"In zwei Jahren spielt der SCC international eine Hauptrolle"

Heute (19 Uhr, Sömmeringhalle) trifft der deutsche Volleyball-Meister SC Charlottenburg in der Champions League auf den italienischen Meister Sisley Treviso. In diesem Wettbewerb hat der ungeschlagene Bundesliga-Spitzenreiter die nächste Runde verpasst, weshalb sich der Blick von Trainer Mirko Culic bereits auf das Wochenende richtet. In Dessau bestreitet der SCC das Finalturnier im deutschen Volleyball-Pokal. Über diese Partien, den Hauptkonkurrenten VfB Friedrichshafen und dessen Trainer Stelian Moculescu, der auch Bundestrainer ist, sprach die Berliner Morgenpost mit dem 40-jährigen Coach.

Berliner Morgenpost: Herr Culic, erklären Sie uns einmal Ihre Trainer-Philosophie.

Mirko Culic: Ich sage meinen Spielern, was ich denke. Sie äußern ihre Meinung. Eigenverantwortlichkeit und Klarheit sind ganz wichtig.

Sie erklären viel.

Ja, wenn die Spieler wissen, warum sie Kniebeugen mit 160 Kilogramm machen, dann sind sie motivierter.

Achten Sie auch auf die Ernährung?

Ich habe meine Vorstellungen. Buletten vor dem Training sind nicht optimal. Nicht alle sind aber Profis. Manuel Rieke studiert, kommt direkt von der Uni zum Training und isst eben eine Bulette. Da kann man auch nichts anderes erwarten.

Trotz Buletten schwimmen Sie mit ihrer Mannschaft auf einer Welle des Erfolges. Wie kommt das?

Wir haben intensiv gearbeitet und sind jetzt eine gute kompakte Mannschaft, die zusammenhält.

Gab es einen Knackpunkt, der den "neuen SCC" hervor gebracht hat?

Ja, das war vor rund einem Jahr, als feststand, dass Marco Liefke nach seinen Herzproblemen weiter spielen kann. Das war wahnsinnig wichtig, er war danach besser als je zuvor, und auch die Mannschaft ist daran gewachsen.

In der Champions League fehlt der große Erfolg aber noch.

Wir sind schon enttäuscht, denn es war mehr drin. Wir wollen uns jetzt in der Champions League gegen Treviso noch einmal gut verkaufen. Das wird ein tolles Ding. Die Zuschauer sollten diesmal nicht unsretwegen in die Sömmeringhalle kommen, sondern wegen Treviso. Da spielt so ziemlich das Beste, was es zurzeit auf der Welt gibt.

Was fehlt dem SCC noch zu einer internationalen Spitzenmannschaft?

Wir sind auf einem guten Weg. Ich erinnere mich, als wir vor zwei Jahren gegen eine Mannschaft aus Griechenland im Europapokal verloren haben. Da haben die uns mit einer mittelmäßigen Leistung 3:0 verprügelt. Die waren echt nichts Besonderes. Und jetzt halten wir mit Mannschaften wie Treviso mit.

Was hat sich seitdem verändert?

Es ist fast die gleiche Mannschaft wie damals. Wir reagieren aber besser auf kritische Situationen, sind cooler, zielstrebiger. Geholfen haben uns die vielen Spiele auf internationaler Ebene. Zwei Jahre und noch 20 bis 30 Spiele auf hohem Niveau, und wir spielen auch international eine Hauptrolle.

Dafür muss man das Team aber zusammenhalten.

Klar - und am besten noch verstärken. Da ist der Verein gefordert. Aber das ist sehr schwierig.

Weil das Geld fehlt?

Genau. Gute Ergebnisse und Titel wären wichtig, dann könnte man Sponsoren locken.

Haben junge Topspieler wie Bakumovski und Kromm den Charakter zu sagen, ich bleibe in Berlin, baue etwas auf und verzichte auf Geld?

Ich denke schon. Ich würde es jedem empfehlen. Das ist doch super, wenn man in einer Stadt immer im Zusammenhang mit großem Erfolg genannt wird. Aber junge Spieler denken da oft anders, was verständlich ist. Die wollen raus, etwas erleben.

Thema Nationalmannschaft: Der SCC ist deutscher Meister, Tabellenführer und dennoch spielen Liefke, Bakumovski, Kromm und Prüssner nur Nebenrollen . . .

. . . sie sind keine Leistungsträger.

Warum?

Da muss man den Bundestrainer fragen. Die Spieler müssen ihn mit Leistung überzeugen.

Haben Sie regelmäßigen Kontakt zu Bundestrainer Stelian Moculescu, um über die Form ihrer Jungs zu sprechen?

Leider nicht. Vor ein, zwei Jahren war das noch so.

Ist er zu sehr Trainer des Konkurrenten VfB Friedrichshafen?

Das weiß ich nicht. Die Doppelrolle als Bundestrainer und Vereinstrainer ist nicht leicht und sicher nicht optimal. Jeder muss sich aber die Frage mal stellen: Hätte ich die Wahl zwischen einem Spieler aus meinem Team als zwölften Mann und einem vom Konkurrenten, wen würde ich mitnehmen? Meinen eigenen natürlich. Also zum Beispiel den Kromm vom SCC und nicht den Popp aus Friedrichshafen. Das ist nur logisch. Er ist dabei, schnuppert internationale Erfahrung, wird automatisch besser.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Moculescu?

Es hat sich geändert. Vor drei, vier Jahren war es sehr gut, jetzt ist es sachlich, geschäftlich.

Jetzt geht es im Pokalfinale voraussichtlich gegen Friedrichshafen. Marco Liefke und Eugen Bakumovski haben schon angekündigt, dass sie da richtig auftrumpfen und es dem Bundestrainer zeigen wollen.

Das ist gut. Aber wir müssen aufpassen, dass wir nicht überdrehen. Deshalb will ich das Duell mit Moculescu nicht zu sehr in den Mittelpunkt stellen.

Wie schätzen Sie die Chancen ein?

Friedrichshafen spielt viel stärker als zu Saisonbeginn. Die Chancen stehen 50:50. Aber das ist doch super. Vor zwei Jahren hat jeder noch gesagt, dass ein Satzgewinn ein Erfolg ist. Heute redet man nur vom Sieg.