Play-off-Halbfinale

Alba kämpft sich gegen Bonn zurück

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Frank Weiss

Am Ende wurde es eine Demütigung. Den letzten Freiwurftreffer von Albas Dragan Dojcin feierten die 13 729 begeisterten Zuschauer in der O2 World bereits im Stehen. Es war der Punkt zum 65:39 (28:22)-Endstand gegen die Baskets Bonn.

- Vor allem bedeutete der eindrucksvolle Erfolg jedoch, dass die Berliner weiter im Rennen der Play-off-Halbfinalserie um die Deutsche Meisterschaft sind. Nach zwei Niederlagen konnte Alba in der "Best-of-five"-Serie auf 1:2 verkürzen. Am Dienstag in Bonn muss allerdings ein weiterer Sieg her, damit es am Donnerstag in Berlin zu einem entscheidenden fünften Spiel kommt.

"Man hat gesehen, dass das Team lebt und alles tut, um zurückzukommen", sagte Alba-Sportdirektor Henning Harnisch. "Es war zwar nur ein Sieg, aber schon ein Zeichen: Wir atmen noch." Und wie: Es war vor allem die starke Verteidigung, die den deutlichen Erfolg sicherstellte. Den Bonnern dürfte Alba einiges zum Grübeln mit auf die Heimfahrt gegeben haben. Noch nicht einmal 40 Punkte zu erzielen, ist ein Debakel.

"Es war nicht leicht für meine Mannschaft", sagte Alba-Trainer Luka Pavicevic. "In so einem Spiel mit soviel Druck auf unseren Schultern zurückzukommen, es war 40 Minuten lang harte Arbeit." In der Tat waren die Voraussetzungen für die Berliner alles andere als ideal. Das drohende Aus vor Augen musste das Team auch noch Immanuel McElroy ersetzen. Der Amerikaner musste aufgrund von Rückenproblemen passen, die ihn schon in den vergangenen Spielen plagten. Die Partie am Mittwoch in Bonn hatte bereits gezeigt, dass der exzellente Verteidiger so keine Hilfe für das Team ist. Dazu ging Spielmacher Rashad Wright angeschlagen in die Partie, er hatte sich im letzten Spiel einen Finger ausgerenkt und lief mit einem Tapeverband auf.

Die Fans waren von der ersten Minute an bemüht, ihr Team zu unterstützen. Doch Alba begann nervös. Die Partie war von Beginn an von den starken Defensivleistungen auf beiden Seiten geprägt. Bonn traf zunächst etwas besser und ging so mit einer knappen 16:13-Führung in den zweiten Spielabschnitt. Für den verletzten McElroy hatte überraschend auf Seiten der Berliner Philip Zwiener Einsatzzeit bekommen. "Ich habe mich gefreut, der Mannschaft wieder helfen zu können. Für mich war es keine Frage, bereit zu sein, ich war die ganze Zeit bereit", sagte der Nationalspieler. Im zweiten Viertel dann machte Alba ernst. Ganze sechs Punkte der Bonner ließen sie zu. Auf der anderen Seite war es ein klassischer Rollenspieler, der die Berliner erstmals in Führung brachte. Dragan Dojcin erzielte sechs Punkte in Folge zum 19:18 (15.). Es folgten ein krachender Dunking und ein Dreier von Casey Jacobsen - die Halle tobte. Das war so etwas die Initialzündung der Partie. "In den ersten Spielen habe ich nicht getroffen, doch das zieht mich nicht runter", sagte Jacobsen später. Nach einer 15:0-Serie stand es schließlich 28:18.

Alba verteidigte nach der Pause weiter unerbittlich und zwang die Gäste zu zahlreichen Ballverlusten. Damit kam die Sicherheit zurück. Plötzlich fielen auch die Distanzwürfe wieder in den Korb. Eigentlich eine Stärke der Berliner, die sie jedoch in den bisherigen zwei Partien nicht für sich nutzen konnte. Jacobsen, Julius Jenkins (2), Ansu Sesay und Aleksandar Nadjfeji sorgten mit ihren Dreiern dafür, dass die Führung immer weiter ausgebaut wurde. "Das dritte Viertel war entscheidend, da hat Alba exzellent offensiv gespielt mit sechs getroffenen Dreiern", klagte Bonns Coach Michael Koch, dessen Team kaum noch etwas gelang. Mit einem 51:33 für Alba ging es schließlich in den Schlussabschnitt.

Bonn musste aufpassen, dass das Momentum der Serie nicht vollends zugunsten der Berliner kippte. Immer weiter wuchs der Vorsprung an. Vier Minuten vor dem Ende, beim Stand von 57:35, verließ dann erstmals in dieser Partie Julius Jenkins das Parkett. Nun kam Nationalspieler Johannes Herber zu seinen ersten Play-off-Minuten in dieser Spielzeit. Das Spiel war entschieden. Doch schnell richteten die Berliner den Blick nach vorn. Spielmacher Steffen Hamann: "Wir dürfen uns jetzt nicht zu lange freuen. Montag geht es schon nach Bonn."

"Es war zwar nur ein Sieg, aber schon ein Zeichen: Wir atmen noch"

Sportdirektor Henning Harnisch