Beschluss

Mehr Deutsche in der Basketball-Bundesliga

Die Vorzeichen stehen so gut wie lange nicht. Die Basketball-Bundesliga startet am Freitag mit breiter Brust in die Saison. Mit "Beko" verpflichtete sich einer der führenden Haushaltsgeräte-Hersteller Europas für die nächsten sechs Jahre als namensgebender Sponsor für die BBL.

Mit dem DSF wurde über drei Spielzeiten ein Vertrag abgeschlossen, der 50 Live-Übertragungen im frei empfangbaren Fernsehen garantiert.

Die schwierigste Entscheidung, die das Gesicht der Liga noch über diesen Zeitraum hinaus verändern wird, trafen das BBL-Präsidium und die 18 Klubs aber erst gestern in Oldenburg. Die Quote der deutschen Spieler pro Team wird ab der Saison 2010/2011 von vier auf fünf erhöht; ab 2012/2013 soll ein sechster dazu kommen. Dem Beschluss ging ein zähes Ringen voraus. Am Sonnabend vertagte sich das Gremium noch, erst in einer Extra-Sitzung Sonntag früh einigte sich die BBL auf die neue Regelung. "Das war ein hartes Stück Arbeit", sagte BBL-Geschäftsführer Jan Pommer, "dieser Kompromiss ist jetzt aber richtungsweisend. Er schafft die Rahmenbedingungen für unser Ziel, den Spielanteil der deutschen Spieler innerhalb der nächsten fünf Jahre auf 30 Prozent zu erhöhen."

Der lag vergangene Saison bei knapp 17 Prozent. Für die kommende Spielzeit sind bei den 18 BBL-Klubs 116 deutsche Spieler unter Vertrag, im Durchschnitt 6,4 pro Team. Mit viel Optimismus werden aber nur rund zwanzig davon maßgeblich in das Spiel ihrer Mannschaften eingreifen. Von dem 12er-Kader der stark verjüngten Nationalmannschaft, die sich bei der Europameisterschaft in Polen auch ohne Dirk Nowitzki achtbar schlug, werden nur fünf (Heiko Schaffartzik/Braunschweig, Steffen Hamann/Alba, Tibor Pleiß/Bamberg, Tim Ohlbrecht/Bonn und Robin Benzing/Ulm) in der BBL spielen. Lucca Staiger und Elias Harris zogen Colleges in den USA vor, Jan Jagla und Konrad Wysocki spielen in Polen, Demond Greene in Griechenland. Patrick Femerling und Sven Schultze sind ohne Vertrag.

Liga nur Spitze des Eisberges

Deshalb ließ Bundestrainer Dirk Bauermann zuletzt keine Gelegenheit aus, massiv für einen höheren Anteil deutscher Spieler zu werben. Er nahm sogar in Kauf, Pommer zu verärgern. Der "fand es schon lästig, dass er uns permanent bearbeitete, die Liga solle etwas tun. Wir sind nur die Spitze des Eisberges und können die Pyramide nur von unten aufbauen."

Nun haben sich die Wogen wieder geglättet. Sonnabend früh legte der Bundestrainer seine Pläne zur Verbesserung der Nachwuchsförderung dar. "Er hat uns unterbreitet, wie sich der Verband und er ins Zeug legen wollen, dass mehr junge Leute Basketball spielen, wir Talente früher finden, bessere Trainer haben, die sie entwickeln", freute sich Pommer. "Das sind doch die zentralen Stellschrauben. Der Glaube, alles würde sich mit dem deutschen Nachwuchs aufs Schönste fügen, wenn die BBL die Quote der deutschen Spieler einfach nur drastisch erhöht, ist Unsinn."

Bauermann hatte eine 4+1-Regel vorgeschlagen, nach der zu jeder Zeit mindestens ein deutscher Spieler auf dem Parkett stehen müsse. Obwohl die BBL diesem Vorschlag nicht folgte, ist er "sehr froh, dass sich die Liga bewegt, auch wenn ich mir eine mutigere Entscheidung gewünscht hätte". Alba Berlins Geschäftsführer Marco Baldi sagte: "Wir waren für fünf deutsche Spieler ab der Saison 2010/2011 und für sechs schon ein Jahr später. Aber es war klar, dass es am Ende einen Kompromiss geben würde."

Die Quote sei, sagte Baldi weiter, "ein wichtiger Bestandteil eines Programms, das insgesamt laufen muss." Als Allheilmittel werde sie allerdings überschätzt: "Durch sie allein werden wir nicht zu einer Basketballnation. Die Klubs, die BBL, die zweiten Ligen, und der Verband müssen gebündelt die Basis entwickeln. Aber junge Spieler müssen schon die Chance sehen, in der BBL auch anzukommen."