Neue Freude am Sport

Vor etwa fünf Monaten kam Horst Schmitz ins Grübeln: Er war gerade 40 Jahre alt geworden, die vier Kinder, zwischen sechs und 13 Jahre alt, sind aus dem Gröbsten raus, "das Haus in Bad Bergzabern ist abbezahlt" - und so fragte sich der ehemalige Basketball-Nationalspieler: "Was macht mir richtig Spaß?" Die Antwort fiel ihm leicht: Basketball spielen. "Irgendwie lässt mich das nicht los."

Und so kommt es, dass Schmitz heute Nachmittag (Beginn 15 Uhr) mit dem Bundesliga-Aufsteiger BG Iceline Karlsruhe zum Spiel gegen Alba Berlin in die Max-Schmeling-Halle kommt. Ob der älteste Spieler der Liga auch wirklich zum Einsatz kommen wird, ist allerdings fraglich. "Ich bin nur ein Notnagel", sagt er lachend und redet damit seine Rolle im Team klein. Denn der Routinier ist nicht nur Stand-by-Spieler, sondern unter Cheftrainer Ivan Vojtko auch zuständig für Video-Analysen und damit für die Vorbereitung der Mannschaft auf den Gegner.

Auf jeden Fall wird Schmitz heute einige alte Bekannte begrüßen können, die er lange nicht mehr gesehen hat. Denn der gebürtige Pfälzer spielte einst in Berlin. Verdammt lang her: Von 1988 bis 1991 trug er drei Jahre lang das Trikot des Vereins, der sich während dieser Zeit erst DTV Charlottenburg und dann BG Charlottenburg nannte. Nachdem er mit Leverkusen vier deutsche Meistertitel geholt hatte, war er dem Ruf aus Berlin gefolgt. "Eine prägende Zeit" im "Schmelztiegel von Nationalitäten" sei es gewesen, erinnert er sich. Vor allem die letzte Saison ist ihm noch präsent, als das Team mit Trainer Faruk Kulenovic und Spielern wie Zoran Radovic, Calvin Oldham, Sven Meyer oder Matthias Strauß erst im Finale an Bayer scheiterte. Als einen Spieler, "der mehr vom Kopf als von der Athletik gelebt hat", hat der heutige Alba-Vizepräsident Marco Baldi Schmitz in Erinnerung. Baldi fing gegen Ende von Schmitz' Engagement an, im BG-Management zu arbeiten. Der 1,90 m große Schmidt war als Spielmacher der Stratege auf dem Feld. Ein etwas anderer Profi, der Esoterik zugeneigt und Veganer.

1991 zog es ihn wieder in die Heimat zurück, er spielte noch ein Jahr in der 2. Bundesliga bei Speyer, "danach kam die große Pause". Familie und Beruf hatten Vorrang. Inzwischen ist er freier Handelsvertreter für die Bausparkasse Wüstenrot. "1000 Kunden, 1600 Verträge - es läuft nicht schlecht", erzählt er nicht ohne Stolz. Doch dem Basketball blieb er über den TSV Bad Bergzabern verbunden, bei dem er als Jugendtrainer und im Oberliga-Team als Spieler aktiv war.

Als im vergangenen Sommer sein sportlicher Ziehsohn, der 23-jährige Spielmacher Rouven Roessler, von Bergzabern nach Karlsruhe wechselte, kam die Frage auf, ob nicht auch Schmitz kommen wolle. Und er wollte. Der Oldie machte das komplette Trainingsprogramm vor Saisonbeginn mit. "Die Pfunde wurden von der Bauchmitte in Richtung Beine verlagert", spöttelt Schmitz. In den Vorbereitungsspielen der BG war er auch im Einsatz. "Ich konnte mithalten."

Dass er in den bisherigen acht Bundesliga-Spielen seines Klubs lediglich auf der Bank saß, ist kein Problem. "Ich bin da nicht sauer oder enttäuscht." Er weiß um seine Rolle. Er soll seine Erfahrung an die Jüngeren weitergeben. "Mein Hauptstandbein ist inzwischen der Job", erklärt Schmitz. "Sportlich habe ich meins schon gehabt: Meisterschaften, Nationalmannschaft, Europapokal . . ."

Nun stünden eben andere in der ersten Reihe - und für ihn gilt: "Ich habe jetzt eine ganz andere, eine neue Freude am Sport."