"Allein bist du gar nichts"

Volleyball verbindet und verbündet, nicht nur auf dem Feld in einer Mannschaft. Wer weiß das besser als das Berliner Volleyball-Paar Kerstin Döring (24) und Jaroslav Skach (29). Der 1,94 m große Profi, Zuspieler beim SCC und gelernter Automechaniker aus Prag und die 1,86 m große Studentin der Kommunikationswissenschaften aus Nordbayern, Mittelblockerin beim BBVC 68, hat ihr Sport auch privat zusammengeführt. In der Morgenpost plaudern die beiden vor Saisonbeginn über eine Volleyball-Liebe und die Liebe zum Volleyball.

Berliner Morgenpost: Frau Döring, Herr Skach, wie haben Sie sich kennengelernt?

Kerstin Döring: Ich habe in Lohhof gespielt damals, aber Weihnachten 2001 waren die Pleite. In der Halle sind wir uns irgendwann über den Weg gelaufen. Ich komme aus Marktredwitz nahe der Grenze, da waren viele Tschechen im Verein. Und da habe ich ein paar Sprachkenntnissse zum Besten gegeben.

Jaroslav Skach: Ich war davon echt beeindruckt. Ich wiederhole die Worte lieber nicht, aber es waren nicht nur Schimpfworte. Später hat sie dann wieder die Initiative übernommen und mich beim Volleyballer-Fasching in Dachau zum Tanzen aufgefordert.

Warum sind Sie nach Berlin gekommen?

Döring: Natürlich auch seinetwegen. Aber auch, um noch mal gescheit Volleyball zu spielen. Dachau war abgestiegen, das war frustrierend. Vergangene Saison habe ich Jaroslav in Berlin besucht, ein Mal sogar zwei Monate. Da habe ich beim VC 68 mittrainiert und der Trainer hat mich gefragt, ob ich bleibe. Jetzt hats geklappt und deswegen mache ich beim Studium in München ein Semester Pause. Das hat vielleicht den Vorteil, daß ich später arbeitslos werde (lacht). Nein, im Ernst: Ich will einen Job, denn selbst die paar deutschen Volleyball-Profis in Italien haben längst nicht ausgesorgt. Am Wochenende übrigens waren meine Eltern in Berlin und es gab eine kleine Finanzspritze.

Skach: Ich bin der Mehrverdiener bei uns, der Profi. Aber ich bin ja auch nicht im Fernsehen.

Weshalb sind Sie als Tscheche dann nicht Eishockey- oder Fußball-Spieler geworden? Dann spielten Sie nicht vor höchstens 2000 Leuten.

Döring: Also wir spielen vor 200.

Skach: Mein Vater war Fußballer, Junioren-Auswahl, hatte Angebote von Dukla Prag und Sparta. Er mußte aber wegen seines Rückens aufhören und hat dann mit Volleyball angefangen. Da bin ich als Knirps mit.

Döring: Wenn du mit elf anfängst, denkst du nicht dran, daß du später mal irre Kohle verdienst damit. Ich war groß, also Volleyball. Es hat einfach Spaß gemacht im Team. So eine Gruppe ist eine gewaltige Lebenserfahrung, du mußt dich unterordnen. Allein bist du gar nichts, wie in der Liebe. Wenn einer eine Fresse zieht, zieht das die anderen mit runter. Außerdem: Du kommst herum, lernst Sprachen. In Marktredwitz wäre ich versauert. Die eine Saison am US-College in Long Beach war ein tolles Gefühl, vor 4200 Leuten zu spielen. Aber Jaroslav hatte eine härtere Schule mit seinem Papa.

Skach: Ja, ich war 13 unter lauter Erwachsenen. Wenn ich was falsch machte, habe ich manchmal geweint. Einmal habe ich die Halle nicht gefunden. Mit 15 war ich dann zu gut für die, aber das war eine wichtige Erfahrung mit den Älteren. Volleyball ist der kollektivste Sport von allen.

Warum findet er dann kaum im deutschen Fernsehen statt?

Döring: Das DSF zeigt Holzfällen, das macht mich irre. Die könnten doch wenigstens mal ein Sahnespiel zeigen. In Tschechien zeigen sie ein Match pro Woche live, mit Superzoom und Zeitlupe, stimmt's?

Skach: Klar, und mit fünf Kameras. Vor fünf Jahren war man in Tschechien so weit wie jetzt in Deutschland. Heute freut sich dort das Fernsehen, wenn sie übertragen können und verschiebt andere Sendungen. Die Quote ist gut, Volleyball ist die Nummer drei hinter Eishockey und Fußball. Da fand sich jemand mit Mut. Hier spielt der SCC bald wieder in der Champions League gegen Treviso, eines der besten Teams in Europa. Die Halle ist voll. Der RBB bringt das nachts um eins eine halbe Stunde. Dafür wird bei Olympia reichlich Beachvolleyball übertragen. Bei deutschen Paaren verstehe ich das, aber Schweizer gegen Griechen?

Hallenvolleyball ist inzwischen der Rand einer Randsportart. Warum spielen Sie nicht wenigstens Beach?

Skach: Beach ist doch sehr individualistisch. Es geht immer mehr Richtung Tennis, mit vielen Auszeiten, wo die Spieler eine Banane essen. Ich bin Mannschaftsspieler. Beim Beach wohnt der eine oben links im Hotel, der andere rechts unten. Man redet sonst kaum miteinander, wie die Brüder Laciga.

Döring: Beach ist mir beinahe zu sexistisch. Aber sogar in der Halle haben sie ja angefangen vorzuschreiben, wieviel Zentimeter Po das Höschen zeigen muß.