- Das heißt indessen nicht, dass die Zusammenstellung des Kaders bereits abgeschlossen ist. Die Transferliste ist noch 20 Tage geöffnet - und bei Hertha zeichnen sich weitere Wechsel ab. Der überraschendste steht im Sturm an. Wie die Berliner Morgenpost aus sicherer Quelle erfuhr, soll Amine Chermiti (21) ausgeliehen werden. Dem Vernehmen nach gibt es konkrete Anfragen aus dem arabischen Raum.
Ein Star in Tunesien
Das ist insofern erstaunlich, weil der tunesische Nationalspieler sich für diese Saison sehr viel vorgenommen hat. Nach einer schweren Knieverletzung im vergangenen August, die Chermiti bis Jahresende 2008 außer Gefecht gesetzt hatte, will er eigentlich in diesem Spieljahr seinen Durchbruch in der Bundesliga schaffen. Chermiti arbeitete in der Vorbereitung intensiv. Er beendete seinen Urlaub vorzeitig, um sich in Topform zu bringen. "Ich bin sicher, meine Chance wird kommen. Die werde ich dann nutzen", hatte Chermiti der Morgenpost noch im Trainingslager in Österreich im Juli erzählt. Doch bei aller Mühe, außer vier Treffern beim 23:0 gegen Bezirksligist FC Lübars gelang ihm kein einziges Tor.
Eine offizielle Bestätigung von Hertha BSC zu diesem Thema wird es erst geben, wenn ein aufnehmender Verein für Chermiti gefunden ist. Michael Preetz, Geschäftsführer Sport, bestätigt aktuell lediglich: "Wir suchen nach einer Alternative für die Offensive, vor allem im Sturm."
Da der Hertha-Kader derzeit mit vier Angreifern (Artur Wichniarek, Raffael, Valeri Domovchiyski, Chermiti) ordentlich aufgestellt ist, macht die Suche nach einem fünften Stürmer eigentlich keinen Sinn. Es sei denn, ein Profi wird abgegeben. Dabei wird es sich um Chermiti handeln.
Intern ist der Tunesier, der sehr rasch Deutsch gelernt hat, beliebt. Er arbeitet professionell. Seine Stärken sind seine Schnelligkeit und sein unbedingter Einsatzwille. Geduldig geht Chermiti mit der Schere in seinem Dasein um: In seiner Heimat ist er ein Superstar: 17facher Nationalspieler, Tunesiens Torschützenkönig 2007, Afrikas Fußballer des Jahres 2007.
In Berlin ist Chermiti ein Nobody. Einer, der bisher nie beweisen konnte, warum Hertha für ihn 2,25 Millionen Euro Ablöse an Etoil du Sahel gezahlt und mit einem Vertrag bis 2012 ausgestattet hat.
Chermiti kann argumentieren, dass er bisher kein einziges Mal in der Startelf gestanden hat. In der Vorsaison war er zehn Mal eingewechselt worden. Seine Bilanz ist dann aber kein Bewerbungsschreiben: null Tore/eine Vorlage.
Trainer Lucien Favre wird es öffentlich nicht so formulieren. Aber er möchte mehr Qualität im Sturm haben. Chermiti braucht Spielpraxis. Bei Hertha wird er die nicht in ausreichendem Maße bekommen, deshalb soll er ausgeliehen werden.
Hertha wird, wenn die Gruppenphase in der Europa League erreicht wird, in der Halbserie bis Weihnachten 28 Pflichtspiele haben. Die Pfiffe einiger Hertha-Fans am ersten Spieltag im Olympiastadion gegen Hannover (1:0) haben gezeigt, dass nicht genau abzusehen ist, ob die Beziehung zwischen Rückkehrer Artur Wichniarek und Berlin ein Happyend haben wird. Da hilft es, wenn der Trainer hochkarätige Alternativen im Sturm auf der Bank hat. Um die bemühen sich Preetz und Favre derzeit mit Hochdruck. Es gibt zwei, drei Kandidaten, aber eine endgültige Entscheidung steht noch aus.
Kringe derzeit kein Thema
Auch in den anderen Mannschaftsteilen stehen Änderungen an. Es geht um Profis, die nur geringe Einsatzchancen haben. So ist Fluminense Rio de Janeiro an Mittelfeldspieler Lucio interessiert. Die Belgier vom RSC Charleroi wollen Bryan Arguez. Auch Verteidiger Kaka soll abgegeben werden.
Derzeit kein Thema ist Florian Kringe (26). Der steht bei Borussia Dortmund auf dem Abstellgleis. In Berlin wird zwar Gefallen bekundet am vielseitig einsetzbaren Mittelfeldspieler. Mit Blick auf Herthas schmalen Geldbeutel winkt Preetz jedoch ab. "Wir kümmern uns jetzt um den Sturm".