G7-Gipfel

Alexis Tsipras verprellt seinen wichtigsten Fürsprecher

Auch EU-Kommissionschef Juncker wendet sich in Elmau vom griechischen Premierminister ab

Alexis Tsipras sitzt auf dem G7-Gipfel nicht mit am Verhandlungstisch – und doch ist Griechenlands Premier allgegenwärtig. Die ungelöste Schuldenkrise belastet das Treffen der mächtigsten Industrienationen auf Schloss Elmau. Wie sehr, wurde schon vor Beginn des eigentlichen Gipfels deutlich.

Jean-Claude Juncker hatte am Sonntagmorgen zu einer Pressekonferenz ins Schloss geladen. Der EU-Kommissionschef war bislang derjenige, der das größte Verständnis für Griechenlands Premier Tsipras aufbrachte. Doch jetzt scheint auch bei Juncker der Geduldsfaden zu reißen. Der Luxemburger ließ mächtig Dampf ab. Tsipras, das wurde deutlich, hat seinen vielleicht wichtigsten Fürsprecher in Brüssel verprellt.

Er habe kein persönliches Problem mit Tsipras, sagte Juncker. „Er war mein Freund, er ist mein Freund. Aber um Freundschaft aufrecht zu erhalten, muss man ein paar Grundregeln beachten.“ Außerdem sei er, legte Juncker ungewohnt offen nach, schon ein „wenig enttäuscht“. Und damit war er noch lange nicht fertig.

Junckers Verärgerung hat Gründe. Händeringend hatten die Gläubiger vergangene Woche nach einer Lösung im griechischen Schuldendrama gesucht. Zahlen die Gläubiger die letzte Tranche des Ende Juni auslaufenden zweiten Rettungspaketes nicht aus, rutscht Griechenland in die Pleite – mit ungeahnten Folgen für das Land und für Europa. Die noch ausstehenden 7,2 Milliarden Euro sollen aber nur an Athen fließen, wenn sich Griechenland zu einem Spar- und Reformprogramm verpflichtet. Dagegen sträubt sich die Regierung in Athen.

Bis Mitte der Woche wähnten sich die Gläubiger auf einem gutem Weg, eine Einigung erzielen zu können. Juncker präsentierte Tsipras am Mittwoch in Brüssel ein fünfseitiges Kompromisspapier. Tsipras war nicht begeistert, doch beide Seiten gingen im Guten auseinander und peilten bis spätestens Sonnabend ein neues Treffen an. Zu dem kam es allerdings nicht mehr. Tsipras lehnte das Kompromissangebot der Geldgeber am Freitag vor dem griechischen Parlament als „absurd“ ab. Und als wolle er ganz sichergehen, dass seine Provokation auch ankommt in Elmau, griff Tsipras am Freitag auch noch zum Telefonhörer und rief Russlands Präsident Wladimir Putin an, der vom G7-Gipfel wegen der Ukraine-Krise ausgeladen worden war.

Juncker reichte es daraufhin offensichtlich. Zumal ihm Griechenlands Premier auch noch am Mittwoch versprochen hatte, einen Tag später einen Alternativvorschlag zur Lösung der Schuldenkrise vorzulegen. Dies hätte Tsipras aber nicht getan, erklärte Juncker. Auch eine zweite Frist bis Freitag habe der griechische Premier verstreichen lassen. Als Tsipras Juncker dann am Sonnabend sprechen wollte, ging Juncker nicht mal mehr ans Telefon.

Angela Merkel wollte das Thema Griechenland vor dem G7-Gipfel eigentlich abräumen, oder wenigstens einfrieren. Nur war die Schuldenkrise in Griechenland zum Ärger der Kanzlerin direkt das erste Thema auf dem Gipfel in Elmau.

Insbesondere die USA sehen in dem Schuldendrama eine Gefahr für die ohnehin schon fragile Weltwirtschaft. Und einen „failed State“ an der Süd-Ost-Flanke der Nato sei angesichts der dschihadistischen Bedrohung und der aggressiven Politik Russlands das Letzte, was man gebrauchen könne.

Auch die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, sitzt in dem holzgetäfelten Raum mit Blick auf grüne Wiesen und hohe Berge mit am Tisch. Und auch sie engt den Handlungsspielraum Merkels in der Griechenland-Krise ein. Der IWF pocht darauf, dass nach Zugeständnissen an Griechenland die Schuldentragfähigkeit des Landes weiter bestehen müsse – notfalls müsse ein Schuldenschnitt dafür her. Andernfalls müsse sich der Fonds aus der Rettung Athens zurückziehen.