Der Kleine war der Stillere

Sommer 1972. Am Schubart-Gymnasium zu Ulm macht Dieter Hoeneß ein Jahr nach seinem älteren Bruder Uli sein Abitur. Die Lehrer von damals sind teilweise noch heute dort beschäftigt. Stolz überkommt sie, wenn sie an ihre prominenten Schüler zurückdenken.

«Es ist schon beeindruckend, was aus dem Dieter und auch seinem Bruder Uli geworden ist», sagt Werner Floer. Der 56-Jährige ist am Schubart-Gymnasium Lehrer für Latein. Ein Jahr hatte er Dieter Hoeneß unter seinen Fittichen, ehe der heutige Manager von Hertha BSC den Kurs vorzeitig beendete.

«Dieter war immer der Stillere von den beiden Brüdern», sagt Floer, «er war sehr zurückhaltend, nicht so präsent wie der Uli, der immer vorneweg war bei allem.» So auch, als damals am Schubart-Gymnasium der Schulsprecher eingeführt wurde. «Der Uli hat sich gleich dafür gemeldet», erzählt Werner Floer, «für Dieter stand es gar nicht zur Debatte.»

Noch heute, mehr als 30 Jahre nachdem die Hoeneß-Brüder die Schule verlassen haben, sind sie dort ab und an ein Thema. «Ich erwähne oft den Namen vom Dieter», sagt Kraftotto Steinle, der Hoeneß in Sport unterrichtete. «Schaut her, sage ich, was aus einem werden kann.» Sportlich gesehen, so findet der 57-jährige, «war Dieter das Highlight, das unser Gymnasium je hervorgebracht hat.»

Werner Floer findet es bewundernswert, was Dieter Hoeneß in seiner Manager-Karriere vor allem in der Hauptstadt bewegt hat. «Hertha BSC ist mittlerweile eine gute Adresse. Und daran hat der Dieter mit Sicherheit einen großen Anteil.» Als «sehr, sehr positiv» bewertet der Latein-Lehrer die Entwicklung, die Dieter Hoeneß genommen hat. «Ich freue mich, wenn ich ihn zum Beispiel bei Fernsehauftritten sehe - wie er da so seinen Mann steht, das hat schon was. Er kommt sehr angenehm rüber, vielleicht manchmal im Gegensatz zu seinem Bruder Uli.»