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Ärger um "Dieter-Hoeneß-Festspiele"

Dieter Hoeneß gab sich konzentriert. Der Manager sprach über die Vorfreude auf das Spiel von Hertha BSC heute vor mindestens 65 000 Fans im Olympiastadion gegen Galatasaray Istanbul (20.45 Uhr, ARD); nach zwei Remis benötigen die Berliner in diesem Uefa-Cup-Gruppenspiel unbedingt einen Sieg. Mit Blick auf die Kulisse sagte Hoeneß: "Das ist ein Spiel mit finalem Charakter. Wir wollen zur Völkerverständigung beitragen und ein positives Resultat erzielen."

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Intern hingegen war Hoeneß, offiziell Vorsitzender der Geschäftsführung der Hertha KG auf Aktien, gestern außer sich. Erstmals, seit er in Berlin die Geschäfte führt, war er aus den eigenen Reihen scharf attackiert worden. So kritisierte Werner Gegenbauer, der als Präsident über die Bestellung und Entlassung der Geschäftsführung befindet, die jüngsten Auftritte von Hoeneß: "Dass, wenn Hertha erfolgreich ist, manchem das Wort 'wir' schwerer über die Lippen kommt, als das Wort 'ich', darüber schmunzeln wir. Daran wird sich in den verbleibenden anderthalb Jahren auch nichts mehr ändern."

Bis Juni 2010 läuft der Vertrag von Hoeneß in Berlin.

Doch die Darbietungen und Interviews von Hoeneß ("Ich bin so vermessen zu sagen, dass ich bei Hertha Vergleichbares geleistet habe wie Uli in München") kommen nicht gut an. "Der Manager hatte die Chance, öffentlich den Aufschwung von Hertha darzustellen. Aber er hat Dieter-Hoeneß-Festspiele daraus gemacht", sagt Gegenbauer. "Da darf er sich nicht über eine öffentliche Antwort wundern."

Hoeneß wundert sich nicht, er war empört. Er findet nicht, dass seine Argumentation "Ich mache 2010 endgültig Schluss bei Hertha, lasse mir dann aber alle Möglichkeiten offen, inklusive Hertha", einen Widerspruch enthält. Er lasse sich weder von Berliner Medien noch von Gegenbauer sein Recht auf freie Zukunftsgestaltung verbieten.

Am Vormittag klingelte das Telefon bei Gegenbauer. Ein Vertrauter von Hoeneß forderte eine öffentliche Entschuldigung des Präsidenten. Sinngemäß antwortete Gegenbauer: Die könne Hoeneß sich selbst schreiben. Im Übrigen verbitte er sich den staatsanwaltlichen Vernehmungston.

An dieser Stelle lohnt es sich, einen Schritt zurückzutreten. Unstrittig sind die Verdienste von Hoeneß. Natürlich ist auch der aktuelle Erfolg mit seinem Namen verbunden. Er hat Lucien Favre aus Zürich nach Berlin geholt.

Hinter der aktuellen indessen liegt eine grundsätzliche Auseinandersetzung. Hoeneß hat Gegenbauer für Hertha gewonnen, die Familien sind befreundet. Nun gibt es verschiedene Meinungen, wie die nächsten anderthalb Jahre bis zum Ausscheiden des Managers gestaltet werden. Nach außen sagt Hoeneß dazu nichts. Aber man darf ja mal spekulieren: Wie wäre es, wenn Hertha die sich in dieser Saison bietende Chance auf die Champions League unbedingt nutzen will? Dazu müsste der Verein ins Risiko gehen und im Winter für Verstärkungen vielleicht fünf, sechs oder gar acht Millionen Euro investieren.

Gegenbauer ist strikt dagegen. "Wir können nicht alle liquiden Mittel, die wir bis 2010 haben, einmal in diesem Winter ausgeben. Was ist, wenn wir die Champions League verpassen?"

Der Präsident warnt davor, übertriebene Erwartungen zu wecken. "Wir können es uns nicht leisten, gleichzeitig Spieler wie Arne Friedrich, Josip Simunic, Marko Pantelic und Andrey Voronin zu beschäftigen." Er verweist auf den neuen TV-Vertrag. Ursprünglich gingen die Klubs von 500 Millionen Euro pro Saison aus. Aktuell sind es 412 Millionen. Der gerade geschlossene Vertrag sieht für die Liga 2009/10 lediglich 385 Millionen vor. "Wir sind nicht in der Lage, darüber nachzudenken, wofür wir Mehr-Einnahmen ausgeben. Es geht darum, wie wir Minder-Einnahmen ausgleichen." Für Hoeneß sei das von Vorteil. Gegenbauer. "In der jetzigen Entscheidungsstruktur funktioniert Hertha besser, wenn die Ressourcen knapp sind."