Energie-Fan per Gerichts-Entscheid

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Carsten Germann

Als Peter P. (Name ist der Redaktion bekannt) im August seine Post öffnete, traute er seinen Augen nicht. Per Einschreiben teilte sein Lieblingsverein FC Energie über Anwälte mit, dass er Stadionverbot habe. Nicht nur in Cottbus. Wo immer bis Juni 2004 ein Spiel in Liga eins, zwei, Regionalliga oder ein Länderspiel stattfinde, der 31-Jährige müsse draußen bleiben. Begründung: Er habe «Presseartikel verfasst und veröffentlicht und sich persönlich schädigend gegen den Verein geäußert». 17 Jahre war Peter P. ein und aus gegangen im Stadion der Freundschaft. Er schaltete einen Anwalt ein, die Bundesarbeitsgemeinschaft der Fanprojekte erklärte sich solidarisch.

Inzwischen ist die Fanehre wieder hergestellt: Das Amtsgericht Cottbus hat das Stadionverbot per einstweiliger Verfügung aufgehoben, womit heute einem Besuch des Heimspiels gegen 1860 München nichts im Wege steht.

Was hatte Peter P. getan? Einen Text für das Fanmagazin «Match live» (Ausgabe 56) geschrieben und sich darin auf das Spiel Anfang Februar gegen Hertha (1:0) bezogen, das Randalierer beider Fanlager mit Rauchbomben, bengalischem Feuer und Leuchtraketen an den Rand des Abbruchs gebracht hatten, weshalb Energie eine Strafe zahlen musste. Im 30-Zeilen-Text (Titel: «Ein Lokalderby und seine Folgen») sei es ihm darum gegangen, so Peter P., «auf Missstände hinzuweisen, die gegen Hertha mal wieder deutlich zu Tage gekommen waren. Mehr nicht.» Tatsächlich schrieb er, dass den «großspurigen Ankündigungen der Sicherheitskräfte, die Lage voll im Griff zu haben, wieder einmal keine Taten folgten». Klubchef Dieter Krein charakterisierte er als Mann, der bekannt sei «für verbale Peinlichkeiten». Thomas Jopke, Anwalt von P., bezeichnet den Text als «Auflistung von dokumentierten Tatsachen» und spricht von «Willkür der Energie-Verantwortlichen». P. sieht sich als «Sündenbock» dafür, dass Energie nach dem Spiel gegen Hertha keinen der Gewalttäter ermitteln konnte. Hatte nicht Krein versprochen, «diese Rotznasen einzeln herauszuprügeln»?

Dumm für Energie, dass der Liga-Vorletzte auch in Sachen Peter P. seine Pläne nicht umsetzen konnte. «Ein bundesweites Stadionverbot kann nur im Zusammenhang mit einer Straftat wie Körperverletzung oder Landfriedensbruch verhängt werden», sagt Jopke. Damit konnte Peter P. nicht dienen.

Auch die Behauptung der Cottbuser, P. habe sich «als Verfasser des Artikels . . . als Angehöriger der Fangruppe ,Inferno' bekannt», erwies sich als falsch. «Inferno Cottbus» hat zwar Stadionverbot, ist aber kein offizieller Fanklub des FC Energie, eine Mitgliederliste gibt es auch nicht. Schließlich mussten die Cottbuser klein beigeben: Peter P. habe «vor Gericht glaubhaft versichert, nicht zu der ,sicherheitsgefährdenden' Gruppierung ,Inferno Cottbus' zu gehören», heißt es in einer Stellungnahme des Klubs. Energie-Pressesprecher Ronny Gersch hatte auch bei einem Treffen mit Fanvertretern eingeräumt, dass das Stadionverbot «unglücklich» und «überzogen» gewesen sei.

Doch die Blitzaktion war kein Einzelfall. Auch andere Fans waren kurzfristig mit Stadionverbot belegt worden. Energie gelobt nun Besserung. «Wir haben aus den Vorkommnissen die richtigen Lehren gezogen», sagt Klubsprecher Ronny Gersch.