Ruta Budiene - die Nummer eins bei 3 B

Kürzlich hat Ruta Budiene in ihrer Heimatstadt Kaunas eine große Party erlebt. Die Basketballer Litauens waren Europameister geworden, und das kleine Land feierte. Tagelang. "Das war unglaublich, ein tolles Fest", sagt die 26-Jährige. Jeder in Litauen kennt die Namen der EM-Helden von Schweden, Basketball ist Nationalsport. Und wer kennt Ruta Budiene?

"Autogramme muss ich nicht schreiben", sagt sie, "aber wer sich für Sport interessiert, der kennt meinen Namen schon." Immerhin wurde sie mit 14 Jahren erstmals litauische Meisterin im Tischtennis - und seitdem weitere elf Mal. Hinzu kamen 17 Titel im Damen- und im gemischten Doppel. Erfolge, die bei der Familiengeschichte Ruta Budienes nicht überraschen. Ihre Mutter Roma Garkauskiene ist litauische Nationaltrainerin, Vater Algis Garkauskas ebenfalls Tischtennistrainer. Keine Frage, wo Ruta Budiene einen großen Teil ihrer Kindheit verbrachte.

Ihre Fähigkeiten sprachen sich schnell herum. Mit 17 verließ die Offensivspielerin die Heimat und heuerte bei einem Verein in Brno/Tschechien an. Nach zwei Jahren wechselte sie zum TTC Assenheim in die Bundesliga. Als der Klub eine Saison später pleite war, kam sie nach Berlin. Und bei 3 B spielt Ruta Budiene nun bereits seit 1998.

Mit wachsendem Erfolg. Im unteren Paarkreuz begann sie, inzwischen hat sie sich als Nummer eins etabliert, hat Ran Li, Veronika Pawlowitsch und Irina Palina hinter sich gelassen. Obwohl sie nebenher in Kaunas ein Studium absolvierte und nun diplomierte Sportlehrerin und Tischtennis-Trainerin ist. Sie war sogar Jahrgangsbeste an ihrer Universität. 3 B-Manager Rainer Lotsch ist derart von seiner bescheidenen wie fleißigen Spitzenkraft begeistert, dass er sagt: "Ruta kann bei uns so lange bleiben, wie sie erstligareif ist." Und fügt hinzu: "Das wird noch sehr lange der Fall sein." In der Welt- (Position 59) und in der Europa-Rangliste (15) ist die Litauerin so gut platziert wie nie zuvor. Tendenz steigend.

Trotzdem läuft derzeit nicht alles nach Wunsch. Bei EM und WM scheiterte Budiene nach starken Vorstellungen sehr unglücklich. In den ersten vier Bundesliga-Saisonspielen verlor sie von ihren sieben Einzeln vier. "Die Nummer eins zu sein, ist vielleicht etwas anderes", schwant ihr, "ich trage jetzt mehr Verantwortung für meine Mannschaft." 3 B startete insgesamt nicht so in die Saison, wie das Team es selbst erwartet hatte. Gegen schwächere Teams wurde zwar gewonnen, gegen den FSV Kroppach nach einer enttäuschenden Leistung dagegen 3:6 verloren. Am Sonntag (11 Uhr, Saefkow-Halle) gegen Tabellenführer Langweid stehen die Damen bereits unter Druck. Aber nicht nur die Nummer eins, wie Lotsch betont: "Sie bewertet das über. Die Mädchen machen sich manchmal falsche Vorstellungen."

Noch etwas anderes trübt den Blick in die nahe Zukunft. Ruta Budienes Ehemann Gedes Buda hat sein Studium der Finanzwissenschaft an der Humboldt-Universität beendet, nun droht ihm, dass er nicht in Deutschland bleiben kann, sondern nach Litauen zurückkehren muss. "Das hat Ruta belastet", weiß Lotsch. An einer Lösung des Problems wird gearbeitet.

Sollte es sich nicht lösen lassen, will sie auf jeden Fall ihrem Mann in die Heimat folgen. Was natürlich nicht ausschließt, dass sie weiter für 3 B in der Bundesliga antritt und immer zu den Spielen anreist, denn "ich bin sehr zufrieden hier. Ich mag die Mannschaft und vom Verein wird uns alles abgenommen". Aber eines ist nach fast zehn Jahren als Tischtennis-Reisende sowieso klar für Ruta Budiene: "Ich weiß, dass ich nach Hause zurückkehren will."