Haas siegt und zeigt anschließend Gefühle

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Steve Kramer

Tommy Haas wird für den großen Pete Sampras allmählich zum Angstgegner. Mit dem 7:6 (7:3), 3:6, 7:6 (7:5) im Achtelfinale von Toronto feierte Haas seinen dritten Sieg in Folge gegen den siebenmaligen Wimbledon-Champion. Während sich Haas auf sein Viertelfinalspiel gegen den Franzosen Fabrice Santoro vorbereitete, packte Sampras enttäuscht seine Koffer: «Ich habe in dem ganzen Match nicht einmal meinen Aufschlag verloren und bin trotzdem raus. Ich möchte endlich wieder an den Punkt kommen, an dem ich diese engen Matches gewinne.»

Haas gab ungewohnt tiefe Einblicke in sein Gefühlsleben. «Meine Gedanken sind etwas wirr, ich fühle mich hin- und hergerissen», gestand er nach seinem Coup gegen Sampras. Immer wieder beschäftigen ihn die traumatischen Bilder von dem schweren Motorradunfall seiner Eltern, der seinen Vater Peter fast das Leben gekostet hätte.

«Meinem Vater habe ich alles zu verdanken, er hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin», sagte Haas: «Und ausgerechnet er hat jetzt ein schlechtes Gewissen, weil ich seinetwegen wochenlang nicht gespielt habe. Aber ich konnte ihn doch nicht alleine da im Krankenhaus lassen. Jetzt habe ich wieder Schuldgefühle, weil er meinetwegen ein schlechtes Gewissen hat.» Trotz dieser psychischen Belastung machte Haas gegen Sampras ein ausgezeichnetes Match und verlängerte die sportliche Durststrecke des einst weltbesten Spielers, der seit Wimbledon 2000 kein Turnier mehr gewonnen hat.

Trotz aller Rückschläge möchte Sampras die Tour nicht einfach so durch den Hinterausgang verlassen. «Ich habe das Gefühl, dass es noch einen ganz großen Moment für mich geben wird», sagte der Amerikaner wenige Tage vor seinem 31. Geburtstag: «Wenn ich jetzt aufhören würde, hätte ich das Gefühl, dass es nicht rund ist. Noch fehlt mir etwas.»

Haas ist jedenfalls sicher, dass Sampras noch nicht am Ende des Weges ist: «Er spielt im Moment zwar nicht sein bestes Tennis, aber er wird spätestens bei den US Open wieder ein ganz gefährlicher Gegner für jeden sein.»

Derweil sorgt ein anderer Spieler weiter für Furore, dessen Name vor Jahresfrist allenfalls Insidern bekannt war. Wimbledonfinalist David Nalbandian, der blonde Argentinier mit armenischen Vorfahren, erreichte durch ein 4:6, 7:6 (9:7), 7:5 gegen den Briten Tim Henman das Viertelfinale. sid