- oder Schnapsflasche in der Öffentlichkeit rumzulaufen, längst keines mehr. Auch auf dem Weg zur Fanmeile sieht man immer wieder Gruppen, die ihren Alkoholpegel bereits vor dem Spiel ordentlich nach oben getrieben haben.

Erste "Bierchen" am Nachmittag

Anke Schmidt und ihre Leute sprechen niemanden direkt an, sie wählen einen anderen Weg. Karim (15) aus Spandau und seine Freunde nehmen die Fanklatschen aus den Händen der hübschen Maria, die so gar nicht wie ein Moralapostel rüberkommt, gerne entgegen. Was allerdings drauf steht? "Keine Ahnung", lautet die Antwort. Dass hier auf überhöhten Alkoholgenuss und Nikotinsucht aufmerksam gemacht wird, finden die Jugendlichen "ganz okay". Und betonen sofort "Keiner von uns raucht!" Und wie sieht es mit dem Alkohol aus? Ein "Bierchen" haben sie alle schon getrunken, um 15 Uhr, nachmittags auf der Fanmeile.

Das gehört einfach dazu. "Aber ansonsten trinken wir nur alle drei Monate mal richtig", sagt Jenny (16), eines der beiden Mädchen aus der Gruppe. "Und wir passen aufeinander auf.", sagt sie. Ob es denn im Freundeskreis jemanden gibt, der häufiger einen über den Durst trinkt, will Maria wissen. Der Name eines Freundes fällt schnell und einstimmig. Nun hakt Maria nach. Gibt Infomaterial mit und die Nummer des Teams in Berlin.

"Uns geht es um einen kontrollierten Alkoholgenuss. Und darum, die generelle Haltung zu Alkohol und Zigaretten in Frage zu stellen.", erklärt sie. Ihr erster Freund hatte ein Alkoholproblem. Nicht zuletzt deshalb engagiert sich die junge Frau ganz bewusst in der Suchtprävention. Dass mit dem Einhalten des Jugendschutzgesetzes schon viel erreicht wäre, weiß Maria. "Und junge Leute bei so einem Event völlig vom Trinken abzuhalten, ist wenig realistisch. Aber es gibt Aspekte beim Alkohol, die gerne verdrängt werden. Junge Mädchen erinnern wir zum Beispiel daran, dass Alkohol Gift für die Figur ist. Und Jungs finden die Info, das Alkohol schlecht für die Potenz ist, ein ziemlich schlagendes Argument gegen zuviel Bier." Beim Rauchen sei es immer noch am besten, vorzurechnen wie viel Geld dieses "Hobby" im Monat kostet.