"Die wunderschöne Jugend kann ihm keiner nehmen"

In diesen Tagen ist es schwer, Sebastian Rieschick zu erreichen. Der 17-jährige Berliner spielt in Australien Tennis. Beim ersten Grand-Slam-Turnier des Jahres ist er bei den Junioren an Nummer eins gesetzt. "Ich will das Turnier gewinnen, es wird aber auch auf die Tagesform ankommen", sagt Rieschick. Seit Jahresbeginn steht er an der Spitze der Junioren-Weltrangliste. Das hat vor ihm noch kein Berliner geschafft.

In Melbourne zu bestehen, ist schwer. "Es ist schwül, es ist windig, und die Sonne brennt", sagt der 1,93 m große Rechtshänder. Betreut wird Rieschick von DTB-Bundestrainer Peter Pfannkoch. "Er hat Ahnung und spricht Dinge offen aus. Ich vertraue ihm", sagt Rieschick. Seit 2002 arbeiten die Beiden im Sportinternat Hannover zusammen. Dort wird der 90 kg schwere Junior vom DTB sportlich und medizinisch betreut. Der Verband trägt Kosten für Training und Reisen. Seine Eltern zahlen einen Zuschuss, rund 500 Euro im Monat. Das Konzept trägt Früchte.

Vater Wolfram Rieschick sitzt auf einer Couch in einem Einfamilienhaus in Lichtenrade. Er blättert in einem Fotoalbum. Die Bilder erzählen von Erfolgen - in Mittelamerika, in den USA, in Europa. Sie dokumentieren Sebastian Rieschicks Aufstieg. Mit zehn Jahren siegte er beim Jüngstenturnier, "das war der Durchbruch auf Berliner Ebene", erzählt Wolfram Rieschick. 1997 dann der Erfolg beim nationalen Jüngstenturnier in Detmold. Früher hatten hier Becker, Jelen und Haas triumphiert. 2003 gewann er internationale Jugendturniere in Frankfurt und Essen.

Die Trophäen stehen im Fitnessraum: 20 Quadratmeter mit Fahrrad, Laufband, Hanteln und Sprossenwand. Rund 100 Pokale sind es - eine kleine Schatzkammer. Trotz des Sports "soll Basti unbedingt seinen Schulabschluss machen. Irgendwann ist Schluss mit Tennis, dann hat er was in der Hand", sind sich seine Eltern einig. Das Abitur an der Werner-Seelenbinder-Sportschule wird hierfür auf drei Jahre gestreckt. Der Junge akzeptiert die Doppelbelastung - manchmal trotzig, "weil Tennis mein Leben ist".

Die Rieschicks sind Mitglieder im TC Weiß-Gelb Lichtenrade. Sebastian könnte statt in der Regional- auch in der Bundesliga spielen. "Vor drei Jahren haben ihm andere Vereine fünfstellige Summen geboten", erinnert sich Barbara Ritter. Die Lichtenrader Cheftrainerin hat den Basketball-Fan früher gecoacht. "Die Eltern", sagt sie, "haben nie aufs Geld geschielt und immer zu Bastis Vorteil gehandelt. 50 Prozent des Erfolgs verdankt er ihnen."

2004 ist für Rieschick ein wichtiges Jahr. Im Februar wird der Abiturient 18 Jahre alt, der Übergang in den Herrenbereich steht an. Es ist eine "Mission Possible", denkt Pfannkoch. "Basti kommt mit den Umständen im Tenniszirkus prima zurecht. Er hat Talent, trifft die Bälle genau. Er hat eine schnelle Vorhand, kann langsame Bälle schnell machen." Gute Voraussetzungen für eine Profi-Karriere.

"Dieses Jahr möchte ich gut bei den Herrenturnieren starten und erste Punkte in der Weltrangliste sammeln", sagt Sebastian Rieschick. "Zudem will ich Nummer eins der Junioren bleiben." Und wenn es nicht klappt mit der Tennis-Karriere? "Kein Problem", sagt sein Vater, "dann hat er eine wunderschöne Jugend gehabt, viel gesehen und viele Freunde gewonnen. Das kann ihm keiner nehmen."