LTTC Rot-Weiß suspendiert Clubdirektor Lars Rehmann

Der LTTC Rot-Weiß hat aus der Diskussion um das offizielle Programmheft zum Damen-Tennisturnier "QATAR TOTAL German Open" Konsequenzen gezogen. Das Heft, in dem unter der Überschrift "Ein Club mit großer Tradition" ein Foto von Hermann Göring auf der Ehrentribüne des Clubs gezeigt worden war, wurde aus dem Verkauf genommen, der Clubdirektor Lars Rehmann bis auf weiteres freigestellt. Rot-Weiß-Präsident Hans-Jürgen Jobski hatte sich über das Heft "entsetzt" gezeigt und sich entschuldigt.

Für Empörung unter VIP-Gästen des Turniers hatte nicht nur das Göring-Foto gesorgt. Mit Kopfschütteln wurden Passagen des dazugehörigen Textes zitiert ("Prominente Nazis - an ihrer Spitze Hermann Göring - standen fortan auf der Beitragsliste. Sportlich tat dieser Wandel dem Club wie auch dem deutschen Spitzentennis keinen Abbruch. Im Gegenteil: Es folgten goldene Zeiten..."). Clubdirektor Rehmann war im Programmheft als Co-Autor des Textes aufgeführt worden.

Walter Müller, Chef der Mercedes-Niederlassung Berlin und Gastgeber des "Ladies Day" beim Turnier, sagte gestern: "Es ist eine Sache, wenn der Club LTTC Rot-Weiß - ähnlich wie es beispielsweise der Deutsche Fußball Bund getan hat - glaubt, er müsse seine Geschichte, insbesondere auch die Zeit des Nazi-Terrors, aufarbeiten. Ein aus dem Zusammenhang gerissenes Bild einer Nazi-Größe im offiziellen Programmheft der QATAR TOTAL German Open hat dort nichts verloren, ist einfach nur unsensibel und absolut nicht okay."

RBB-Fernsehjournalist Jochen Sprentzel kommentierte: "Das war höchst unsensibel. Man hätte das nicht durchgehen lassen dürfen." Verleger Klaus Siebenhaar nannte den Vorfall "skandalös. Das ist kein Betriebsunfall, sondern dahinter steckt eine Denke, die gruseln läßt." Sheikh Mohammad Bin Faleh Al-Thani, Präsident der Qatar Tennis Federation, sagte hingegen: "Lars Rehmann ist ein guter Kerl. Er hat nichts Böses beabsichtigt. Die Sache ist eine politische Angelegenheit, wir sind aber bei einem Sportereignis." Klaus Wowereit hatte das Grußwort zum Programmheft beigesteuert. Über den Text zur Clubgeschichte sagte Berlins Regierender Bürgermeister: "Das ist in Form und Inhalt inakzeptabel. Selbst wenn es nur Gedankenlosigkeit und kein Vorsatz sein sollte, bleibt es peinlich und unentschuldbar."