Boateng übt sich in Geduld, Schorch nur Ersatz bei der Real-Reserve

"Phantastisch, genial", schwärmte Armin Veh. "Die Qualität seiner Pässe ist unglaublich.

"Phantastisch, genial", schwärmte Armin Veh. "Die Qualität seiner Pässe ist unglaublich." Der Trainer des VfB Stuttgart war begeistert von seinem Neuen. Yildiray Bastürk (28) überzeugte auf Anhieb - allerdings nur bei einem Test gegen Verbandsligist SpVgg Ludwigsburg. Beim Deutschen Meister begann seine Dienstzeit so wie der Spielmacher sie im letzten Jahr in Berlin zumeist verbracht hatte - als Leidenszeit.

In bisher vier Bundesliga-Spielen stand Bastürk null Minuten auf dem Platz. Zunächst stoppte eine Muskelverletzung in der Vorbereitung den türkischen Nationalspieler. Unmittelbar vor dem geplanten Debüt am zweiten Spieltag setzte ihn eine Wadenverhärtung außer Gefecht.

Damit geht es Bastürk wie diversen ehemaligen Herthanern, die Berlin im Sommer voller Hoffnungen verlassen haben. Nach zehn Wochen in der Fremde kann die Bilanz nur eine vorläufige sein. Doch die wenigsten Profis haben auf Anhieb ihr Glück gefunden.

So ist der spektakulärste Transfer des Sommers, Kevin Boateng (20), noch dabei, sich bei Tottenham Hotspur zu orientieren. Der ebenso begabte wie schwierige Youngster ist mit 7,9 Millionen Euro der teuerste Verkauf der Hertha-Historie nach Sebastian Deisler (2002 für 8,2 Mio. zum FC Bayern). Zwar wird Boateng auf der Internet-Seite des Klubs gelobt: "Boateng war der beste Mann auf dem Platz. Er erzielte ein Tor per Fallrückzieher und köpfte den Ball später an die Latte."

Kein Einsatz in der Premiere League

Die Rede ist allerdings vom 2:2 der Tottenham-Reserve gegen die von Derby County. In der ersten Mannschaft hat es Boateng bei bisher fünf Saisonpartien nicht einmal in den 18er-Kader gebracht. Weitgehend unbemerkt von der Öffentlichkeit ist auch geblieben, dass Boateng anders als im ersten Halbjahr nicht mehr zur deutschen U 21-Nationalmannschaft eingeladen wird. Dem Vernehmen nach ist Boateng nach negativen Vorfällen beim Turnier in Toulon/Frankreich im Juni im Kreis von Bundestrainer Dieter Eilts nicht mehr erwünscht. Zudem hat Boateng Pech, dass er als Neuer bei Tottenham in eine Mannschaft kommt, in der es derzeit nicht zu stimmen scheint. Nach Platz fünf in der Vorsaison durfte Trainer Martin Jol in nie gekannten Dimensionen investieren, um in die Phalanx der Manchester United, FC Chelsea, FC Arsenal und FC Liverpool einzubrechen. Doch nach nur vier von 15 möglichen Punkten steht Jol unter extremem Druck. Umso erstaunlicher ist die neue Bescheidenheit von Kevin Boateng. "Ich kann warten." Dabei war das Warten eine Tugend, mit der er in Berlin rein gar nicht aufwarten konnte. Nichts konnte ihm schnell genug gehen, die Einberufung zum Kader der Nationalmannschaft nicht, zuletzt der Wechsel nach England nicht. Sein persönliches Saisonziel: "Zehn Einsätze in der Premier League."

Unter den Erwartungen läuft es für Christopher Schorch. Der 18-Jährige benötigt noch Zeit, um anzukommen. Bei Real Madrid II war Schorch bei den ersten beiden Partien in der dritten spanischen Liga nicht dabei. Doch der Deutsche Fußball-Bund hat ihn nicht vergessen. Beim 3:1 der U 19 gegen die Niederlande am Freitag in Oberhausen durfte der Manndecker durchspielen.

Andreas Neuendorf (32) hat auch beim neuen Arbeitgeber mit alten Problemen zu kämpfen. Eigentlich wollte der einstige Berliner Publikumsliebling erstklassig spielen, am Ende unterschrieb er bei Drittligist FC Ingolstadt. Von sieben Regionalliga-Partien absolvierte er fünf, spielte aber nie durch. Schon in Berlin war sein Fitness-Zustand ein Dauerdiskussionspunkt mit den Trainern.

Gimenez traf schon zweimal

Gelohnt hat sich der Wechsel für Kevin Stuhr Ellegaard. Der ehemalige Ersatztorwart wurde in seiner Heimat Dänemark bei Randers FC auf Anhieb die Nummer eins. Zwischenzeitlich war Stuhr Ellegaard nach vier Siegen in vier Partien Tabellenführer, nach acht Runden liegt Randers aktuell auf Rang vier. Ähnlich läuft es für Christian Gimenez. Der von den Hertha-Fans zum "Spieler der Saison 2006/07" gewählte Stürmer überzeugt auch in Mexiko. Gimenez hat in sechs Partien zwei Treffer erzielt und liegt mit Deportivo Toluca im Verfolgerfeld hinter Spitzenreiter Santos Laguna.

Keinen der Abgewanderten scheint Lucien Favre, der neue Trainer von Hertha BSC, zu vermissen. Mit einer Ausnahme. Er habe Ashkan Dejagah auf DVD gesehen. "Der hat Qualität." Favre zeigt auf seine Nase. "Ich rieche das, der wird bald Nationalspieler. Schade, dass Dejagah weg ist."