Hertha BSC lockt Veli Kavlak

Tottenham Hotspur teilte die Nachricht gestern um 14.37 Uhr auf seiner Homepage im Internet mit.

Tottenham Hotspur teilte die Nachricht gestern um 14.37 Uhr auf seiner Homepage im Internet mit. "Hossam Ghaly (25) wechselt von Tottenham zu Birmingham City." Die Spurs erhalten für den Ägypter eine Ablöse von 4,4 Millionen Euro (drei Mio. Pfund).

Die Meldung wurde in Berlin aufmerksam verfolgt. Ghaly räumt beim Tabellenfünften der Premier League seine Stelle im rechten und zentralen Mittelfeld. Eine Stellenbeschreibung, die eins-zu-eins auf Kevin Boateng (20) passt. Der Mittelfeldspieler von Hertha BSC landete nahezu zeitgleich in London. Der deutsche U-21-Nationalspieler absolvierte gestern Abend bei Tottenham den obligatorischen Medizincheck. Ein Ergebnis lag bei Andruck dieser Frühausgabe der Morgenpost noch nicht vor. Läuft aber alles wie gewünscht, wird spätestens heute Boatengs Wechsel von Hertha BSC zu Tottenham Hotspur bekannt gegeben.

Boateng (42 Bundesliga-Spiele, vier Tore) soll im Kader des holländischen Trainers Martin Jol die Mittelfeld-Position von Ghaly übernehmen. Für Hertha BSC ist der Boateng-Vertrag der entscheidende Stein im Dominospiel um den Kader 2007/08. Der Bundesligist ist sich längst einig mit Tottenham. 7,4 Millionen Euro (fünf Mio. Pfund) werden die Engländer überweisen.

Das Geld aus der Ablöse wird Hertha BSC zum größten Teil direkt in die Mannschaft investieren. Manager Dieter Hoeneß ist seit zwei Tagen in den Alpen unterwegs. Am Sonntag wurde er beim FC Luzern vorstellig in Sachen Fabian Lustenberger (19). "Die Verhandlungen laufen auf Hochtouren. Hertha hat die besten Karten. Wir werden dem Jungen keine Steine in den Weg legen", bestätigte Raffael Natale, Sportchef des FC Luzern, der Berliner Morgenpost. Lustenberger (1,80 m/63 kg), Schweizer U-21-Nationalspieler mit Vertrag bis 2009, ist ein Vorschlag von Herthas neuem Trainer, dem Schweizer Lucien Favre.

Allerdings ist er nicht der einzige Kandidat für die Boateng-Nachfolge im Mittelfeld. Über den zweiten Aspiranten verhandelte Hoeneß gestern Vormittag in Österreich. Dort traf er sich mit Vertretern von Rapid Wien. Es ging um Veli Kavlak (18), eines der österreichischen Talente, das mit der U-20-Nationalmannschaft bei der WM in Kanada Platz vier belegt hat.

Hoeneß stockte das erste Hertha-Angebot, das 750 000 Euro betrug, auf rund 1,5 Million Euro auf. Rapid verlangt für Kavlak, der noch bis 2011 Vertrag hat, gut zwei Millionen. Über Zahlen wollte Hoeneß nichts sagen, bestätigte aber "dass wir uns getroffen haben. Es waren ein angenehmes Gespräch." Man habe sich mit den Standpunkten angenähert, "aber nicht geeinigt".

Es mutet schon etwas merkwürdig an. Hertha BSC betreibt seit Jahren eine aufwendige Jugendarbeit. Nun verlassen in diesem Sommer gleich sieben Nachwuchskräfte den Klub: Kevin Boateng (20), Jerome Boateng (18), der vor dem Wechsel zum Hamburger SV steht, Ashkan Dejagah (21/zum VfL Wolfsburg), Christopher Schorch (18/ Real Madrid II. Mannschaft), Nico Pellatz (20/Werder Bremen), Robert Müller (20/Carl Zeiss Jena), Filip Kristic (18/ FC Valencia). Dafür werden auf Wunsch Favres andere, in anderen Vereinen ausgebildete Talente für Millionen-Summen eingekauft.

Klar ist: Mit der finanziellen Sicherheit des Boateng-Wechsels sollen vier bis fünf Profis verpflichtet werden. Der aktuelle Kader ist in allen Mannschaftsteilen zu dünn besetzt. Darauf hat Favre Hoeneß mehrfach hingewiesen. Der hat seinerseits kein Hehl daraus gemacht, gern tätig werden zu wollen - wenn Favre sich denn entscheiden könnte, wen er tatsächlich haben will. Offenbar hat sich Favre entschieden. Gesucht werden ein oder zwei Mittelfeldspieler, zwei Manndecker sowie mindestens ein Stürmer.

Doch Hertha ist im Vergleich zur Konkurrenz spät dran. Die Vorbereitung läuft seit mittlerweile fünf Wochen. In vier Tagen steht das erste Pflichtspiel im DFB-Pokal bei der SpVgg Unterhaching an, in elf Tagen der Start in die Liga bei Eintracht Frankfurt. Die Transferperiode endet am 31 August. Wer auch verpflichtet wird: Hertha startet nicht mit einer eingespielten Mannschaft in die Saison.