Hertha Inside

Herthinho ist für 120 Euro zu haben

Trainer Lucien Favre würde sagen, Herthinho ist polyvalent. Heißt: vielseitig. Herthas Maskottchen kann tanzen, Fußball spielen, jubeln und rennen. Nur mit dem Sprechen klappt es noch nicht. Aber dafür hat der viel beschäftigte Bär ja seinen Manager. Im Interview mit der Morgenpost übersetzte Micky Mandla Herthinhos Gesten ins Deutsche.

Micky Mandla: Hertha hat zuletzt drei Bundesligaspiele in Folge verloren. Ist Herthinho bei Misserfolgen auch mal schlecht gelaunt?

Micky Mandla: Natürlich ist er nach einer Niederlage enttäuscht. Aber er blickt immer wieder schnell nach vorn und ist ein optimistischer Bär. Außerdem ist er ja anatomisch so geformt, dass er immer gute Laune haben muss. Mit seinem herzförmigen Gesicht und seinem Lächeln kann er gar nicht anders.

Berliner Morgenpost: Der Verein hat Anfang der Woche noch mal kräftig auf dem Transfermarkt zuschlagen und Florian Kringe, Adrian Ramos und Cesar verpflichtet. Wie wird Herthinho sie begrüßen?

Micky Mandla: Herthinho wird sich bei der nächsten Gelegenheit ihnen vorstellen. Er freut sich auf neue Spieler, die Hertha verstärken und mit denen er jubeln kann.

Berliner Morgenpost: Was macht Herthinho außerhalb der Spieltage?

Micky Mandla: Trainieren. Und zwar jeden Tag. Im Sommer etwa drei Mal, im Winter vier Mal pro Woche. Auf dem Programm stehen Kraft- und Konditionstraining und natürlich Einheiten mit dem Ball. Außerdem hat er zahlreiche Termine.

Berliner Morgenpost: Was für Termine?

Micky Mandla: Herthinho tritt bei Veranstaltungen aller Art auf: Hochzeiten, Kindergeburtstage und Einschulungen. Am vergangenen Sonnabend war er auf vier Feiern. Mit den Kindern spielt er besonders gern Topfschlagen und Verstecken. Er hat auch schon einen flotten Tanz mit einer 80-Jährigen aufs Parkett gelegt.

Berliner Morgenpost: Was kostet es, Herthinho zu mieten?

Micky Mandla: Das geht bei 120 Euro für private Feiern los. Für Firmen haben wir gesonderte Konditionen. Buchungen sind unter www.herthinho.de möglich.

Berliner Morgenpost: Bei Mittelfeldspieler Pal Dardai war er auch schon zu Hause, habe ich gehört.

Micky Mandla: Er war sogar schon mehrmals auf den Geburtstagen von Pals Kindern. Die finden es ganz normal, wenn die berühmten Mitspieler von ihrem Papa zu Besuch kommen. Aber wenn Herthinho da ist, informieren sie die ganze Nachbarschaft drüber. Dann ist Ausnahmezustand. Bei Jaroslav Drobny und unserem ehemaligen Stürmer Andrey Voronin war er übrigens auch schon. Die Kinder der Spieler lieben ihn.

Berliner Morgenpost: Wie kam Herthinho nach Berlin?

Micky Mandla: Unser ehemaliger Manager Dieter Hoeneß hat ihn 1999 auf einer Reise in Brasilien entdeckt und mitgebracht. Seinen ersten Geburtstag hat er bei Hertha gefeiert und ist seitdem Herthaner.

Berliner Morgenpost: Woher kommt er genau?

Micky Mandla: Aus der brasilianischen Tiefebene. Genau verraten wir das nicht. Es soll kein anderer Klub auf die Idee kommen, sich auch so einen starken Bären zu holen.

Berliner Morgenpost: Und wo wohnt er in Berlin?

Micky Mandla: In einer Bärenhöhle auf dem Trainingsgelände.

Berliner Morgenpost: In der Halbzeit spielt er sich mit den Hertha-Profis oft ein paar Bälle zu. Woher hat der Bär ein Talent für Fußball?

Micky Mandla: Das ist ihm als Brasilianer in die Wiege gelegt worden. Er hat als Kind schon immer mit dem Ball gespielt. Und bei Hertha hat er sich immer weiter verbessert.

Berliner Morgenpost: Er hat gar keine sportliche Figur...

Micky Mandla: Das täuscht. Er ist 2,35 Meter groß und wiegt 128 Kilogramm. Das ist für einen Bären ziemlich sportlich. Er ist fit.

Berliner Morgenpost: Bei der 2:3-Niederlage gegen Werder Bremen hatte er die roten Fußballschuhe an. Die hat er sich wohl bei Franck Ribery abgeschaut, dem Star des FC Bayern München.

Micky Mandla: Umgekehrt: Ribery hat den Schuh von Herthinho an. Der Bär hatte ihn schon viel früher. Er ist halt ein Trendsetter. Mal trägt er rot, mal orange, mal blau.

Berliner Morgenpost: Sehr beliebt ist derzeit Berlino. Das Maskottchen der Leichtathletik-Weltmeisterschaft hat immer wieder Usain Bolt posiert. War Herthinho da neidisch?

Micky Mandla: Überhaupt nicht. Er ist mit Berlino sehr gut befreundet und gönnt ihm das.

Micky Mandla: Berlino ist ja erst ein Jahr alt, diesem jungen Spund hat Herthinho eine Menge beigebracht vor den Wettkämpfen. Umgekehrt hat er von Berlino den Bolt-Jubel gelernt. Herthinho gibt es ja schon seit zehn Jahren, und er hat immer was zu tun. Berlino hingegen ist wahrscheinlich schon arbeitslos.

Berliner Morgenpost: Mit welchen Maskottchen aus der Bundesliga ist Herthinho befreundet?

Micky Mandla: Er pflegt viele innige Freundschaften. Am besten versteht er sich mit Hermann vom Hamburger SV. Die beiden gehören zu den ältesten Maskottchen der Bundesliga. Sie treffen sich bei den deutschen Maskottchenmeisterschaften.

Berliner Morgenpost: Was machen die denn da?

Micky Mandla: Sie absolvieren einen Hindernisparcours. 2003 und 2004 hat Herthinho den ersten Platz belegt, 2006 wurde er Maskottchen-Weltmeister der Herzen.

Berliner Morgenpost: Was war Herthinhos größtes Erlebnis?

Micky Mandla: Seine beiden Einwechslungen bei Hertha. Das erste Mal hat ihn der damalige Trainer Huub Stevens vor sechs Jahren eingewechselt. Beim 15:1 gegen Lok Leipzig brachte ihn Falko Götz 2005 in der 82. Minute ins Spiel. Da war bei Herthinho Herzkammerflimmern angesagt. Außerdem ist er schon mal mit einem Fallschirm aus 4000 Meter Höhe über dem Amateurstadion abgesprungen und hat sich im Olympiastadion bei einem Spiel gegen Dortmund abgeseilt.

Berliner Morgenpost: Wie groß ist seine Hoffnung, dass Trainer Lucien Favre ihn auch mal einwechselt?

Micky Mandla: Er arbeitet täglich dafür und bietet sich im Training an. Der Tag wird sicher kommen. Herthinho ist sehr ehrgeizig.

Berliner Morgenpost: Beim Training der Mannschaft habe ich ihn aber noch nie gesehen.

Micky Mandla: Er ist immer nur bei den Einheiten dabei, die unter Ausschluss der Öffentlichkeit abgehalten werden. Dann gibt er Favre auch eine Menge taktischer Tipps. Er kennt viele Kniffe aus der Tierwelt, und weil er im Stadion rumläuft, sieht er ein Spiel aus verschiedenen Perspektiven. Die Tips schreibt er auf einen Zettel und gibt ihn dem Trainer. Der entscheidet, ob er davon Gebrauch macht.

Berliner Morgenpost: Ist es nicht schade, dass Herthinho nicht spricht?

Micky Mandla: Manchmal ist das ganz gut. Denn Herthinho ist emotional, wenn der Schiedsrichter eine Fehlentscheidung gegen Hertha trifft. Da könnte er schon mal vom Platz fliegen.

Micky Mandla: Aufgezeichnet von Julien Wolff

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"Ribery vom FC Bayern München hat den Schuh von Herthinho an. Der Bär hatte ihn schon viel früher. Er ist halt ein Trendsetter"