Albas Pokalgegner: Litauen an der Nordsee

Burkhardt Prigge ist beim deutschen Basketball-Meister Alba Berlin der Mann für die nüchternen Analysen. Wenn während des Spiels die Emotionen hochkochen und auf der Ersatzbank mitgefiebert wird, behält er die Contenance.

Umso überraschender, wenn Prigge vor dem Pokal-Achtelfinale morgen bei Zweitligist BSG Bremerhaven sagt: "Natürlich ist das für mich privat ein besonderes Spiel." Denn Prigge wuchs in Bremerhaven auf und begann dort mit dem Basketballspielen. Nun kehrt er zum ersten Mal mit dem Alba-Team, für das er seit fast zehn Jahren arbeitet, in die alte Heimat zurück. Auch für den sachlichen Prigge kein Spiel wie jedes andere.

Trotzdem sieht sich Prigge nicht als Experte: "Zwar kenne ich die Mannschaft und beobachte die Entwicklung weiter mit einem Auge. Aber über jeden Bundesligisten weiß ich besser Bescheid, weil wir öfter gegeneinander spielen." Trotzdem kennt er die Besonderheit des Tabellendritten der 2. Bundesliga Nord: Während viele Klubs Spieler aus dem ehemaligen Jugoslawien oder den USA verpflichten, wird bei den "Eisbären" auf die baltische Karte gesetzt. Seit Trainer Sarunas Sakalauskas (Alba spielte vor zwei Jahren in der SuproLeague gegen sein damaliges Team Vilnius) im Sommer 2001 in die Hafenstadt kam, baute er eine Kooperation mit Europaligist Zalgiris Kaunas auf und holte mit Andrius Lepinaitis, Dainius Miliunas, Audrius Stasaitis und Paulius Staskunas vier litauische Spieler an die Nordsee. Kaunas, das fast alle Jugend-Nationalspieler des Landes unter Vertrag hat, bezahlt sie weiter. In Bremerhaven erhalten sie dafür eine Ausbildung und sammeln Spielpraxis. Für Manager Jan Rathjen "eine Zusammenarbeit, von der beide Seiten profitieren".

Und die immer weitere Kreise zieht. Ende Januar kamen drei 17-jährige Nachwuchstalente aus Lettland für eine Woche zum Probetraining, weil sich das Bremerhavener Programm im Baltikum herumgesprochen hat. Und das ist ganz im Sinne von Rathjen: "Das sind sicher keine Spieler, die uns in der nächsten Saison weiterhelfen. Aber für uns ist es wichtig, unsere Kontakte auszuweiten." Denn der Vertrag mit Sakalauskas endet im Sommer 2004. Bis dahin will der ambitionierte Klub, für den auch Topscorer Marcus Wilson und Ex-Bundesliga-Spieler Sean Schiano auflaufen, aufgestiegen sein - durch die Aufstockung um zwei Klubs vielleicht schon dieses Jahr.

Trotz des Erfolgs sieht Prigge dieses Konzept kritisch: "Der Trainer nutzt eben seine Kontakte. Die Regel erlaubt, in der 2. Bundesliga unbegrenzt Nicht-EU-Ausländer einzusetzen, und noch ist Litauen nicht beigetreten. Wenn man mit deutschen Spielern Erfolg haben will, wie bei TuSLi oder in Rhöndorf, braucht man mehr Geduld."

Trotzdem schlug Alba, das morgen auf den am Knie verletzten Jovo Stanojevic verzichten muss, vor der Saison ohne seine Nationalspieler Bremerhaven in einem Testspiel mit 76:63. Doch deshalb dürfe man sich nicht zu sicher fühlen, warnt Rückkehrer Prigge: "In der Bundesliga ist unser Auftritt für alle Klubs das Spiel des Jahres. Für Bremerhaven ist es das Spiel des Jahrzehnts."