Schuldendrama

Aktienkurse brechen ein

Größter Kursrutsch seit dreieinhalb Jahren beim Dax. Der Euro erholt sich im Tagesverlauf wieder

Das Scheitern der Schuldenverhandlungen mit Griechenland hat die Kapitalmärkte am Montag in Turbulenzen gestürzt. Die Furcht der Anleger vor einer bevorstehenden Staatspleite des Euro-Landes drückte den Deutschen Aktienindex Dax um bis zu 4,6 Prozent ins Minus. Das ist der größte Kursrutsch seit dreieinhalb Jahren. Zuvor hatten bereits die asiatischen Börsen deutliche Verluste verzeichnet. Der japanische Nikkei brach um drei Prozent ein, am chinesischen Markt ging es um fast vier Prozent nach unten. Insgesamt wurde an globalen Märkten ein rechnerischer Wert von 1400 Milliarden Dollar vernichtet.

Mit zunehmender Handelsdauer wich jedoch die Angst bei den Anlegern und die Indizes konnten ihre Verluste zunächst eingrenzen, zumal die US-Börsen nur mit einem leichten Minus eröffneten. Dennoch schloss der Dax 3,56 Prozent im Minus. „Es gibt keine Anzeichen von Panik“, sagte Frank Engels, Rentenfondsmanager von Union Investment. Der Dax notierte am Nachmittag noch gut zwei Prozent tiefer. „Wir sehen Marktturbulenzen als Einstiegschancen“, sagte Asoka Wöhrmann, Chefanleger der Vermögensverwaltungstochter der Deutschen Bank. Auch Marktanalyst Heino Ruland von Ruland Research äußerte sich verhalten optimistisch. Er gehe davon aus, dass sich die Griechen bei dem Referendum für eine Annahme der Reformvorschläge aussprechen und damit der Regierung einen klaren Sanierungsauftrag erteilen werden. Dies sei vielleicht sogar ohne Ausscheiden Griechenlands aus der Euro-Zone möglich. Allerdings hatte die Wende im Schuldenstreit die Märkte ebenso unerwartet getroffen wie vorher die Politik. Keiner der hoch bezahlten Investmentstrategen hatte die Volksabstimmung auf dem Radar, die der griechische Premier Alexis Tsipras über die Reformvorschläge der Gläubiger von Euro-Zone, Internationalem Währungsfonds (IWF) und EU-Kommission angekündigt hatte.

Nach dem Abbruch der Schuldengespräche geht Griechenland das Geld aus. Am Montagabend kündigte Tsipras an, Griechenland werde die am heutigen Dienstag fällige IWF-Kreditrate von knapp 1,6 Milliarden Euro nicht bezahlen. Um einen Ansturm der Griechen auf die Banken zu verhindern, bleiben diese ebenso wie die Börse in Athen bis zur Volksabstimmung kommenden Sonntag geschlossen. Dort waren die Kurse bereits in den vergangenen Wochen abgesackt. Zudem hat die Regierung den Transfer von Geld aus dem Land heraus drastisch eingeschränkt.

Zu einem Ausverkauf kam es bei Griechenland-Anleihen. Die Rendite der zehnjährigen Papiere stieg um 3,7 Prozentpunkte auf 14,55 Prozent – das größte Plus seit mindestens 1998 und eine Folge fallender Preise. Die Akteure fürchten, dass Griechenland bald bankrott ist.

Die Angst vor einem Überschwappen der Krise auf andere hoch verschuldete Staaten wie Italien oder Spanien setzte den Börsen dort zu. Die Leitindizes in Mailand und Madrid gaben jeweils etwa knapp vier Prozent nach. Die Renditen der zehnjährigen Anleihen dieser Länder stiegen jeweils um etwa 0,2 Prozentpunkte auf 2,357 Prozent und 2,317 Prozent. Zum Höhepunkt der europäischen Schuldenkrise im Sommer 2012 lagen sie etwa dreimal so hoch. Bei Experten gelten erst Renditen oberhalb von fünf Prozent als kritisch für die Staatsfinanzierung.

Am Devisenmarkt fiel der Euro zeitweise um etwa zwei US-Cent auf ein Vier-Wochen-Tief von 1,0953 Dollar, allerdings fing sich die Gemeinschaftswährung relativ schnell wieder.