Christoph Daum kann sich nicht entscheiden

Zumindest kulinarisch verlief die Versorgung rührend. Am Morgen reichte der Gärtner von Christoph Daum Kaffee und Hanuta.

Zumindest kulinarisch verlief die Versorgung rührend. Am Morgen reichte der Gärtner von Christoph Daum Kaffee und Hanuta. Später kam der von Ehefrau Angelika Camm bestellte Pizzalieferant, um den Hunger der wartenden Journalistenschar zu stillen. Hätte das seltsam anmutende Szenario nicht vor dem Haus des Fußballtrainers in Köln-Hahnwald stattgefunden, hätte man den Eindruck haben können, hier handele es sich um einen Betriebsausflug des Gewerkschaftsverbandes Niederrhein.

Die Ursache für die Medienansammlung am Mittwoch vor dem Daumschen Domizil war ganz banaler Natur: Es geht um die Klärung der Frage, ob der Trainer dem just in die Bundesliga geführten 1. FC Köln treu bleiben oder abtrünnig werden würde. Der Protagonist hatte Spekulationen freien Raum gelassen, weil er zuletzt fast im Tagesrhythmus seine Meinung geändert und dies jeweils öffentlich kundgetan hatte. Aufgescheuchte Fans wollten den Übungsleiter daher noch beeinflussen. Doch ihr eilends an den gegenüberliegenden Zaun drapiertes Plakat mit der Aufschrift "Daum, bitte bleib!" wurde von genervten Nachbarn ebenso rasch wieder abgehängt.

Zweimal im Jahr kann Daum aussteigen

Im Villenviertel erzürnt das regelmäßige Journalistenaufkommen die Anwohner inzwischen gewaltig. Seitdem Daum im November 2006 zum Fußballklub zurückgekehrt ist, hält er dank einer fragwürdigen Vertragsklausel in Abständen Hof, um über seine Zukunft zu berichten. Aus seinem bis 2010 gültigen Vertrag kann er dank einer Klausel bis zum 30. Juni oder 31. Dezember eines jeden Jahres aussteigen, weshalb die Verkündung stets zum Medienereignis wird.

Längst fügt sich das Prozedere ins Kuriositätenkabinett des Kölner Klubs, das in dieser Saison um einige Anekdoten bereichert worden ist. Immer wieder lag der streitbare Trainer mit Manager Michael Meier über Kreuz. Auch Präsident Wolfgang Overath wandte sich zeitweise ab vom einstigen Wunschtrainer. Auch, weil dessen sportliche Kompetenz ins Wanken geriet. Nach dem schmeichelhaften 2:2 beim SC Paderborn im April war Vizepräsident Jürgen Glowacz mit Daum wegen dessen Taktik hart ins Gericht gegangen. Der Trainer hatte Abwehrchef Kevin McKenna in den Angriff beordert und Nationalstürmer Patrick Helmes auf die Rechtsaußenposition verschoben. "Mit so einer Taktik geht es nicht. Der Junge wird da vorn hingestellt, aber der kann da nicht spielen", zürnte Glowacz. Es war ein Weckruf. Mit neuer Taktik holte Daum 16 Punkte aus sechs Spielen und verhalf dem FC zum vierten Bundesligaaufstieg der Klubhistorie.

Trotzdem verhandelte Manager Meier angesichts der selbst zu verantwortenden Klausel im Trainervertrag mit Nachfolgekandidat Jürgen Klopp - ohne Daum einzuweihen. Der Gehörnte zeigte sich erbost, kündigte nach dem Aufstieg seinen Abschied an, dann seinen Verbleib und schließlich wieder seinen Abschied. Gestern wollte sich der Wankelmütige endgültig entscheiden. Doch bis Redaktionsschluss dieser Ausgabe trat er nicht vor die Tür seiner Villa . . .