Basketball

Bauermann schwärmt von Albas Faßler

Auch das dritte Finale um die deutsche Basketball-Meisterschaft zwischen Oldenburg und Bonn heute Nachmittag wird der Bundestrainer nur aus der Ferne verfolgen. "Ich würde es mir gern ansehen, aber da wird auch ohne mich einer gewinnen und einer verlieren", sagt Dirk Bauermann.

- Leidenschaft hört sich anders an - schon das komplette Play-off ist mehr oder weniger an ihm vorbeigegangen.

Der Bundestrainer setzt seine Schwerpunkte derzeit anders. An diesem Wochenende zum Beispiel bestreitet er in Nürnberg und Bamberg mit der A 2-Nationalmannschaft zwei Tests gegen den Iran. Bauermann schwärmt von jungen Spielern, die er sich zum Teil aus der zweiten oder dritten Liga zusammengesucht hat. Oder sogar aus der vierten (bei Alba 2 in der Regionalliga) wie den Berliner Oskar Faßler (20). "Das ist ein guter Athlet, er hat das Spiel verstanden und ist gut ausgebildet", lobt der Bundestrainer. Faßlers Einsatzzeit, wenn er während der Bundesligasaison für Alba mal zum Einsatz kam: sechs Minuten, 34 Sekunden. "Wenn es der deutsche Basketball nicht schafft, dass so ein Junge bald in der Liga eine wichtige Rolle spielt, dann machen wir etwas falsch", hadert Bauermann.

Was er von der höchsten deutschen Spielklasse hält, ist bekannt: Als "entfremdetes Produkt" hat Bauermann sie gegeißelt, der Bundestrainer kritisiert die "mangelnde gestalterische Kraft der BBL" bei der Integration einheimischer Spieler und fordert, dass spätestens in drei Jahren immer ein Deutscher auf dem Parkett steht: "Sonst hat das desaströse Auswirkungen auf die Entwicklung der Sportart."

In der Entwicklung behindert

Bauermann handelt vorbildhaft und gibt Talenten eine Chance. Bei der EM in Polen vom 7. bis 20. September will er ein neues Team ins Rennen schicken, mit fünf bis sechs Spielern um die 20 Jahre. Faßler, Elias Harris, Johannes Lischka, Lucca Staiger, Robin Benzing, Per Günther, Tibor Pleiß sind einige Kandidaten. Kaum jemand kennt sie, weil sie entweder nicht bei den Topklubs spielen oder kaum Einsatzzeiten bekommen. Aber der Bundestrainer glaubt an ihr Potenzial: "Die Jungs sind genauso talentiert, wie es Michael Koch, Christian Welp oder Henning Harnisch waren. Und die wurden 1993 Europameister." Es fehle allein an Spiel- und Trainingspraxis auf höchstem Niveau, "das behindert sie in ihrer Entwicklung". Ein Drama sei es, "wenn wir es nicht schaffen würden, diese Generation spielen zu lassen und der Bundesliga ein Gesicht zu geben". Man sehe sich nur die U 21-EM der Fußballspieler an, die gerade laufe: "Man kennt die deutsche Mannschaft - die spielen ja fast alle in der Bundesliga."

Doch im Finale um die deutsche Meisterschaft? "Bei den Bonnern spielen wenigstens die drei eine gute Rolle, die von der Bank kommen, doch sonst war das Play-off eher frustrierend", sagt Bauermann. Solange sich daran nichts ändert, wird der Bundestrainer ein seltener Gast bleiben.