Irina Palina in einer ungewohnten Rolle

So richtig weiß Irina Palina nicht, für wen sie nun eigentlich sein soll, wenn die Tischtennis-Frauen von 3 B heute (11 Uhr, Anton-Saefkow-Halle) Aufsteiger DJK TuS Holsterhausen empfangen. Obwohl die 35jährige Russin den Schläger zu Hause lassen und ganz ungewohnt in Zivil auf der Tribüne sitzen wird, dürfte die Partie für sie so etwas wie ein Spiel gegen sich selbst werden. Ein Spiel der jungen Trainerin Irina Palina gegen die gestandene Sportlerin.

Nach acht Jahren als wichtige Punktgarantin, zuletzt in Doppelfunktion als Spielertrainerin, arbeitet Palina künftig nur noch als hauptamtliche Trainerin für 3 B. Dennoch spielt die Weltranglisten-63. weiter. Wenn die russische Nationalmannschaft sie braucht, schließt sie selbst einen Auftritt bei den Olympischen Spielen in drei Jahren nicht aus. Auch der Bundesliga wird sie als Aktive erhalten bleiben - für Holsterhausen.

"Ohne Irina hätten wir gleich auf den Aufstieg verzichten können", sagt Holsterhausens Manager Hans-Willi Frohn. Um das zu verhindern, hatte 3 B-Manager Rainer Lotsch seinem alten Weggefährten Hilfe angeboten. Für sechs Spiele - ausschließlich gegen die Mitabstiegskanditaten - geht Palina nun als Nummer eins für Holsterhausen an die Platte. In Berlin steht sie ihrem neuen Verein lediglich für das Mannschaftsfoto zur Verfügung.

Der Fairneß halber muß aber auch 3 B auf die Dienste seiner Trainerin verzichten. "Alles andere wäre nicht gut für die Atmosphäre in meiner Mannschaft", sagt Palina. Alles ein wenig kompliziert. Zwar könne sie ein bißchen mehr spielen, als Nummer eins sogar, müsse aber auch ganz schön viel reisen. Überdies ist noch nicht geklärt, wer während ihrer Einsätze Töchterchen Lilia (vier Jahre) betreut. "Darüber muß ich erst einmal mit meinem neuen Manager reden", sagt die allein erziehende Mutter.

"Ira hat sich geopfert", kommentiert Lotsch den Wechsel seiner dienstältesten Akteurin. "Eine", sagt er, "mußte gehen." Diese eine hatte die Chinesin Ran Li sein sollen. Nach launigen Spielzeiten bei 3 B chancenlos, hätte sie ihren Marktwert mit 18 Spielen als Nummer eins in Holsterhausen steigern können. Doch Li lehnte ab und zieht es vor, nicht einmal mehr zu trainieren. Für Palina bringt der Wechsel immerhin Spielpraxis. Mit Holsterhausen möchte sie die Liga halten. Und mit 3 B um die Meisterschaft spielen.