Basketball

"Bei Alba hat noch nie einer allein entschieden"

Zur neuen Saison wird Mithat Demirel neuer Teammanager von Alba Berlin, Henning Harnisch konzentriert sich als Sportdirektor um das Nachwuchsprogramm des Basketball-Bundesligisten. Die Berliner Morgenpost sprach mit dem 31-jährigen Demirel über seine neue Aufgabe.

Berliner Morgenpost: Herr Demirel, wann hat sich Alba denn das erste Mal bei Ihnen gemeldet?

Mithat Demirel: So genau weiß ich es gar nicht mehr. Ich war mit Henning Harnisch schon länger in Kontakt, deshalb war das fließend. Aber damals stand ja noch nicht zur Debatte, dass ich aufhöre. Ich wollte eigentlich noch zwei gute Jahre spielen. Als mir mein Arzt dann zum Karriereende geraten hat, ging alles ganz schnell und es wurde konkret.

Berliner Morgenpost: Ist es ein großer Vorteil, dass Sie alle wichtigen Personen bei Alba kennen und unter Coach Luka Pavicevic vor der Saison mit im Trainigslager waren?

Mithat Demirel: Das erleichtert den Anfang. Ich habe in den fünf Jahren seit meinem Abschied immer Kontakt gehalten und mich während der Sommerpause in Berlin immer mit vielen Leuten getroffen. Ich kenne mich in der Infrastruktur des Klubs also ganz gut aus und werde mit der Eingewöhnung keine Zeit verlieren.

Berliner Morgenpost: Was machen Sie bis zu Ihrem offiziellen Dienstbeginn am 1. Juli?

Mithat Demirel: Ich versuche, Henning ein bisschen über die Schulter zu gucken und mir von ihm ein paar Tipps geben zu lassen. Aber das ist ein sensibles Thema, denn die Saison läuft ja noch. Ich werde viel beobachten und alles aufsaugen, was möglich ist.

Berliner Morgenpost: Sie übernehmen direkt nach dem Ende Ihrer Profi-Karriere ohne weitere Qualifikation eine wichtige Funktion. Wie groß ist Ihr Respekt vor dieser neuen Aufgabe?

Mithat Demirel: Sehr groß, denn das ist in der Tat ein umfangreiches Gebiet und eine große Herausforderung. Wichtig wird eine enge Zusammenarbeit mit Henning Harnisch, Marco Baldi und den Trainern sein. Marco hat den Klub aufgebaut, ich kann mir keinen besseren Chef vorstellen. Außerdem hat bei Alba noch nie einer allein entschieden. Aber ich habe eine Meinung - und die werde ich auch äußern.

Berliner Morgenpost: Welche Schwerpunkte setzen Sie?

Mithat Demirel: Ich werde versuchen, ehrlich und direkt zu sein. Allerdings will ich den Mund nicht zu voll nehmen, es wird sicher auch mal Zwänge geben. Ansonsten muss ich ja nichts Großartiges ändern, Alba funktioniert seit 20 Jahren, hat national und international einen guten Ruf. Und das Ziel, möglichst jede Saison in der Europaliga zu spielen, gibt es schon länger.

Berliner Morgenpost: Außer für die sportliche Infrastruktur sowie den Trainings- und Spielbetrieb der Profis sind Sie auch für das Scouting verantwortlich.

Mithat Demirel: Ich kenne ja einige Spieler aus meiner aktiven Zeit und habe ein paar DVDs gesehen. Man muss auch wissen, welche Spieler im Sommer vom College kommen. Da mache ich mir jetzt schon Gedanken.

Berliner Morgenpost: In der nächsten Saison besteht der Alba-Kader also zur Hälfte aus türkischen Spielern?

Mithat Demirel: Der türkische Markt ist interessant, aber die Spieler verdienen dort relativ viel. Insofern muss man auch darauf achten, dass es finanziell passt. Doch bei einem Schnäppchen wie Cemal Nalga darf man nicht lange warten.

Berliner Morgenpost: In der neuen Saison müssen fünf der zwölf Profis auf dem Spielberichtbogen Deutsche sein, einer mehr als bisher. Das verändert die Zusammenstellung des Kaders.

Mithat Demirel: Ich bin davon überzeugt, dass sich der Markt durch die Quotenregelung enorm verändern wird. Darauf müssen wir vorbereitet sein.

Berliner Morgenpost: Steffen Hamann ist einer der deutschen Profis von Alba, mit dem Sie früher zusammengespielt haben. Nun werden sind Sie sein Chef - ein komisches Gefühl?

Mithat Demirel: Das ist jetzt eben so, aber ich würde mich auch nicht als Chef bezeichnen. Außerdem haben wir beide das gleiche Interesse: Wir wollen mit Alba Berlin erfolgreich sein.