"Henrik Rödl hat es allemal drauf"

In der vergangenen Woche sah sich Dirk Bauermann heftiger Kritik ausgesetzt. Axel Schweitzer, Aufsichtsrats-Chef des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin, bemängelte in der Berliner Morgenpost, der Bundestrainer integriere zu wenig junge Spieler ins Nationalteam.

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In der vergangenen Woche sah sich Dirk Bauermann heftiger Kritik ausgesetzt. Axel Schweitzer, Aufsichtsrats-Chef des Basketball-Bundesligisten Alba Berlin, bemängelte in der Berliner Morgenpost, der Bundestrainer integriere zu wenig junge Spieler ins Nationalteam. Bauermann verspiele die Zukunft des deutschen Basketballs. Gleichzeitig kritisierte Schweitzer, dass der 49-Jährige in Personalunion Trainer beim Deutschen Meister Brose Baskets Bamberg ist. Jetzt nimmt Bauermann dazu Stellung, kündigt ein Ende seiner Doppelfunktion an und kann sich Henrik Rödl als seinen Nachfolger vorstellen.

Berliner Morgenpost: Herr Bauermann, sieht es um die Zukunft des deutschen Basketballs wirklich so schlecht aus?

Dirk Bauermann: Ich habe das Gefühl, bei der Kritik ging es weniger um den deutschen Basketball, sondern mehr um meine Person und meine Entscheidungen als Bundestrainer. Was die Zukunft angeht: Sicher wird es so etwas wie ein Delle geben, wenn Spieler wie Patrick Femerling, Ademola Okulaja und andere im nächsten Jahr zurücktreten. Ich glaube aber nicht, dass wir ins Bodenlose fallen, uns für Jahre in die Zweitklassigkeit verabschieden werden.

Glauben Sie, dass Dirk Nowitzki, der nächstes Jahr 30 Jahre alt wird, im Nationalteam weitermacht?

Ihm macht es sehr viel Spaß, in der Nationalmannschaft zu spielen. Es ist nicht in Stein gemeißelt, dass Dirk nach den Olympischen Spielen oder einer verpassten Olympiaqualifikation aufhört.

Was ist denn aus Ihrer Sicht der Grund für Schweitzers Attacke?

Vielleicht soll da öffentlich Druck erzeugt werden, dass diese Doppelfunktion nicht länger hingenommen wird? Oder ist es Unbehagen an meiner Person? Ich weiß es nicht. Kritik muss man sich anhören, so lange sie sachlich und fundiert ist. Beides war sie nicht. Ich fand, dass die Kritik massiv unter der Gürtellinie stattfand. Es ist doch polemisch zu behaupten, ein Steffen Hamann habe deshalb gespielt, weil er in Bamberg ist, wo ich Trainer bin. Das ist vom Stil her unpassend. Es ist auch ungerecht der Leistung der Nationalmannschaft gegenüber, die eine gute EM gespielt hat.

Hat Schweitzer nicht Recht, wenn er sagt, in Deutschland würde zu wenig für den Nachwuchs getan?

Natürlich hat er da Recht. Es hat aber in den vergangenen Jahren immerhin ein Umdenken stattgefunden. Dass mehr deutsche Spieler in den Bundesligateams stehen müssen, demnächst vier, später einmal vielleicht sogar sechs. Die Nachwuchsliga NBBL ist ein guter Schritt. Wir haben strukturell vieles verbessert. Dass wir was machen müssen, damit wir international den Anschluss nicht verlieren, ist klar. Talentsichtung, -findung und schließlich -förderung müssen sicher optimiert werden.

Kann das ein Bundestrainer leisten, der zugleich einen Verein trainiert?

Nein. Das ist ein Kritikpunkt, der berechtigt ist. Gerade an dieser vital wichtigen Stelle ist viel Energie einzusetzen. Das kann niemand mit einer Doppelfunktion. Ich habe diese Doppelfunktion jetzt vier Jahre, ein fünftes kommt noch hinzu. Ich glaube, nach 2008 ist der Zeitpunkt gekommen, das Eine oder das Andere zu machen. Noch einmal zwei Jahre - das ist nicht zu schaffen. Für was ich mich entscheide, ob Bundes- oder Vereinstrainer, das weiß ich zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

Mal angenommen, Sie machen Ihre Ankündigung wahr, und entscheiden sich für den Job als Vereinstrainer: Käme als Ihr Nachfolger ein Henrik Rödl in Frage, der in der vergangenen Saison noch Ihr Gegner bei Alba Berlin war, jetzt aber für diesen Posten frei wäre?

Ich habe seine Arbeit verfolgt, auch wenn das in einer Konkurrenzsituation immer schwierig ist. Er hat mich dabei durchaus beeindruckt. Henrik hat auch als Spieler für die Nationalmannschaft immer seine Knochen hingehalten. Es hat schon Gespräche gegeben, wie wir ihn in die Arbeit des Verbandes einbinden können. Das wollen wir unbedingt tun. An welcher Stelle, muss man sehen. Ob als Bundestrainer, müssen dann andere entscheiden. Ich glaube aber, dass er das allemal drauf hat. Wie zum Beispiel auch ein Michael Koch oder Hansi Gnad, die sich als Trainer durchgesetzt haben und ihren Weg gehen werden.