Post aus Peking

Nicht ins Gold beißen

Dem Sport wird von feingeistigen Menschen gerne vorgehalten, er sei nicht tiefsinnig genug, zuweilen stilunsicher. Ja, gut. Ist etwas dran. Die meisten Athleten, die in Peking eine Medaille gewinnen, standen nie derart in der Öffentlichkeit.

Glückstrunken und adrenalindurchwirkt nehmen sie den verdienten Lohn in Empfang. Und dann passiert etwas, was im richtigen Leben kaum vorkäme, sie beißen tatsächlich auf ihre Medaille. Zwischen die Zähne schieben, grinsen, den Akt des Zubeißens simulieren - jedes Mal ist es das gleiche Spiel. Wenn die Sieger dies einmal nicht tun, rufen die Fotografen unerbittlich: "Please, bite!" Dann geht der Blödsinn von vorne los.

Früher haben erfahrene Händler auf Gold gebissen, um die Weichheit und Echtheit des Metalls zu prüfen. Das ist - psst, nicht weitersagen, - bei Olympia unnötig, weil der veräußerbare Wert des Metalls voraussichtlich nie zur Debatte steht.

Die Geste ist einfach albern. Medienschnickschnack. Politiker beißen für Fotos nicht in ihre Krawatten, Rennfahrer würden kaum auf ihren Autoschlüsseln herumkauen. Allgemeine Verwunderung wäre sonst die Folge. Lehrlinge oder Hochschulabsolventen, die Zeugnisse in den Mund schieben? Undenkbar. Tun Topmanager so, als würden sie ihre Blackberrys essen? Nein, nein, nein. Also, liebe Olympiasieger, bitte haltet euch an eine schlichte Medaillen-Regel: Anfassen geht in Ordnung, küssen auch. Reinbeißen ist nicht okay. Weniger Drama.