Danke, Pauli!

Lutz Teske

Natürlich, ein Fußball-Klub braucht nicht nur Kicker, Emblem und Rasen. Auch Fans. Und vorneweg einen Präsidenten. Die sind meist graumeliert und wohlfrisiert, haben ein Abo bei Douglas. Steigen in Untertürkheimer Autos und mögen gern Blondinen zur Seite. Reden? Sie reden. Meist viel, sagen aber wenig. Präsidenten, eine wirklich eigene Spezies in unserer Fußballkultur. Apropos Kultur. Gehören zur gepflegten Balllandschaft neben solch staubtrockenen Vereinen wie Eintracht Trier oder SpVgg Greuther Fürth nicht auch wirkliche Horte der ausgeflippten Fußball-Fetischisten? Genau, St. Pauli, Vorletzter der Zweiten Liga! Rund um das Heiligengeistfeld feiert ja der ganz normale Wahnsinn per Definition Urständ. Das Auf und Ab ist hier daheim. Und endlich regiert am Millerntor die wahre Kiezkultur - endlich hat Pauli den Präsidenten, den Pauli verdient! Corny Littmann, der 50-jährige Vorsinger des Hamburger Tuntenchors und Boss vom Reeperbahn-Varieté «Tivoli», hat die Regentschaft übernommen. Aber nicht ganz so eisern. Keine Macht für Niemand - Corny, der einst mit Rio Reiser und den Scherben musizierte, will ein echter Fan-Präsi sein. Fußball ist wieder Volkssport, zum Gucken und Fröhlichsein. Nach all den schwarzen Komödien vom Betzenberg kann man zum frisch-frivolen Kontrastprogramm der Braun-Weißen vom Kiez nur noch sagen: Danke, FC St. Pauli!