Fußball

Hertha holt Voronin zum Nulltarif

Einen spektakulären Zugang unmittelbar vor Ende der Transferfrist vermeldet Hertha BSC. Der Fußball-Bundesligist leiht für ein Jahr Andrey Voronin (29) vom FC Liverpool aus.

Für den Hauptstadt-Klub ist der Deal ein Coup. Voronin ist 54-facher Nationalspieler der Ukraine und WM-Teilnehmer von 2006. Einen Spieler vom englischen Rekordmeister haben die Berliner noch nie verpflichtet.

Manager Dieter Hoeneß war hochzufrieden: "Wir haben uns für Andrey entschieden, weil er die Bundesliga kennt, deutsch spricht und verschiedene taktische System spielen kann." Ein weiterer Punkt pro für Voronin: "Andrey hat bei Bayer Leverkusen und in Liverpool bewiesen, dass er unter Druck Leistung bringen kann."

Der Ukrainer war erst im vergangenen Sommer von Bayer Leverkusen zum Champions-League-Sieger von 2005 gewechselt. Seine Bilanz von 27 Einsätzen mit sechs Toren reichte dort allerdings nicht. "Voronin hat es bisher nicht vermocht, sich in der Startelf zu etablieren. Deshalb nimmt er die Chance wahr, in der kommenden Saison in der Bundesliga zu spielen", hieß es auf der Internet-Seite des FC Liverpool.

Rückblick: Die letzten Zweifel, ob Hertha Verstärkungen im Kader benötigen, hatte der Auftritt beim FC Bayern beseitigt. 1:4 unterlagen die Berliner, das Resultat drückt nicht einmal den tatsächlichen Unterschied zwischen den Teams aus. Vor dem Rückflug vom Franz-Josef-Strauß-Flughafen diskutierten Hoeneß, Trainer Lucien Favre, Cotrainer Harald Gämperle und Michael Preetz, Leiter der Lizenzspieler-Abteilung, im Terminal 2 intensiv.

Nach der Verletzung von Amine Chermiti in der Vorwoche (Innenbandriss am linken Knie, zehn Wochen Pause) sowie der Formkrise von Valeri Domovchiyski war klar: Hertha braucht einen zusätzlichen Stürmer.

Vor Wochen hatte Hoeneß in Liverpool nach Voronin gefragt. Damals antwortete der Champions-League-Sieger von 2005: Wir reden nur über einen Verkauf, Größenordnung sechs Millionen Euro - Hoeneß winkte ab. Am Sonntag kam Bewegung in die Angelegenheit. Liverpool brauchte einen freien Platz im Sturm. Für 24 Millionen Euro war Stürmer Robbie Keane von Tottenham geholt worden. Zudem stehen Spaniens EM-Held Fernando Torres sowie die Holländer Dirk Kuyt und Ryan Babel vor Voronin.

Liverpool zögerte lange. Erst um 11.43 Uhr kam das Papier, auf das Hertha sehnlichst wartete. Um 12 Uhr schließt bei der DFL die Transferliste. Die Verantwortlichen hatten noch einmal Schweißperlen auf der Stirn, weil es bei den Faxgeräten der DFL einen Stau gab, so viele Vereine waren noch unterwegs. Doch im letzten Moment ging das Papier bei der DFL ein.

Die Konditionen sind erstaunlich günstig. Hertha zahlt für Voronin weder eine Kauf- noch eine Leihgebühr! Auch das Gehalt ist, gemessen daran, dass Voronin von einem Topklub der Premier League kommt, moderat. Dem Vernehmen nach beläuft es sich auf 1,8 Millionen Euro. Gut möglich, dass der FC Liverpool da noch etwas zuzahlt.

Die Gespräche mit Voronin waren für Hertha unproblematisch. Der Stürmer brauchte nicht mal nach Berlin zu kommen. Er ist gestern direkt zur ukrainischen Nationalmannschaft nach Kiew gereist. Trainer Favre sagte: "Ich bin zufrieden. Damit haben wir in unserem jungen Team noch einen erfahrenen Angreifer."

Nachtsitzung über Conca

Damit ist der Transfer von Felipe Caicedo (19) von Manchester City hinfällig. Der bullige Stürmer aus Ekuador war der Ersatzkandidat, falls mit Voronin etwas schief gegangen wäre - der wurde nun nicht mehr benötigt.

Nach der Rückkehr Sonntagnacht aus München hatten die Hertha-Verantwortlichen bis um drei Uhr früh den letzten Tag der Transferperiode vorbereitet. Sogar Dario Conca war noch mal ein Thema. Herthas Verbindungsmann in Rio fragte erneut bei Fluminense Rio de Janeiro an, ob der Argentinier zum Verkauf stehe. In Deutschland war es früher Morgen, als die negative Botschaft aus Rio kam: Fluminense will Conca behalten.

Bei Hertha wissen sie, dass ein kreativer Mittelfeldspieler benötigt wird. Also hatte der Bundesligist den Rumänen Alexandru Paul Curtean (21), Mittelfeldspieler von Metan Metarc, mittags auf die DFL-Liste setzen lassen. Ob diese Verpflichtung zustande kommt, war bei Redaktionsschluss dieser Ausgabe offen. Finanziell können sich die Berliner die Transfers leisten. Bisher wurden 5,5 Millionen Euro für Neue ausgegeben. Das ursprüngliche Budget für Transferausgaben (neun Millionen) hat sich vergrößert, da Hertha die zweite Runde im DFB-Pokal sowie den Uefa-Cup erreicht hat. Zusätzlich gab es 1,4 Mio. von Saturn Ramenskoje für Solomon Okoronkwo.