Hertha BSC

Wowereit lehnt Stadionumbau ab

"Politik ist die Kunst des Möglichen", philosophierte vor vielen Jahren Otto von Bismarck. Und hätte der erste Reichskanzler des Deutschen Reiches ahnen können, welche Debatte schon Pläne für eine Machbarkeitsstudie eines neuen Stadions in Berlin auslösen können, dann hätte er wohl ergänzt: "Und Fußball auch."

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Am Mittwoch hat sich nun erstmals der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit zu dem Gedankenspiel geäußert, welches die Verantwortlichen von Hertha BSC derzeit umtreibt. "Wenn Hertha genügend Geld hat, weil sie sportlich so erfolgreich sind, können sie sich gern ein eigenes Stadion bauen. Staatliches Geld wird es dafür aber nicht geben", sagte der Politiker bei einer Podiumsdiskussion vor Mitgliedern des Wirtschaftsklubs VBKI. Auch einen Umbau des Olympiastadions zu einem reinen Fußballstadion werde es nicht geben: "Wir bekennen uns zur Leichtathletik und werden, obwohl wir Hertha lieben, die schöne blaue Laufbahn nicht rausreißen."

Flirt mit Brandenburg

Überrascht ist man bei dem Bundesligisten angesichts solcher Äußerungen nicht. Es sei klar, dass sich der Regierende Bürgermeister zu diesem Zeitpunkt so äußere, sagte Manager Dieter Hoeneß. Es gebe aus der Politik "aber auch andere Stimmen". Und die kommen aus Brandenburg: "Dort würde man uns mit offenen Armen empfangen." Offenbar erwägt der Verein, der in den kommenden Monaten eine Machbarkeitsstudie in Auftrag geben möchte, auch einen Standort vor den Toren Berlins.

Doch mehr als eine Drohkulisse ist das wohl kaum, schließlich ist die bessere Erreichbarkeit eines der zentralen Argumente für einen Stadionneubau. Und so betont Hoeneß, dass man nach Abschluss der Machbarkeitsstudie sehr wohl das Gespräch mit Senat und Regierendem Bürgermeister suchen werde, "dann haben wir schließlich eine Entscheidungsgrundlage". Denn auch wenn der Verein mithilfe eines Investors ein solch großes Projekt tragen und die Baukosten allein finanzieren könnte, können je nach Standort Investitionen für die umliegende Infrastruktur fällig werden. Nicht umsonst lobt Hoeneß bei diesem Thema unermüdlich die "sehr guten Beziehungen" zum Senat.

Gestörtes Mietverhältnis

Anders ist es dagegen um das Verhältnis mit der Betreibergesellschaft des Olympiastadions bestellt. Dort verzichtete man auf ein Gratulationsschreiben an Hertha BSC, nachdem der Verein die Gruppenphase im Uefa-Cup erreicht hatte. Für Hoeneß ist das "ein in der Privatwirtschaft undenkbarer Vorgang". Tatsächlich bedeuten die beiden Heimspiele gegen Benfica Lissabon (23.10.) und Galatasaray Istanbul (3. oder 4.12.), für die am Montag der Vorverkauf beginnt, für die Gesellschaft Mieteinnahmen von garantiert 350 000 Euro. Bei über 50 000 Zuschauern gibt es sogar noch einen weiteren Aufpreis.

"Es fehlt mir manchmal das Bewusstsein, dass Erfolg von Hertha BSC gut für die ganze Stadt ist", sagte Hoeneß. Eine Gemeinsamkeit hat er mit Klaus Wowereit - der eine kämpft gegen Politikverdrossenheit, der andere gegen jede Form von Hertha-Verdrossenheit in der Stadt.