Thomas Compaoré zwischen den Fronten

Marco Baldi hat Mühe, seinen Ärger zurückzuhalten, wenn man ihn auf Thomas Compaoré anspricht.

Marco Baldi hat Mühe, seinen Ärger zurückzuhalten, wenn man ihn auf Thomas Compaoré anspricht. "In den vergangenen anderthalb Jahren wurde bei Alba für keinen Spieler so viel Zuneigung aufgewendet wie für ihn", sagt der Vizepräsident des Berliner Basketball-Bundesligisten. "Der Junge hat eine Riesen-Chance bekommen, sich im besten Umfeld zu entwickeln und in unsere Gesellschaft zu integrieren. Wir wußten, daß das einer hohen Energieleistung bedarf, sind das Risiko aber trotzdem eingegangen. Um so größer ist die Enttäuschung, wenn das nun das Ergebnis ist."

Der 18jährige Center aus Burkina Faso steht bei Alba bis 2011 unter Vertrag und spielt per Doppellizenz vor allem beim Farmteam TuS Lichterfelde, das gerade in die 2. Bundesliga aufgestiegen ist. Compaoré läßt sich seit kurzem von der Spielergewerkschaft "Spin" und deren Vorsitzenden Walter Palmer vertreten. Vor zwei Wochen suspendierte ihn Alba bis auf weiteres. Über die Abläufe davor gibt es zwei Versionen.

"Palmer hat bei unserem Team-Manager Henning Harnisch angerufen und gesagt, daß Compaoré weg will. Angeblich soll er mit seinen Vertragsmodalitäten unzufrieden sein", berichtet Baldi. Compaoré habe bei Alba einen Ausbildungsvertrag wie alle jungen Spieler, bei dem der Verdienst gestaffelt steige. "Wir wollten mit ihm reden, aber er hat gesagt, daß er mit uns nicht mehr spricht, daß alles nur noch über Palmer liefe. Daraufhin haben wir ihn suspendiert", so Baldi weiter. Zudem habe es davor mehrere Verfehlungen gegeben. "TuSLi und Alba spielen um Titel. Da brauchen wir Teams, die integer sind und zusammenhalten." Compaorés Zukunft bei Alba ist offen, eine Entscheidung fällt demnächst. Baldi: "Thomas hat nicht verstanden, was sein Weg ist. Er hat nur eine Chance, wenn ihm klar ist, wo er steht. Denn wir können ihn nicht zu seinem Glück zwingen."

Palmer schildert die Geschichte anders: "Nachdem ich Alba Anfang Januar besucht habe, ist Thomas bei uns Mitglied geworden und hat sich zwei Wochen später bei mir gemeldet. Er wollte Unterstützung in rechtlichen Fragen." Vor kurzem habe er Harnisch angerufen und "wollte mit ihm über Thomas reden, aber er und danach Marco Baldi wollten nicht mit mir sprechen". Compaoré, der sich selbst nicht äußern möchte, sei enttäuscht und unzufrieden mit seiner Situation, genauer will Palmer nicht werden. Er betont, nicht dessen Agent zu sein. Die Suspendierung sei unfair: "Es gibt keine disziplinarischen Gründe, das ist nur ein Vorwand."

Eine besondere Dimension erhält dieses Problem, da die Basketball-Bundesliga (BBL) "Spin" nicht als Spielervertretung anerkennt und Compaoré dadurch zwischen die Fronten eines anderen, größeren Konflikts gerät. BBL-Geschäftsführer Jan Pommer fährt schwere Geschütze auf: "Palmers Verhalten ist perfide, scheinheilig und verantwortungslos. Das ist Agitation zu Lasten eines jungen Spielers - und zwar wider besseren Wissens. So wird Compaorés Karriere zerstört, aber manchmal muß man junge Leute auch vor sich selbst schützen. Wenn er demnächst wieder in Burkina Faso spielt, kann ich nur sagen: Glückwunsch, Herr Palmer, daran haben Sie Ihren Anteil." Palmer versteht diese Vorwürfe nicht: "Unser Interesse ist es, talentierte Spieler in Deutschland zu unterstützen."