Demonstrationen

Mit Rucksack und Wanderschuhen zum Gipfel der G7

Sitzblockaden und Nadelstiche. Proteste bleiben aber friedlich

Die Polizei präsent, Demonstrationsrouten eingeschränkt – und dann setzt auch noch sintflutartiger Gewitterregen die Zelte im Camp unter Wasser: Die G7-Gegner in Garmisch-Partenkirchen sind gebeutelt. Und so ändern sie ihre Strategie, versuchen nun an verschiedenen Stellen zu stören. Sie nennen das „Nadelstiche“ gegen das G7-Treffen in Schloss Elmau.

Friedlich, aber unübersichtlich: Durch Garmisch ziehen einige hundert Menschen, andere sind mit Fahrrädern gestartet, mehrere Demonstrationen gehen – wenngleich auf behördlich verkürzten Routen – sportlich ambitioniert und auf Bergwegen Richtung Schloss. Sieben Stunden wird diese Gruppe von 300 Menschen am Schluss unterwegs gewesen sein. Dutzende versuchen immer wieder Sitzblockaden an der Zufahrtstraße B2 nach Elmau. Sie begrüßen die Polizei mit Seifenblasen – „nette Jungs“, sagt ein Beamter. In Garmisch fordern die Demonstranten „hitzefrei für die Polizei“.

Am Ortsrand wandern Grüppchen. Einzelne verschwinden ausgerüstet mit Rucksäcken und Wanderstiefeln im Wald. Alle wollen auf Schleichwegen zum Ziel: Zur Zufahrtstraße B2 oder so nah wie möglich an Elmau heran. Man wende jetzt die sogenannte Fünf-Finger-Strategie an, erläutert ein Sprecher. Die war schon beim G8-Gipfel in Heiligendamm erfolgreich. Tausende schlüpften damals durch die Polizeiketten und erreichten trotz des Verbotes den Sperrzaun.

Auch rund um Schloss Elmau liegt ein 16 Kilometer langer Sperrgürtel, ein drei Meter hoher Zaun. Hubschrauber kreisen, es gibt „Raumschutzmaßnahmen“ der Polizei. Die Gipfelgäste kommen mit Helikoptern auf dem eigens asphaltierten Landeplatz im Wald bei Elmau an.

Immer wieder Blockadeversuche

Nicht einmal 50 Demonstranten dürfen zu Fuß in die Nähe des Tagungsortes, wegen der „unmittelbaren Gefährdung der öffentlichen Sicherheit“, entschied der Bayerische Verwaltungsgerichtshof am Sonnabend – ein weiterer Dämpfer für die G7-Gegner. Einen Transport durch Polizeiautos hatten sie als unerträglich abgelehnt. Einige versuchen nun, doch näher ans Schloss heranzukommen.

Ein Dutzend anderer Demonstranten schlägt sich morgens durch den Wald zur Bundesstraße 2, die über Klais zum Tagungsort führt. Sie blockieren die Bundesstraße und müssen weggetragen werden. Immer wieder gibt es neue Blockadeversuche.

Am Sonnabend hatten die Demonstrationen bunt und betont fröhlich begonnen. Mit Musik, roten, grünen, gelben Perücken, Faschingsschminke, Clownnasen, in Anlehnung an die Rebel-Clowns, die seit gut zehn Jahren farbenfroh gegen Militarisierung, Krieg und Armut zu Felde ziehen. Später dann doch ein Zwischenfall. Ein Großaufgebot an Polizeibeamten erwartet die Demonstranten am Wendepunkt der Marsches. Einige Gegner versuchen, die Sperre zu durchbrechen. Sie hätten mit einem Feuerlöscher auf die Beamten gesprüht. Die Polizei setzt Schlagstock und Pfefferspray ein.

Neugierig verfolgten viele Garmischer an den Straßen aus sicherer Distanz das Treiben: „So was haben wir noch nicht erlebt.“ Ein Einheimischer, sonntäglich herausgeputzt in Lederhose, sagt kopfschüttelnd: „Kommunisten“.