EU

So verlief der Poker zwischen Athen und den Geldgebern

Im Ringen um eine Lösung für Griechenlands Schuldenkrise haben sich die Ereignisse in den vergangenen Tagen überschlagen. Ein Rückblick:

24. Juni Ein Treffen der Eurogruppe, das den Durchbruch bringen sollte, wird am Abend nach 90 Minuten ergebnislos vertagt. Die Geldgeber erwarten konkretere Sparvorschläge aus Athen.

25. Juni Das nächste Treffen der Euro-Finanzminister geht ebenfalls ohne Ergebnis zu Ende. Die Staats- und Regierungschefs erhöhen bei ihrem Gipfel den Druck auf die griechische Regierung.

26. Juni Bundeskanzlerin Angela Merkel fordert Athen auf, das „außergewöhnlich großzügige Angebot“ der Geldgeber anzunehmen. Tsipras warnt vor „Erpressung und Ultimaten“.

27. Juni Kurz vor dem entscheidenden Treffen der Eurogruppe kündigt Tsipras überraschend ein Referendum über das Sparpaket an und wirbt zugleich für ein negatives Votum. Die verärgerten Euro-Finanzminister erklären die Verhandlungen für gescheitert.

28. Juni Die Europäische Zentralbank friert die Notkredite für griechische Banken auf dem aktuellen Stand ein. Athen kündigt Kapitalverkehrskontrollen an, die Banken bleiben vorerst geschlossen.

29. Juni Tsipras bittet die EU vergeblich, das am Folgetag auslaufende Hilfsprogramm „um ein paar Tage“ zu verlängern. Am Abend wird bekannt, dass Athen die fällige Rate von rund 1,5 Milliarden Euro an den Internationalen Währungsfonds nicht zurückzahlt.

30. Juni Kurz vor dem Auslaufen des zweiten Hilfspakets bittet Athen um ein drittes Hilfsprogramm unter dem Euro-Rettungsschirm ESM. Er sei zudem bereit, die wichtigsten Bedingungen der Geldgeber zu erfüllen, erklärt Tsipras.

1. Juli Tsipras ruft die Griechen erneut dazu auf, die Forderungen der Geldgeber abzulehnen. Die Eurogruppe vertagt ihre Beratungen über den Hilfsantrag auf die Zeit nach dem Referendum.

2. Juli Finanzminister Janis Varoufakis kündigt seinen Rücktritt für den Fall an, dass die Griechen die Sparforderungen der Geldgeber akzeptieren sollten.

3. Juli Das höchste griechische Verwaltungsgericht erklärt die umstrittene Volksabstimmung für rechtens. Jeweils Tausende Griechen demonstrieren in Athen für ein Ja und ein Nein bei dem Referendum.

5. Juli Nach Ansicht des Ministerpräsidenten Tsipras werden durch das Referendum über die Reformvorschläge der Gläubiger Angst und Ultimaten besiegt. Die Abstimmung sende die Botschaft, dass die Griechen ein vereinigtes Europa annähmen, aber in Würde leben wollten, hatte Tsipras am Sonntag nach Abgabe seiner Stimme gesagt. Das Referendum zeige, dass die Griechen das Recht hätten, ihre eigene Zukunft zu wählen. Auch wenn viele Griechen eine andere Wahl als die Regierung treffen könnten, könne niemand den Willen der Menschen ignorieren, ihr Leben in die eigenen Hände zu nehmen, sagte Tsipras, der auf einen Sieg der Nein-Kampagne setzte. Er erhofft sich so eine stärkere Position und Chancen auf einen besseren Deal bei den Schuldengesprächen mit den Gläubigern. Die griechische Opposition warf Tsipras hingegen vor, die Mitgliedschaft des Landes in der EU zu gefährden.