Kündigung beim 1. FC Köln

Daum tauscht Geld gegen Liebe

Ein Rundruf und wenige Minuten Fahrzeit reichten, bis die Verantwortlichen des 1. FC Köln am Dienstagmorgen in der Geschäftsstelle eintrafen. An der Spitze Präsident Wolfgang Overath, auf dessen Wunsch das Treffen einberufen wurde.

- Am Abend zuvor hatte er einen Anruf von Christoph Daum erhalten. Der Trainer ("Ich bin weg") informierte ihn, dass er von einer Kündigungsklausel in seinem bis Juni 2010 laufenden Vertrag Gebrauch macht.

Daum (55) wird wohl ab 1. Juli für Fenerbahce Istanbul arbeiten, wo er bereits zweimal tätig war ( siehe Statistik ). Er wird Nachfolger von Spaniens Europameister-Trainer Luis Aragones, der nach einem Jahr und Saisonplatz vier gehen muss. Daum soll per annum 3,5 Millionen Euro netto verdienen. In Köln, wo er einen Vertrag bis Juni 2010 hatte, sollen es 2,5 Millionen brutto gewesen sein. "Mit dem neuen Klub, der noch nicht genannt werden möchte, habe ich die Möglichkeit, international zu spielen, was für mich immer mein größter Anreiz und Wunsch als Trainer war", ließ Daum per Anwalt ausrichten. "Zudem werden mir sportliche Rahmenbedingungen geboten, mit denen ich für die nächsten Jahre weiter die Champions League erreichen kann."

"Es tut uns sehr leid, dass Christoph Daum vom FC weggeht. Es ist schade", sagte Präsident Overath. Manager Michael Meier: "Es gab vorher keinerlei Anzeichen, dass er von seiner Kündigungs-Option Gebrauch machen möchte. Aber wir müssen sie respektieren." Auch Lukas Podolski, der ab 1. Juli nach drei Jahren FC Bayern wieder für den FC spielt, zeigte sich überrascht: "Ich denke, der FC wird schnell einen geeigneten Nachfolger finden."

Fans schimpfen im Internet

Durch Daums Abgang wird die Liste der Vereine (Frankfurt, HSV, Mönchengladbach) länger, die einen neuen Trainer suchen. Matthias Sammer, Sportdirektor des Deutschen Fußball-Bundes und verantwortlich für die Trainerausbildung, sieht die Kündigungswelle von Trainern mit Sorge. Für die Vorbildwirkung habe das Nicht-Erfüllen von Verträgen durch Daum, Felix Magath (von Wolfsburg nach Schalke) oder Martin Jol (Hamburg/Amsterdam) "verheerende" Folgen. Für Spieler und Berater sei künftig "Tür und Tor geöffnet, sich nicht mehr moralisch an Vereinbarungen zu halten", sagte Sammer. Zugleich argumentierte er: Bislang wurden Trainer als "schwächstes Glied in der Kette" gesehen. "Ich würde fast von einem Bumerang sprechen: Jetzt zeigen die Trainer mal, dass sie Qualität haben und sich gewisse Dinge aussuchen können."

Beim Kölner Anhang sorgte die Nachricht von Daums Wechsel für Entrüstung. Das "Fan-Forum" auf der Internetseite des Vereins musste mehrfach geschlossen werden, da sich einige Fans despektierlich über den Trainer äußerten. Auf anderen Internet-Seiten war von einem "beschämenden Verhalten" des Trainers die Rede oder einer "stillosen Entscheidung". Ein Anhänger schrieb: "Immer wenn der FC-Fan denkt, es geht aufwärts, kriegst du einen mit der Keule."

Doch ganz so überraschend kam der Abgang nicht. So gab es in der Woche vor dem letzten Spiel gegen Bochum (1:1) erneut Meinungsverschiedenheiten zwischen Daum und einigen Vorstands-Herren. Der Coach hatte gesagt, dass ein Top-Transfer (Lukas Podolski) nicht reiche. Zudem, so berichten Insider, hätte Daum die mangelnde Wertschätzung missfallen.

Auch Galatasaray war interessiert

Als Daum nach dem Bochum-Spiel in der Pressekonferenz ungefragt von "meiner Mission" sprach, "die ich mit dem Aufstieg und dem Klassenerhalt erfüllt habe", hätte man aufhorchen müssen. Für Daums Freunde klang es wie eine Abschiedsrede. Daum gab sich am Tag danach, dem 24.Mai, zwar kämpferisch, als er in seiner Villa in Köln-Hahnwald in kleiner Runde die Saison Revue passieren ließ. Allerdings beschäftigte er sich dort bereits mit einem möglichen Abgang. Immerhin lag ihm eine Offerte aus der Liga und der Türkei vor. Galatasaray Istanbul hatte telefonisch angefragt. Die lehnte Daum ab.

Doch als sein Ex-Klub Fenerbahce warb, änderten sich die Vorzeichen. Während Daum gestern in Istanbul weilte, begann in Köln die Suche nach einem Nachfolger.