Ein Kraftpaket aus Königs Wusterhausen

Es war im Training. Falko Steinke fühlte sich etwas genervt vom Klubkameraden Marcus Böhme.

Es war im Training. Falko Steinke fühlte sich etwas genervt vom Klubkameraden Marcus Böhme. Also ging er auf den Mittelblocker des SC Charlottenburg zu und hob ihn hoch. Mit einem Arm. Den größten Spieler des SCC. 210 Zentimeter lang, mehr als 100 Kilogramm schwer. Wenn man also von der Athletik des neuen Diagonalangreifers spricht, hat man dank dieser Episode eine vage Vorstellung, um was für einen Kraftbolzen es sich bei Steinke handelt. Insofern dürften sich die Netzhoppers Königs Wusterhausen am Sonntag auf einiges gefasst machen, wenn sie beim SC Charlottenburg in der Sömmeringhalle zu Gast sind (16 Uhr).

Aber das kennen die Aufsteiger aus KW ja schon, hat Steinke in der vergangenen Saison die Brandenburger mit seiner Kraft doch selbst in die Bundesliga geschlagen. Ein Jahr sammelte er in der 2. Liga Spielpraxis, bevor er unter die Fittiche von Michael Warm zurückkehrte.

Der heutige Coach des SCC hat als Junioren-Bundestrainer Steinke "entdeckt". Wobei Christoph Jahn, Trainer der Landesauswahl Brandenburgs, ihn 2001 auf seinen Spieler aufmerksam gemacht hatte. "Falko konnte damals wenig mehr, als in der Mitte hoch zu springen und alles, was er erwischt hat, dem Gegner um die Ohren zu hauen", sagt Warm heute. Taktik, Technik - wenig. Dafür ein unglaubliches Naturtalent.

Fortan trainierte Steinke zwei Mal in der Woche bei der WSG Potsdam-Waldstadt und einmal unter Warm beim VC Olympia Berlin, der weitgehend mit der Nationalmannschaft der Junioren identisch ist. Beim VCO wurde er vom Mittelblock auf Diagonalangriff umgeschult - und musste zunächst mal den richtigen Anlauf lernen. Rechts, links, dann Stemmschritt. Rechtshänder Steinke hatte es bis dahin umgekehrt gemacht - "wahrscheinlich, weil ich mit links schreibe", sagt der Kfz-Mechaniker.

Das Umschulen lohnte sich, 2005 schaffte er es unter Warm sogar bis zur Junioren-WM nach Indien. Die Mannschaft wurde nur Neunter. Doch nicht deshalb ist für Steinke "Indien das erste Land, in das ich nie wieder reisen möchte". Das Edelhotel, in dem das Team wohnte, stand mitten in den Slums. "Innen alles nobel, draußen die Hütten mit Folie überdacht", gruselt es den Spieler ob der Gegensätze noch heute.

Dann schon eher in die Karibik. Für solchen Luxus fehlt dem 21-Jährigen allerdings noch das Geld. Beim SCC wurde er als zweiter Mann hinter Jovan Vukanovic verpflichtet, gehört nicht zu den Großverdienern. Doch während der Serbe sich nur langsam aus einem Formtief herausarbeitet, hat der Youngster mit der phänomenalen Abschlagshöhe von 3,65 Meter schon alle Erwartungen übertroffen: "Wenn er erst am Ende der Saison so weit gewesen wäre, wäre ich vollauf zufrieden", sagt Warm.

Derzeit feilt der Coach mit dem 2,05 Meter großen Muskelpaket an Angriff und Aufschlag. Gegen Königs Wusterhausen soll Steinke zum ersten Mal in dieser Spielzeit Sprungaufschläge zeigen, während er beim Schlag am Netz aufpassen muss, dass seine Schulter nicht horizontal zum Netz rotiert. Doch auch wenn noch einiges der Verbesserung bedarf, wird es seinem ehemaligen Verein kaum helfen. "Wenn wir durchziehen", sagt Steinke, "dann müssten wir KW in drei Sätzen schlagen."