Bundesliga

Hertha zwischen Depression und Königsklasse

Arne Friedrich (29) wehrte ab: "Nee, ich sag' nichts." Nun muss man wissen, dass der Kapitän sich eigentlich immer stellt, egal, ob Hertha gewonnen oder verloren hat.

- Das 0:0 gegen den FC Schalke jedoch hatte die Stimmung verhagelt. Die Meisterschaft ist damit verloren. Zudem war Friedrich nicht nach Reden zu Mute, da er nach überstandener Knieoperation zwar im Kader stand, von Trainer Favre aber nicht eingesetzt wurde.

Auch die, die gespielt hatten, verließen früh und kommentarlos das Trainingsgelände nach dem sonntäglichen Auslaufen.

So mühte sich allein der Trainer, dem Eindruck einer kollektiven Depression entgegen zu treten. Auf die Frage, ob er enttäuscht sei über den verpassten Titel, sagte Lucien Favre: "Nein, ich bin nicht enttäuscht. Die Mannschaft hat Großartiges geleistet - und kann sich am letzten Spieltag noch belohnen."

In der Tat: Hertha hat im Saisonendspurt aus den letzten sechs Partien von 18 möglichen Punkten 14 geholt (vier Siege, zwei Remis). Insgesamt spielt das Team mit 63 Punkten die beste Saison seit 1974/75. Und kann mit einem Sieg am 34. und letzten Spieltag nicht nur den Sprung in die Vereinshistorie schaffen. Die bisherige Rekordmarke datiert von 1969/70, als Hertha auf (umgerechnet) 65 Zähler kam.

Bei einem Erfolg am kommenden Sonnabend winkt die Aufnahme in den Kreis des europäischen Fußball-Adels. Mit einem Sieg erreichen die Berliner in jedem Fall die Qualifikation zur Champions League. Falls das Topduell FC Bayern-Stuttgart remis endet, kann Hertha sogar Zweiter werden und den direkten Sprung in die Königsklasse schaffen.

Das sieht auch Pal Dardai (34) so: "Wir lassen den Kopf nicht hängen. Wir haben eine tolle Saison gespielt - und wollen jetzt das Maximum rausholen." Und Favre? "Klar wollen wir jetzt in die Champions League."